Das Spannungsfeld zwischen staatlicher Unterstützung und den damit verbundenen Belastungen für Altaktionäre bestimmt die Lage bei D-Wave Quantum. Zwar fließen im Rahmen des US-amerikanischen CHIPS and Science Act bis zu 100 Millionen Dollar an Fördergeldern in das Unternehmen.
Gleichzeitig belasten jedoch die konkreten Bedingungen dieser Finanzierung und die Ausgabe neuer Anteilsscheine die Stimmung am Markt. Die Aktie verliert am heutigen Montag 1,9 Prozent auf 14,21 Euro.
Verwässerung durch staatliche Aktienpakete
Hintergrund der Zurückhaltung an den Märkten ist die Ausgestaltung der staatlichen Unterstützung. Die Vereinbarung mit dem US-Handelsministerium sieht eine nicht-kontrollierende Minderheitsbeteiligung der US-Regierung vor. Zur Umsetzung dieser Beteiligung wurden 7.095.721 neue Stammaktien an die Behörde ausgegeben.
Für die bestehenden Aktionäre bedeutet dieser Schritt eine unmittelbare Verwässerung ihrer Anteile. D-Wave Quantum reichte eine Prospektergänzung unter seiner Rahmenregistrierung Form S-3ASR ein, um einen potenziellen Wiederverkauf dieser Aktien durch das US-Handelsministerium abzusichern.
Dem Dokument war eine juristische Stellungnahme der Kanzlei Paul, Weiss beigefügt. Dass die staatliche Seite diese Papiere künftig am Markt veräußern kann, dämpft den Optimismus spürbar.
Forschungsmittel für zwei Technologieansätze
Inhaltlich markiert das Abkommen einen bedeutenden Schritt für die technologische Ausrichtung des Unternehmens. Die Fördermittel sind zweckgebunden für Forschung und Entwicklung im Bereich der Halbleiterprozesstechnologie vorgesehen.
Das Kapital soll dabei zwei unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen zugutekommen. Neben den etablierten Annealing-Systemen fließen die Mittel auch in Arbeiten an Gate-Model-Quantencomputern auf Basis von Supraleitern. Das US-Handelsministerium zielt darauf ab, Fertigungsprozesse für supraleitende Quantenarchitekturen voranzutreiben und technologische Fortschritte in diesem Segment zu beschleunigen.
Neuausrichtung im Finanzressort
Zu den bilanziellen Veränderungen tritt ein Wechsel im Management hinzu. Vor rund zwei Wochen gab das Unternehmen das Ausscheiden seines langjährigen Finanzchefs bekannt. John Markovich trat am 2. September in den Ruhestand.
Die Leitung der Finanzen übernahm vorübergehend Greg Golkov, bisher Senior Vice President of Finance. Er fungiert als amtierender CFO sowie als leitender Finanz- und Rechnungslegungsbeauftragter. Der Wechsel an der Spitze des Ressorts fällt in eine Phase, in der das Unternehmen die staatlichen Auflagen einbinden und die Verwässerungsfolgen an den Märkten moderieren muss.
Anleger wägen Risiken ab
Die Mischung aus staatlichem Einstieg, neuem Aktienangebot und personellem Umbau sorgt für Zurückhaltung. Zwar stellt die Förderung langfristige Mittel für anspruchsvolle Entwicklungsarbeiten bereit, doch der mögliche Verkaufsdruck durch die neuen Papiere belastet das Sentiment. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 37 Prozent.
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