Der jüngste KI-Schock hat die Cybersecurity-Branche kalt erwischt – und damit auch CrowdStrike und Palo Alto Networks an einen entscheidenden Wendepunkt geführt. Wer heute nach dem Kurssturz überlegt, welche der beiden Aktien die besseren Chancen bietet, kommt an einem datengetriebenen Vergleich nicht vorbei. Entscheidend ist nicht nur, wer aktuell stärker unter Druck steht, sondern wer den KI-Umbruch operativ und finanziell besser verkraftet.
Am Ende steht ein klarer Punktsieg – aber beide Titel spielen in derselben High-End-Liga.
KI-Beben als Auslöser: Was ist passiert?
Am Freitag, 20. Februar 2026, hat das KI-Forschungsunternehmen Anthropic mit „Claude Code Security“ ein autonomes Tool vorgestellt, das Software-Schwachstellen automatisch aufspüren und patchen soll. Die Folge: Ein massiver, emotionsgetriebener Ausverkauf im gesamten Cybersecurity-Sektor.
CrowdStrike brach am Freitag um 8 % ein und verlor bis Montagabend (23. Februar) weitere 10,6 %. Die Aktie schloss bei rund 349,77 US‑Dollar. Palo Alto Networks traf es noch härter – allerdings aus einer anderen Ausgangslage.
PANW hatte wenige Tage zuvor, am 17. Februar, Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2026 vorgelegt: Der Umsatz lag mit 2,59 Mrd. US‑Dollar (+15 % zum Vorjahr) über den Erwartungen, der bereinigte Gewinn je Aktie bei 1,03 US‑Dollar. Doch eine schwächere Prognose für Q3, belastet durch Integrationskosten der Zukäufe CyberArk und Chronosphere, hatte den Kurs bereits vorher unter Druck gesetzt. Die Anthropic-News drückten die Aktie schließlich auf ein neues 52‑Wochentief von 144,14 US‑Dollar.
Während CrowdStrike‑Chef George Kurtz betonte, dass Claude eher ein Entwicklungswerkzeug sei und nicht die operative Endpoint- und XDR-Sicherheit angreife, entschieden sich Anleger für eine pauschale Risiko-Reduktion – vor allem bei hoch bewerteten Wachstumswerten.
Wer leidet stärker unter dem Kurssturz?
Die letzten Handelstage zeigen, wie brutal der Abverkauf verlief – und wie deutlich sich die Cyber-Titel vom breiten Tech-Sektor abgekoppelt haben.
| Zeitraum | CrowdStrike | Palo Alto Networks | Nasdaq-Tech-Index (Relativ) |
|---|---|---|---|
| 1 Tag | -10,51 % | -2,23 % | -1,10 % |
| 1 Woche | -18,78 % | -11,00 % | -2,50 % |
| 1 Monat | -11,69 % | -23,25 % | -1,80 % |
| 3 Monate | -28,05 % | -22,58 % | +3,20 % |
| Seit Jahresbeginn | -19,00 % | -19,27 % | +2,10 % |
| 1 Jahr | -17,10 % | -22,00 % | +18,40 % |
| Volatilität (30 Tage) | 48,2 % | 41,5 % | 18,5 % |
| Beta | 1,35 | 1,18 | 1,00 |
CrowdStrike verzeichnete in der Spitze über 15,08 Mio. gehandelte Aktien – fast das Dreifache des üblichen Durchschnittsvolumens von 4,81 Mio. Palo Alto Networks kam sogar auf 20,86 Mio. Stück. Das deutet klar auf starke institutionelle Verkäufe hin.
Beide Titel liegen deutlich unter ihren Jahreshochs:
– CrowdStrike etwa 38 % unter dem Hoch von 566,90 US‑Dollar
– Palo Alto Networks rund 35 % unter dem Hoch von 223,61 US‑Dollar
Das Muster spricht weniger für einen Einzelfall, sondern für eine übergeordnete Sektor-Rotation: Anleger drehen sich weg von teuren Cyber-Wachstumswerten – nicht, weil die Geschäftsmodelle plötzlich bröckeln, sondern weil die Bewertungsmultiplikatoren unter KI-Angst und Zinsumfeld neu justiert werden.
Fundamentale Stärke: Wer steht finanziell sicherer?
Wenn Panik die Bewertungen zusammenschiebt, entscheidet die Qualität der Bilanz über Überlebenskraft und Erholungstempo. Hier liegen beide Unternehmen weit vor dem Sektor – mit unterschiedlichen Akzenten.
| Kennzahl | CrowdStrike | Palo Alto Networks | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Bruttomarge | 74,10 % | 74,00 % | Praktisch Gleichstand |
| EBITDA-Marge | 15,00 % | 30,00 % | Vorteil PANW (Skaleneffekt) |
| FCF-Marge | 32,00 % | 37,00 % | Vorteil PANW |
| Verschuldungsgrad (Debt/Equity) | 0,00 | 0,00 | Branchenführend |
| Current Ratio | 1,85 | 1,36 | Vorteil CrowdStrike |
| Kassenbestand | 4,80 Mrd. US‑$ | 2,10 Mrd. US‑$ | Puffer bei CrowdStrike |
CrowdStrike sitzt auf 4,8 Mrd. US‑Dollar an liquiden Mitteln, ein Plus von 12,7 % zum Vorjahr. Das verschafft einen massiven Puffer gegen makroökonomische Schocks und erlaubt Investitionen in eigene Produktentwicklung, ohne auf teure Übernahmen angewiesen zu sein.
Palo Alto Networks wiederum fährt mit 0,0 Verschuldung und einer erwarteten bereinigten Free-Cashflow-Marge von 37 % im Geschäftsjahr 2026 einen beeindruckenden Cashflow-Motor. Das Management nutzt diese Stärke offensiv für Zukäufe: CyberArk und Chronosphere sollen die Plattform in Richtung einheitlicher Next-Gen-Sicherheitsarchitektur erweitern. Das sichert ein starkes Wachstum beim wiederkehrenden Next-Gen-Security-Umsatz (ARR), der aktuell um 33 % auf 6,3 Mrd. US‑Dollar wächst – drückt aber kurzfristig auf die Margen.
Beide Unternehmen erfüllen locker die SaaS-„Rule of 40“, also die Summe aus Umsatzwachstum und FCF-Marge:
- CrowdStrike: 22 % Umsatzwachstum + 32 % FCF-Marge = 54 Punkte
- Palo Alto Networks: 15 % Wachstum + 37 % FCF-Marge = 52 Punkte
Im Klartext: Operativ liefern beide Top-Werte – CrowdStrike mit etwas höherem Wachstum, Palo Alto mit etwas höherer Profitabilität.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei CrowdStrike?
Analystenalarm: Panik oder gesunde Neubewertung?
Die Analystenhäuser haben in den letzten Tagen ihre Modelle zügig angepasst. Das Bild: Kursziele runter, positive Grundhaltung bleibt.
Für CrowdStrike:
– TD Cowen (24. Februar): Kursziel von 580 auf 480 US‑Dollar gesenkt, Einstufung „Kaufen“ bleibt. Erwartet werden für das Q4 GJ 2026 (Zahlen am 3. März) 36 % Wachstum beim neuen ARR, getrieben durch das Abo-Modell Falcon Flex.
– Truist: Ziel von 600 auf 550 US‑Dollar reduziert (weiter „Kaufen“).
– Mizuho: Kursziel auf 490 US‑Dollar gesenkt, mit Verweis auf branchenweite Multiple-Kompression.
Für Palo Alto Networks:
– Die Prognose für Q3 GJ 2026 mit einem erwarteten Gewinn je Aktie von 0,78 bis 0,80 US‑Dollar (unter dem Konsens von 0,92 US‑Dollar) sorgte für deutliche Zielsenkungen.
– Dennoch bleiben viele Häuser bei langfristig positiven Einschätzungen, gestützt auf die Umsatzprognose von 11,28 bis 11,31 Mrd. US‑Dollar für GJ 2026 (+22 bis 23 %).
– Besonders hervorgehoben wird, dass KI-getriebene Angriffsformen letztlich eher für eine stärkere Nachfrage nach integrierten Plattformen wie PANW mit Next-Gen-Firewalls und XSIAM sorgen dürften.
Unterm Strich: Die Storys bleiben intakt, die Bewertungen werden an ein raueres Umfeld angepasst.
Charttechnik: Nur technische Schäden oder Trendbruch?
Die Chartbilder beider Aktien wurden durch den KI-Schock deutlich beschädigt – kurzfristig ist vieles Psychologie.
CrowdStrike (CRWD)
Der Kurs von 349,77 US‑Dollar liegt klar unter der 50‑ und 200‑Tage-Linie.
– Erstes Unterstützungsniveau: Tagestief bei 342,72 US‑Dollar.
– Fällt diese Marke, rückt der Bereich um 308,86 US‑Dollar (Tief von März 2025) in den Fokus.
– Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt bei 22 – ein stark überverkauftes Niveau, das kurzfristig eine technische Gegenbewegung begünstigt.
– Widerstand: Die Kurslücke um 384 US‑Dollar.
Palo Alto Networks (PANW)
Mit 144,14 US‑Dollar steht die Aktie am 52‑Wochentief.
– Zentrale Unterstützung: 143,30 US‑Dollar.
– RSI ebenfalls im niedrigen 20er-Bereich – auch hier ein Signal für Überverkauftheit.
– Erster Widerstand: Bereich um 163,22 US‑Dollar (Niveau vor dem Earnings-Einbruch).
Beide Titel kämpfen also technisch um die Bodenbildung. Die nächsten Katalysatoren sind klar terminiert.
Nächste 30 Tage: Wer hat die besseren Karten?
In den kommenden vier Wochen dominiert vor allem ein Termin: die Q4-Zahlen von CrowdStrike am 3. März 2026. Die Szenarien:
Bullishes Szenario (35 % Wahrscheinlichkeit):
CrowdStrike meldet über 1,30 Mrd. US‑Dollar Umsatz und gibt eine starke Prognose für das Geschäftsjahr 2027. Das würde zeigen, dass KI-Tools wie Claude kurzfristig kein reales Umsatzrisiko darstellen. Eine scharfe Short-Eindeckungsrallye wäre möglich – PANW dürfte im Sog mitziehen.Bärisches Szenario (40 %):
Das Management räumt ein, dass Kunden ihre IT-Budgets und KI-Strategien neu sortieren und Entscheidungszyklen sich verlängern. CrowdStrike könnte in Richtung 308 US‑Dollar abrutschen, Palo Alto Networks unter 135 US‑Dollar fallen.Basisszenario (25 %):
Eine Phase der Seitwärtsbewegung. Die Multiples bleiben gedrückt, während der Markt KI-gestützte Entwicklungstools verdaut. Die wiederkehrenden SaaS-Umsätze bilden aber einen soliden Boden.
Die kurzfristige Richtung hängt also stärker an CrowdStrike – der mittel- bis langfristige Trend bleibt für beide vom strukturellen Sicherheitsbedarf geprägt.
Bewertung: Wachstumsprämie oder Übertreibung?
Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen zeigt: Beide Aktien sind teuer – aber auf unterschiedlichem Niveau.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei CrowdStrike?
| Kennzahl | CrowdStrike | Palo Alto Networks | Sektor-Durchschnitt |
|---|---|---|---|
| KGV (TTM) | -338,70 | 82,28 | 45,10 |
| KGV (Forward) | 98,50 | 68,90 | 38,50 |
| EV/EBITDA | 85,20 | 54,60 | 31,20 |
| EV/Umsatz | 21,31 | 10,86 | 8,40 |
| Kurs/Buchwert | 26,50 | 11,30 | 7,10 |
| PEG-Ratio | 3,55 | 4,20 | 2,60 |
| FCF-Rendite | 1,45 % | 2,55 % | 3,10 % |
CrowdStrike zahlt Anlegern eine massive Wachstumsprämie ab: rund das Doppelte des EV/Umsatz-Multiples von Palo Alto Networks. PANW ist zwar ebenfalls über dem Sektor, aber deutlich moderater bewertet – bei gleichzeitig höherer Profitabilität.
Im direkten Bewertungsvergleich wirkt Palo Alto Networks klar „günstiger“ relativ zu Wachstum und Cashflow, während CrowdStrike als Premium-Wachstumswert eingepreist bleibt.
Wachstum: Tempo gegen Skalenvorteil
Beim Wachstum hat CrowdStrike leicht die Nase vorn – vor allem bei den Zukunftsmetriken.
| Kennzahl | CrowdStrike | Palo Alto Networks | Differenz |
|---|---|---|---|
| Umsatzwachstum YoY (zuletzt) | 22,20 % | 15,30 % | +6,90 %-Punkte CRWD |
| Erwartetes Jahreswachstum | 24,00 % | 22,50 % | +1,50 %-Punkte CRWD |
| EPS-Wachstum (TTM) | 102,10 % (Erholung) | 27,20 % | – |
| Wachstum Next-Gen ARR | 36,00 % (Schätzung) | 33,00 % | +3,00 %-Punkte CRWD |
CrowdStrike punktet mit höherem Umsatz- und ARR-Wachstum sowie einer dynamischen Ergebnis-Erholung. Palo Alto Networks kontert mit größerer Basis, höherer Profitabilität und einem massiven Next-Gen-ARR von 6,3 Mrd. US‑Dollar.
Kurz gesagt: CrowdStrike ist das wachstumsstärkere „Pure Play“, Palo Alto Networks der skalierte Plattform-Gigant.
Risiko und Chance: Wer ist robuster?
Die zentralen Risiken und Chancen treffen beide Unternehmen – mit leicht unterschiedlichen Schwerpunkten.
Risikomatrix (Wahrscheinlichkeit x Impact, 1–5):
– Technologische Disruption durch KI: 4 x 4 = 16
– Margendruck durch M&A-Integration: 3 x 4 = 12
– IT-Budgetkürzungen im Abschwung: 3 x 3 = 9
– Intensivierter Wettbewerb: 4 x 3 = 12
Chancenmatrix:
– Anbieter-Konsolidierung: mögliche Umsatzverschiebung von 5 Mrd. US‑Dollar in 12 Monaten
– KI-gesicherte Workloads: bis zu 25 % Preisprämie in 24 Monaten
– Automatisierte Incident Response: bis zu 15 % Margenhebel in 36 Monaten
Palo Alto Networks ist stärker vom M&A-Risiko betroffen, gewinnt dafür über Plattformbreite und Cross-Selling-Potenzial. CrowdStrike ist technologie- und wachstumsgetrieben, dafür stärker von Sentiment-Schwankungen und Bewertungsrisiken abhängig.
Welcher Anlegertyp passt zu welcher Aktie?
Konservative Anleger
Beide Titel zahlen keine Dividende. Für sicherheitsorientierte Investoren wirkt Palo Alto Networks dennoch etwas geeigneter:
– GAAP-Profite
– Keine Verschuldung
– Niedrigeres EV/Umsatz-Multiple als CrowdStrike
Wachstumsorientierte Anleger
Hier spielt CrowdStrike seine Stärken aus:
– Höheres Umsatz- und ARR-Wachstum
– Falcon-Flex-Modell als Turbo für neue Verträge
– 4,8 Mrd. US‑Dollar Cash-Bestand als Entwicklungs- und Innovations-Puffer ohne Zukaufszwang
Value-orientierte Anleger
Value im klassischen Sinne bieten beide nicht – die Historie zeigt dauerhaft hohe Multiples.
Relativ betrachtet erscheint Palo Alto Networks am ehesten als „Value innerhalb von Growth“:
– 52‑Wochentief
– Erwartete FCF-Marge von 37 %
– Marktführerschaft mit Plattformbreite
Endstand im Direktvergleich: Wer liegt vorne?
Am Ende lässt sich der Vergleich in einem Score verdichten:
CrowdStrike
– Gesamtpunktzahl: 65/100
– Stärken: 4,8 Mrd. US‑Dollar Cash, rund 22 % Umsatzwachstum, Bruttomarge von 74,1 %.
– Schwächen: Sehr hohe Bewertung (rund 21x Umsatz), GAAP-Verluste, hohe Kursausschläge (hohes Beta).
– Einordnung: Hochkarätiger Wachstumswert, der durch die KI-Panik deutlich korrigiert hat – interessant für risikobereite Anleger mit Fokus auf Wachstum und Technologie-Leadership.
Palo Alto Networks
– Gesamtpunktzahl: 72/100
– Stärken: GAAP-profitabel, über 30 % bereinigte operative Marge, dominanter Next-Gen-ARR von 6,3 Mrd. US‑Dollar.
– Schwächen: Integrationskosten aus Übernahmen belasten das kurzfristige Ergebnis, das klassische Firewall-Geschäft wächst langsamer.
– Einordnung: Breiter aufgestellter Branchenführer auf 52‑Wochentief, mit starker Free-Cashflow-Generierung und strukturell robuster Abwärtsabsicherung.
Relativer Vorteil:
Palo Alto Networks liegt mit 72 zu 65 Punkten vorne – vor allem dank besserer Bewertung, höherer Profitabilität und Plattformbreite. CrowdStrike bleibt jedoch das dynamischere Wachstumsvehikel mit klarer KI- und Cloud-Fokus-Story.
Für Anleger heißt das:
– Wer Stabilität, Skaleneffekte und Plattform-Power sucht, dürfte eher zu Palo Alto Networks tendieren.
– Wer auf maximales Wachstum und technologische Angriffslust setzt, findet dieses Profil eher bei CrowdStrike.
In einem Markt, der gerade von KI-Angst und Bewertungsdruck getrieben wird, ist eines klar: Der eigentliche Kampf um die Cyber-Vorherrschaft ist noch lange nicht entschieden – er beginnt mit diesem Kursrücksetzer erst so richtig.
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