CSL hat für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 2,58 Milliarden US-Dollar ausgewiesen – belastet durch Abschreibungen von 7,1 Milliarden US-Dollar und Restrukturierungskosten von 799 Millionen US-Dollar.
Der Markt reagierte dennoch positiv: Der Kurs legte am Tag der Zahlen um 17 Prozent zu, weil das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis (NPATA) mit 3,1 Milliarden US-Dollar die eigene Prognose traf und der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 mit rund 5 Prozent Gewinnwachstum die Erwartungen des Marktes von lediglich 1 bis 2 Prozent deutlich übertraf.
Die Aktie notiert aktuell bei 104,22 Euro und legt am heutigen Donnerstag um 2,3 Prozent zu. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 23 Prozent – Ausdruck der Erleichterung, die auf den Zahlen vom Dienstag folgte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 125,34 Euro, erreicht am 21. August 2025, bleibt das Papier dennoch 17 Prozent entfernt.
Vifor bleibt Belastungsfaktor
Der Verlust ist maßgeblich auf die Vifor-Sparte zurückzuführen. CSL rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit einem Umsatzrückgang von rund 25 Prozent in diesem Segment, verursacht durch Generika-Konkurrenz bei Eisenpräparaten und das Auslaufen einer US-Erstattungsregelung für Velphoro zum 31. Dezember 2026. Zusätzlich hatte die Europäische Kommission Anfang August die Marktzulassung für das Vifor-Präparat Tavneos (Avacopan) widerrufen, nachdem sich Daten der Zulassungsstudie als „falsch und irreführend“ herausgestellt hatten.
Das Kerngeschäft CSL Behring zeigte dagegen ein gemischtes Bild: Der Umsatz sank währungsbereinigt um 1 Prozent auf 11,4 Milliarden US-Dollar, doch die Immunglobulin-Sparte erholte sich im zweiten Halbjahr mit einem Plus von 7 Prozent, da sich die Lagerbestände im US-Vertriebskanal normalisierten.
Das Transformationsprogramm des Unternehmens brachte im Geschäftsjahr 2026 vorsteuerliche Einsparungen von 176 Millionen US-Dollar – deutlich mehr als das ursprüngliche Ziel von 100 Millionen US-Dollar.
Kapitalrückführung und Führungsfrage
Der Vorstand genehmigte ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,1 Milliarden australische Dollar für das kommende Jahr, nachdem ein vorheriges Programm über 1 Milliarde australische Dollar im Geschäftsjahr 2026 abgeschlossen wurde.
Zusätzlich erklärte CSL eine unfrankierte Schlussdividende von 1,62 US-Dollar je Aktie, womit sich die Gesamtdividende für das Geschäftsjahr 2026 auf 2,92 US-Dollar je Aktie beläuft – unverändert gegenüber dem Vorjahr.
Auf der Führungsebene bleibt Gordon Naylor Interims-CEO und Managing Director, während die Suche nach einem permanenten Nachfolger laut Unternehmensangaben „weit fortgeschritten“ sei. Naylor verkündete zudem eine strategische Kooperation mit dem niederländischen Biotech-Unternehmen VarmX zur Entwicklung einer möglichen Behandlung zur Wiederherstellung der Blutgerinnung.
Die für Melbourne angesetzte Hauptversammlung dürfte zum Prüfstein für die Kapitalallokationsstrategie des Unternehmens werden – Anleger werden dort genauer hinterfragen, wie CSL die Vifor-Probleme adressiert.
Bell Potter erhöhte am Donnerstag das Kursziel von 120 auf 150 australische Dollar bei unveränderter „Hold“-Einstufung und begründete dies mit einer „Erleichterungsrally“, nachdem der Abwärtszyklus bei den Gewinnschätzungen offenbar seinen Tiefpunkt erreicht habe.
Zacks Research hob am Mittwoch die Gewinnschätzung je Aktie für das Geschäftsjahr 2027 von 23,79 auf 24,25 US-Dollar an – trotz der anhaltenden Gegenwinde im Vifor-Segment.
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