Die Quantencomputing-Branche bekommt Geld vom Staat, und D-Wave Quantum gehört zu den Nutznießern. Für mich ist das aber kein Grund zur Entwarnung, sondern eher eine Bestätigung dafür, wie sehr diese Aktien mittlerweile von politischer Förderung statt von eigener Wirtschaftlichkeit getragen werden.

Die US-Regierung hat rund 300 Millionen Dollar über den CHIPS and Science Act an D-Wave, Rigetti und Quantinuum verteilt, jeweils etwa 100 Millionen Dollar pro Unternehmen für Forschung und Entwicklung, verbunden mit einer Minderheitsbeteiligung des Staates. Das ist ohne Zweifel ein Vertrauensbeweis in die Technologie.

Zugleich zeigt der Zacks Analyst Blog, dass D-Wave und Rigetti trotz dieser Förderung mehr als ein Viertel unter ihrem Kursniveau von Anfang 2026 notieren. Genau diese Diskrepanz halte ich für den Kern der Geschichte: Politische Unterstützung kann eine Aktie stützen, sie kann aber keine fehlende operative Substanz ersetzen.

Ein Sektor, der von Rechenzentren lebt, nicht von Qubits

Was mich an diesem Freitag besonders nachdenklich stimmt, ist der Kontrast zwischen D-Wave und den großen Cloud-Playern. Alphabet plant für 2026 Investitionen von 195 bis 205 Milliarden Dollar, Google Cloud wuchs im zweiten Quartal um 82 Prozent, der Auftragsbestand liegt bei 514 Milliarden Dollar.

AWS legte im gleichen Zeitraum um 37 Prozent zu und erreicht eine Run-Rate von 169 Milliarden Dollar. IBM kündigt über fünf Jahre mehr als 10 Milliarden Dollar an Quanten-Investitionen an. Das sind Dimensionen, in denen sich D-Wave schlicht nicht bewegt.

Diese Zahlen sind für mich kein Vergleich auf Augenhöhe, sondern ein Hinweis darauf, wie klein D-Wave im großen Bild der Technologiewelt tatsächlich ist. Während Oracle nach starken Quartalszahlen mit einem Rekord-Auftragsbestand von 664 Milliarden Dollar an der Börse gefeiert wird und CoreWeave mit einem Backlog von rund 104 Milliarden Dollar überzeugt, bleibt D-Wave ein Nischenwert, dessen Schicksal stark an staatlicher Förderpolitik hängt.

Der Blick auf den Kurs bestätigt die Skepsis

Der aktuelle Kurs von 14,44 Euro liegt rund 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,58 Euro – ein Signal, dass der mittelfristige Trend klar nach unten zeigt, trotz der jüngsten Förderzusagen. Und mit einem Minus von 36 Prozent seit Jahresbeginn hat sich die Aktie deutlich schlechter entwickelt als es die Euphorie um Quantencomputing noch Anfang des Jahres vermuten ließ.

Für mich ist das ein Beleg dafür, dass Marktteilnehmer inzwischen genauer hinschauen, welche Unternehmen aus dem Quantensektor tatsächlich Umsätze generieren und welche primär von Förderprogrammen und Zukunftsversprechen leben.

Bezeichnend finde ich auch, dass der Novo-Holdings-Report auf ein strukturelles Problem der gesamten Branche hinweist: Rund 70 Prozent der insgesamt 13,9 Milliarden Dollar an privaten Investitionen in Quantencomputing zwischen 2014 und 2025 flossen in Hardware, während die Anwendungsebene unterfinanziert blieb.

Der Report erwartet erst Ende der 2020er beziehungsweise Anfang der 2030er Jahre eine Frühphase mit nennenswerter Qubit-Skalierung. Das deckt sich mit meiner Einschätzung, dass D-Wave noch Jahre von einer kommerziellen Reife entfernt sein dürfte, die die aktuelle Bewertung rechtfertigen würde.

Fazit: Förderung stützt, überzeugt aber nicht

Unterm Strich sehe ich D-Wave als Symbol für ein Dilemma der gesamten Quantenbranche: Staatliche Programme wie der CHIPS Act signalisieren strategische Bedeutung, doch sie lösen nicht das Grundproblem fehlender Skalenerlöse.

Solange Konkurrenten wie Alphabet oder Amazon mit Cloud-Wachstumsraten im zweistelligen bis dreistelligen Prozentbereich glänzen, während D-Wave auf Fördergelder angewiesen bleibt, spricht für mich wenig dafür, dass sich das fundamentale Bild kurzfristig dreht.

Die Volatilität der Aktie von 71 Prozent auf Jahresbasis passt zu diesem Bild eines Wertes, der stärker von Nachrichtenlage und politischer Symbolik lebt als von belastbaren Geschäftszahlen.

Anleger, die auf D-Wave setzen, wetten meiner Einschätzung nach weniger auf ein Unternehmen als auf eine ganze Technologievision, deren Zeithorizont sich nach den Erkenntnissen der Branchenberichte eher in Richtung Mitte der 2030er Jahre verschiebt.