D-Wave Quantum steht vor einer entscheidenden Woche. Der Quantencomputer-Spezialist tritt Ende August bei zwei wichtigen Investorenkonferenzen auf. Im Zentrum steht dabei eine auffällige Kluft: Die Auftragsbücher füllen sich rasant, doch in der Bilanz kommt davon bislang wenig an.

Am Montag bestätigte das Unternehmen seine Teilnahme an der Needham-Halbleiterkonferenz am 20. August sowie an der Technologiekonferenz der Deutschen Bank in Dana Point, Kalifornien, am 27. August. Die Auftritte kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Investoren müssen gerade abwägen, wie sie technologische Fortschritte gegen eine schwache kurzfristige Finanzlage gewichten.

Bestellungen schießen nach oben, Umsatz bleibt liegen

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal zeigen ein widersprüchliches Bild. Der Umsatz stagnierte bei 3,1 Millionen Dollar und blieb damit unter den Erwartungen der Analysten. Gleichzeitig sprangen die Bestellungen im ersten Halbjahr um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar.

Ein zentraler Treiber dieses Sprungs: ein Systemverkauf über 20 Millionen Dollar an die Florida Atlantic University. Bei solchen Großaufträgen verbucht D-Wave den Umsatz erst nach Lieferung und Inbetriebnahme. Die aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung spiegelt die gestiegene Nachfrage deshalb noch nicht wider.

Der Auftragsbestand — offene Leistungsverpflichtungen, die noch nicht als Umsatz erfasst sind — lag zur Jahresmitte bei 40,7 Millionen Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 668 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die kommenden Konferenzen dürfte genau das im Mittelpunkt stehen: Wann wird aus Auftragsbestand tatsächlicher Umsatz?

Analysten bleiben trotz Verlust optimistisch

Das operative Bild bleibt angespannt. Im zweiten Quartal verbuchte D-Wave einen bereinigten EBITDA-Verlust von 37,1 Millionen Dollar. Die Wall Street lässt sich davon bislang wenig beeindrucken: 14 Analysten bewerten die Aktie aktuell mit „Buy“, darunter aktuelle Einschätzungen von Benchmark, Wedbush und Rosenblatt Securities.

An der Börse zeigt sich das Bild in Zahlen. Die Aktie schloss zuletzt bei 17,52 Euro, ein Jahresverlust von 22,68 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober 2025 bei 40,41 Euro trennen das Papier inzwischen 56,64 Prozent.

Die hohe Schwankungsbreite der Aktie — eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 105 Prozent — unterstreicht, wie spekulativ der Quantencomputer-Sektor nach wie vor gehandelt wird. Verstärkt wird dieser Effekt durch die 250-Millionen-Dollar-Übernahme von Quantum Circuits Anfang des Jahres, die auch die Liquiditätslage des Unternehmens verändert hat.

Auf den Konferenzen am 20. und 27. August dürfte es vor allem um zwei Fragen gehen: Wann liefert D-Wave das FAU-System aus, und wie viel vom aktuellen Auftragsbestand wandelt sich in den nächsten zwölf Monaten tatsächlich in Umsatz um.