Ein zweistelliges Kursplus im regulären Handel, dann der Rückschlag nachbörslich — Coty liefert am Berichtstag ein Bild mit zwei Gesichtern. Der Umsatz übertraf die Erwartungen deutlich, die operative Substanz zeigt aber weiter Risse.
Im vierten Geschäftsquartal 2026 setzte der Kosmetikkonzern 1,27 Milliarden Dollar um, rund 80 Millionen Dollar mehr als von Analysten erwartet. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,02 Dollar und damit etwas schlechter als die prognostizierten 0,01 Dollar Verlust. Die Aktie schloss den regulären Handel 10,58 Prozent höher bei 3,03 Dollar, gab nachbörslich aber rund 5 bis 8 Prozent wieder ab.
Margen bleiben unter Druck
Die vergleichbaren Umsätze sanken im Quartal nur um 1 Prozent — deutlich besser als der erwartete Rückgang im mittleren einstelligen Bereich. Getrieben wurde die Verbesserung von stärkeren US-Bestellungen bei Prestige-Düften und Massenkosmetik. Für das Gesamtjahr bleibt der Rückgang mit 5 Prozent auf vergleichbarer Basis allerdings deutlicher sichtbar.
Die bereinigte Bruttomarge fiel im Quartal auf 60,9 Prozent, ein Rückgang von 140 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr. Niedrigere Volumina, Überbestände und Zölle belasteten die Profitabilität. Das bereinigte EBITDA brach im Quartal um 26 Prozent ein, für das Gesamtjahr um 22 Prozent.
Ein Lichtblick bleibt der Cashflow: Der freie Cashflow stieg im Geschäftsjahr 2026 auf 348 Millionen Dollar, rund 70 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr. Die Nettoverschuldung sank um fast 840 Millionen Dollar auf 2,9 Milliarden Dollar, der Verschuldungsgrad liegt bei etwa dem 3,4-Fachen.
Übergangsjahr mit Gucci-Ausstieg
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 rechnet Coty mit einem Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 0,11 und 0,13 Dollar liegen, der freie Cashflow im ersten Halbjahr über 300 Millionen Dollar.
Eine Jahresprognose für 2027 legte das Management nicht vor — zu früh, hieß es, angesichts der laufenden Coty.Curated-Restrukturierung und der noch nicht abgeschlossenen strategischen Überprüfung des Konsumkosmetik-Geschäfts.
Das Fiskaljahr 2027 gilt als Übergangsjahr, in dem das Unternehmen das Portfolio vereinfacht und sich auf den stufenweisen Ausstieg aus der Gucci-Lizenz vorbereitet. Zugkräftig zeigen sich unterdessen einzelne Marken: Burberry, Hugo Boss, Calvin Klein, Kylie Cosmetics und Sally Hansen verzeichneten laut Unternehmensangaben Fortschritte, während die Sparte Consumer Beauty insgesamt weiter hinter dem Markt zurückbleibt.
Für Anleger dürfte die für heute angesetzte Analysten-Telefonkonferenz weitere Details zur Kostensenkung und zum Zeitplan des Gucci-Ausstiegs liefern. Bis die Margen sich stabilisieren, bleibt der Blick vor allem auf die Cash-Generierung als verlässlichsten Fortschrittsindikator gerichtet.
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