Am kommenden Dienstag bereitet sich der Neocloud-Anbieter CoreWeave auf die Veröffentlichung seiner Ergebnisse für das zweite Quartal vor. Die Erwartungen an den Spezialisten für KI-Infrastruktur sind hoch, da der Markt auf eine massive Ausweitung der Kapazitäten und eine entsprechende Umsatzdynamik setzt. Analysten gehen davon aus, dass sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 2,56 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hat. Gleichzeitig wird jedoch mit einem Verlust je Aktie von 1,40 US-Dollar gerechnet.
Anleger reagierten im Vorfeld optimistisch: Die Aktie legte am Freitag um 5,25 % zu und schloss bei 78,41 €. Trotz dieser kurzfristigen Erholung notiert das Papier weiterhin etwa 40,60 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, was die hohe Volatilität im Sektor der KI-Dienstleister unterstreicht. Für den Tag der Zahlenbekanntgabe bereitet sich der Optionsmarkt auf erhebliche Schwankungen vor; Händler kalkulieren derzeit mit Kursbewegungen von bis zu 13 % in beide Richtungen.
Analysten-Zuspruch und Milliarden-Backlog
Die Stimmung unter den Marktbeobachtern bleibt trotz der jüngsten Kursabschläge überwiegend positiv. Am gestrigen Freitag startete Piper Sandler die Abdeckung der CoreWeave-Aktie mit einer „Overweight“-Bewertung und setzte ein Kursziel von 151 US-Dollar. Insgesamt raten derzeit 11 von 14 Analysten zum Kauf des Titels. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 147 US-Dollar, was ein erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau impliziert.
Neben den reinen Quartalszahlen rücken die langfristigen Auftragspolster in den Mittelpunkt. Berichten zufolge verfügt das Unternehmen über einen Auftragsbestand von rund 99,4 Milliarden US-Dollar. Um dieses Volumen abzuarbeiten, hat CoreWeave seine geplanten Investitionsausgaben (Capex) für das Jahr 2026 auf eine Spanne zwischen 31 und 35 Milliarden US-Dollar angehoben. Zur Finanzierung dieser massiven Expansion prüft das Management derzeit offenbar die Emission von Anleihen in Europa, wobei sowohl Tranchen in US-Dollar als auch in Euro im Gespräch sind. JPMorgan soll hierzu bereits erste Gespräche mit potenziellen Investoren koordinieren.
Strategische Partnerschaften und Insider-Aktivitäten
Das Geschäftsmodell von CoreWeave basiert stark auf der Bereitstellung von GPU-Rechenleistung, die insbesondere für das Training großer KI-Modelle benötigt wird. In diesem Zusammenhang unterzeichnete das Unternehmen bereits im April ein Abkommen mit Jane Street über 6 Milliarden US-Dollar für Cloud-Dienstleistungen. Diese strategische Bedeutung spiegelt sich auch in der Bewertung wider; Marktbeobachter wie Jim Cramer betonten am Donnerstag die starke Positionierung des Unternehmens im Vergleich zu Wettbewerbern im Neocloud-Sektor.
Ein getrübtes Signal lieferten zuletzt jedoch Meldungen über Insiderverkäufe. CEO Michael Intrator veräußerte am Dienstag im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans rund 308.000 Aktien zu einem Preis von 91,80 US-Dollar pro Stück. Das Transaktionsvolumen belief sich auf etwa 28,2 Millionen US-Dollar. Nach diesem Verkauf hält Intrator weiterhin direkt über zwei Millionen Anteile. Diese Verkäufe reihen sich ein in eine Serie von Abgaben durch Mitbegründer und Großinvestoren, die seit dem Börsengang im März 2025 Liquidität aus ihren Positionen gezogen haben. Dennoch bleibt die fundamentale Entwicklung durch das enorme Wachstum des KI-Marktes und die aggressive Expansion des Rechenzentrum-Netzwerks der primäre Treiber für die kommende Woche.
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