D-Wave Quantum hat am Donnerstag Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt, die ein zwiespältiges Bild zeichnen. Während der Auftragseingang förmlich explodiert, verfehlte der Anbieter von Quantencomputern beim Gewinn die Erwartungen der Analysten deutlich. Der Umsatz blieb praktisch auf der Stelle stehen.
Umsatzstagnation, aber Buchungsboom
Im zweiten Quartal erzielte D-Wave einen Umsatz von 3,1 Millionen Dollar – nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der GAAP-Verlust pro Aktie lag bei 0,13 Dollar und verfehlte die Analystenschätzung von 0,10 Dollar damit um rund 30 Prozent. Ganz anders sieht die Entwicklung bei den Auftragseingängen aus: Im ersten Halbjahr 2026 kletterten die Bookings auf 35,5 Millionen Dollar, ein Plus von 1.120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im zweiten Quartal legte der Auftragseingang um 59 Prozent auf 2,1 Millionen Dollar zu. Getrieben wurde der Halbjahreswert unter anderem durch den Verkauf eines Quantencomputersystems im Volumen von 20 Millionen Dollar, dessen Umsatz erst in künftigen Quartalen verbucht wird.
Auch der Auftragsbestand wuchs kräftig: Die noch zu erfüllenden Leistungsverpflichtungen summierten sich auf 40,7 Millionen Dollar, ein Anstieg von 668 Prozent im Jahresvergleich. Rund 57 Prozent dieses Betrags will das Unternehmen innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz realisieren.
Kostendruck belastet die Marge
Der Auftragsboom hat seinen Preis. Höhere Personalkosten drückten im zweiten Quartal auf die Profitabilität und ließen die GAAP-Bruttomarge im Jahresvergleich um 8,4 Prozentpunkte sinken. Auf Halbjahressicht summierte sich der bereinigte EBITDA-Verlust auf 69,9 Millionen Dollar – ein Anstieg von 43,8 Millionen Dollar gegenüber den 26,1 Millionen Dollar Verlust im ersten Halbjahr 2025. D-Wave begründet die höheren Investitionen mit dem Ausbau der Produktentwicklung und der Vertriebsaktivitäten.
Die Kluft zwischen wachsendem Auftragsbestand und schrumpfender Profitabilität dürfte Anleger vorerst weiter beschäftigen. Für ein Unternehmen in dieser Wachstumsphase ist ein steigender Investitionsaufwand nicht unüblich, doch die Verlustausweitung zeigt, wie viel Kapital der Aufbau des Geschäfts derzeit verschlingt.
AT&T baut Partnerschaft aus
Parallel zu den Quartalszahlen sorgte eine Nachricht vom 27. Juli für Aufmerksamkeit: AT&T unterzeichnete eine Vereinbarung, um den Einsatz der Quantentechnologie von D-Wave in seinen Netzwerkbetrieben auszuweiten. In ersten Tests reduzierte AT&T die Verarbeitungszeit für die Netzwerkoptimierung von rund einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden. Der Fokus liegt zunächst darauf, die annealing-basierte Quantentechnologie von D-Wave in die agentenbasierten KI-Werkzeuge von AT&T zu integrieren – jene Systeme, die bereits 2025 zur Reduktion von Ausfallzeiten der Kunden um 12 Millionen Stunden beitrugen. AT&T plant, die Technologie künftig auch für Störungserkennung, Techniker-Routing, Netzausbauplanung und Verkehrsmanagement einzusetzen. Zudem prüft der Telekomkonzern die kommenden Gate-Modell-Systeme von D-Wave für Anwendungen in der Quantensicherheit und -kommunikation.
Roadmap und Kursreaktion
Mit Blick auf die technologische Weiterentwicklung nannte D-Wave konkrete Ziele: Ein Multi-Chip-Ansatz soll bis 2029 ein System mit 20.000 Qubits ermöglichen, bis 2031 soll das Advantage3-System auf 100.000 Qubits skaliert werden.
Am Aktienmarkt kam die Mischung aus Auftragsdynamik und AT&T-Partnerschaft insgesamt positiv an. Die Aktie schloss am Freitag bei 17,91 Euro, ein Plus von 6,16 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht summiert sich der Kursgewinn auf 14,37 Prozent. Die Bewertung von D-Wave bleibt angesichts eines Quartalsumsatzes von 3,1 Millionen Dollar bei einer Marktkapitalisierung von 6,22 Milliarden Euro ambitioniert – die Wachstumsgeschichte über Auftragseingang und Partnerschaften wie jene mit AT&T soll diesen Bewertungsvorsprung rechtfertigen.
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