Während viele Wachstumsaktien im Zuge der KI-Rotation an Boden verlieren, richtet sich der Blick bei Costco zunehmend auf ein anderes Wachstumsfeld: das digitale Geschäft. TD Cowen bekräftigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.175 Dollar und verweist auf Fortschritte bei E-Commerce, Lieferdiensten und KI-gestützten Suchfunktionen.

Die Zahlen dahinter sind bemerkenswert. Personalisierte Angebote sorgten im vergangenen Quartal für einen dreistelligen Umsatzzuwachs, und der über KI generierte Traffic wuchs bereits das zweite Quartal in Folge ebenfalls dreistellig.

Costco baut zudem seine Partnerschaften mit Instacart, Uber Eats und DoorDash aus — mit Lieferzeiten von unter einer Stunde bleiben diese Bestellungen laut Unternehmensangaben größtenteils ein Zusatzgeschäft zum klassischen Warehouse-Verkauf.

Auffällig ist der Erfolg bei jüngeren Mitgliedern: Die Gruppe der unter 40-Jährigen ist seit der Corona-Pandemie um fast 60 Prozent gewachsen und macht inzwischen mehr als ein Viertel der Gesamtmitgliedschaft aus. Diese Kundengruppe kommt vor allem über digitale Kanäle, Lieferangebote und mobile Anwendungen ins Ökosystem — ein Umstand, der langfristig für höhere Kundenbindung und Kauffrequenz sprechen könnte.

Bewertung sorgt für gespaltene Meinungen

Trotz der positiven operativen Signale bleibt das Analystenbild uneinheitlich. JPMorgan senkte sein Kursziel von 1.100 auf 1.015 Dollar und begründet dies mit einer Neubewertung von Qualitätswachstumsaktien, da Anleger Kapital verstärkt in Richtung KI-Investments umschichten. Mizuho reduzierte sein Ziel auf 1.065 Dollar, Raymond James auf 1.050 Dollar — Telsey bleibt mit 1.135 Dollar am oberen Ende der Spanne.

Costco handelt aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 45,2 und gilt nach gängigen Fair-Value-Modellen als überbewertet. JPMorgan sieht die Aktie beim 39-Fachen der für 2027 erwarteten Gewinne und damit am oberen Rand der historischen Bewertungsspanne für Wachstums-Konsumwerte. Die Bank rechnet zugleich mit steigender Lebensmittelinflation durch höhere Ölpreise, wertet die laufende Bewertungskorrektur aber als nahezu abgeschlossen.

Die im vierten Geschäftsquartal 2026 vorgelegten Zahlen liefern den fundamentalen Unterbau für den Optimismus: Der Gewinn je Aktie stieg um 15 Prozent auf 6,75 Dollar, die vergleichbaren Umsätze legten um 9,4 Prozent zu. Die Mitgliedsgebühren wuchsen um 7,3 Prozent, während die Erneuerungsrate in den USA und Kanada auf 92,3 Prozent kletterte.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Balanceakt zwischen operativer Stärke und ambitionierter Bewertung. Mit einem Kurs rund 6 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 844 Dollar sehen die Analysten im Konsens noch etwa 19 Prozent Aufwärtspotenzial bis zum Kursziel.