CSG hat am Freitag Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick nach einem soliden Halbjahr aussehen: Der Umsatz des Rüstungskonzerns stieg im ersten Halbjahr 2026 um 17,2 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) legte um 13 Prozent auf 784 Millionen Euro zu. Die Marge hielt sich mit 24,1 Prozent innerhalb der eigenen Zielspanne. Die Börse reagierte dennoch mit deutlichen Verkäufen: Die Aktie schloss am Freitag bei 18,10 Euro, ein Minus von 6,88 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht das Papier trotz des Rückschlags noch immer 28,37 Prozent im Plus – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rücksetzer vor allem eine Reaktion auf hohe Erwartungen war, nicht auf schwache operative Substanz.

Land Systems treibt das Wachstum, Ukraine-Anteil sinkt

Innerhalb der Sparten war es vor allem der Bereich Land Systems, der die Zahlen prägte: Der Umsatz verdoppelte sich dort im Jahresvergleich auf 445 Millionen Euro. Die Sparte macht inzwischen 46 Prozent des auf 17 Milliarden Euro gewachsenen Auftragsbestands aus. Bemerkenswert ist die Verschiebung der geografischen Nachfrage: Der Anteil der Ukraine am Konzernumsatz sank von 27 auf 17 Prozent, während Bestellungen aus NATO-Ländern zulegten. CSG diversifiziert sein Geschäft damit zunehmend über den ursprünglichen Kriegsschauplatz hinaus.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Management die Prognose von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro Umsatz bei einer EBIT-Marge von 24 bis 25 Prozent. Für das zweite Halbjahr wird zudem eine Freisetzung von 1,5 Milliarden Euro Working Capital erwartet – Kapital, das zuvor in den Aufbau von Lieferketten und Komponentenbeständen geflossen war. Ein konkretes Beispiel dafür liefert die Munitionsproduktion: Bis Ende 2026 soll die Eigenfertigung von Großkalibermunition auf rund 850.000 Schuss steigen, nach 550.000 im Jahr 2025. Firmenmehrheitseigner Michal Strnad äußerte sich laut Bloomberg zuversichtlich und blickt dem restlichen Jahr „mit Vertrauen“ entgegen.

Expansion in den USA und Investition in Sachsen

Parallel zu den Zahlen trieb CSG in den vergangenen Tagen seine internationale Aufstellung voran. Am 5. August stieg der Konzern als strategischer Investor bei der kanadischen Technologiefirma North Vector Dynamics ein, die an Luftverteidigungssystemen, präzisionsgelenkten Raketen, Drohnenabwehr und Hyperschalltechnologien der nächsten Generation arbeitet. Über die Höhe der Investition vereinbarten die Parteien Stillschweigen, die Bewertung von North Vector Dynamics liegt inzwischen über 90 Millionen US-Dollar.

Einen Tag zuvor hatte die deutsche Tochtergesellschaft CSG Energetic Materials Germany den Kauf des 57 Hektar großen Industriegeländes Gnaschwitz bei Bautzen in Sachsen von MAXAM abgeschlossen. CSG plant dort Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro und will Produktionskapazitäten für Nitroglyzerin und darauf basierende Produkte aufbauen, parallel zur Fertigung von Munition und Munitionskomponenten. Nach Abschluss der geplanten Projekte sollen bis zu 125 neue Arbeitsplätze entstehen.

Auch personell rüstet CSG auf: Seit dem 1. August sitzt der Rüstungsveteran Ben Hudson als Vize-Vorsitzender im Vorstand der Czechoslovak Group und leitet zugleich als Chief Technology Officer die Sparte CSG Land Systems. In den USA übernahm Jason Alejandro Monahan, der zuvor mehr als zwei Jahrzehnte unter anderem bei General Dynamics tätig war, die Präsidentschaft der neu gegründeten CSG Land Systems North America. Mit dem Aufbau eines Büros in Washington und dem Baustart des Programms Future Artillery Complex in Iowa positioniert sich CSG gezielt für den größten Verteidigungsmarkt der Welt. Ein neues Joint Venture namens Firecrest Aerospace soll zudem das Drohnen- und Präzisionsantriebsgeschäft für US-amerikanische und alliierte Kunden skalieren.

Kritischer Bericht und Kursbild

Überschattet wurde die Nachrichtenlage zuletzt von einem zweiten kritischen Bericht des Medienunternehmens Hunterbrook Media, das eine offengelegte Short-Position in der Aktie hält. CSG wies die Vorwürfe als selektive Interpretation öffentlich verfügbarer Informationen zurück und verwies zur Untermauerung seiner Geschäftsentwicklung auf einen Vertrag über ein mehrschichtiges Luftabwehrsystem in Südostasien im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Charttechnisch bleibt die Aktie trotz der jüngsten Erholung deutlich von ihrem Rekordhoch entfernt: Zum 52-Wochen-Hoch von 36,05 Euro aus dem Januar beträgt der Abstand noch 49,80 Prozent. Die Bewertung des Konzerns liegt aktuell bei rund 20 Milliarden Euro Marktkapitalisierung – ein Volumen, das angesichts der operativen Dynamik und der internationalen Expansion weiterhin Diskussionsstoff für Anleger liefert.