Nach dem ersten Investor Day von D-Wave Quantum haben gleich drei Wall-Street-Häuser ihre Kursziele angehoben oder bestätigt — ein Signal, das weniger auf technische Durchbrüche als auf eine neu bewertete Geschäftsstrategie zurückgeht.
Drei Kaufempfehlungen, drei unterschiedliche Blickwinkel
Roth Capital hob sein Kursziel von 30 auf 40 US-Dollar an und begründete das mit dem Vertrauen des Managements in die Wettbewerbsposition und die langfristigen Wachstumschancen. Rosenblatt bestätigte sein Kursziel von 43 Dollar und verwies auf D-Waves Fähigkeit, mit der Annealing-Technologie bereits Umsätze zu erzielen, während parallel eine Gate-basierte Plattform entwickelt wird. Stifel blieb bei 35 Dollar und betonte, die Investor-Day-Präsentation habe den langfristigen Margenpfad und den Kapazitätsrahmen geschärft — ohne aber die kurzfristigen Schätzungen zu verändern.
Alle drei Kursziele liegen über dem aktuellen Handelsniveau. Die Aktie notiert derzeit bei rund 25 Euro, hat in den vergangenen 30 Tagen bereits rund 42 Prozent zugelegt und handelt damit deutlich über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
Was der Investor Day konkret offenbarte
D-Wave reichte die Präsentationsunterlagen am 1. Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Das Herzstück war ein Einblick in das Erlösmodell: Quantum Computing as a Service, Professional Services, Systemverkäufe sowie Support und Training.
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Besonders aufschlussreich waren die Bruttomargen-Ziele bei Skalierung. Für Cloud-Dienste peilt das Unternehmen 65 bis 75 Prozent an, für Professional Services 40 bis 50 Prozent, für Quantencomputer-Systeme sogar 75 bis 90 Prozent. Vier Annealing-Produktionssysteme stützen derzeit den Leap-Cloud-Dienst — mit einer jährlichen Umsatzkapazität von 100 bis 120 Millionen Dollar.
Stifel hob zudem hervor, dass D-Wave sich strategisch neu positioniert: weg vom reinen Annealing-Anbieter, hin zu einem Unternehmen mit zwei Quantenplattformen.
Buchungen liefern den kurzfristigen Maßstab
Im ersten Quartal 2026 meldete D-Wave Buchungen von 33,4 Millionen Dollar — ein Anstieg von fast 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Darunter ein Systemkauf der Florida Atlantic University über 20 Millionen Dollar und ein zweijähriger Cloud-Vertrag mit einem Fortune-100-Unternehmen über 10 Millionen Dollar.
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Die Liquiditätsbasis ist solide: Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über Barmittel und Wertpapiere von 588 Millionen Dollar. Allerdings flossen davon 250 Millionen Dollar in die Übernahme von Quantum Circuits im ersten Quartal.
Umsatzanerkennung bleibt die entscheidende Hürde
Das eigentliche Spannungsfeld liegt zwischen Buchungen und tatsächlich anerkanntem Umsatz. D-Wave selbst wies darauf hin, dass die Umsatzrealisierung von vertragsspezifischen Erfüllungspflichten abhängt — bei Systemen nach Fertigstellungsgrad, bei Cloud-Diensten ratierlich über die Laufzeit.
Für Investoren bedeutet das: Die nächsten Quartale müssen zeigen, wie schnell die rekordhohen Buchungen in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung ankommen. Kundengewinnung, Cloud-Auslastung und die Skalierung der Systemverkäufe werden darüber entscheiden, ob die Marktkapitalisierung von rund 11 Milliarden Dollar fundamental untermauert werden kann.
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