Zwei Tage vor den Quartalszahlen häufen sich bei D-Wave Quantum die guten Nachrichten. Erst die Kooperation mit Nasdaq Verafin, dann ein optimistisches Analystenurteil. Die Aktie reagiert prompt.
Am Dienstag steigt das Papier um 2,58 Prozent auf 17,86 Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich das Plus auf 15,34 Prozent. Anleger positionieren sich offenbar vor dem Quartalsbericht am 6. August, wenn CEO Alan Baratz und CFO John Markovich Zahlen und Ausblick vorstellen.
Quantencomputer gegen Finanzkriminalität
D-Wave und Nasdaq Verafin wollen gemeinsam prüfen, ob Quantencomputing gegen Finanzkriminalität hilft. Im Zentrum steht ein Proof-of-Concept-Projekt. Es soll D-Waves Annealing-Technologie testen, um komplexe Muster in Transaktionsdaten, Kontobeziehungen und Netzwerken von Geschäftspartnern zu erkennen.
Das Ziel: bessere Vorhersagemodelle für Betrug, Trickbetrug und Geldwäsche. Nasdaq Verafin will dabei hunderte potenzielle Datensignale aus Kontoaktivität und Transaktionsmustern analysieren. CEO Baratz sieht darin einen Beleg dafür, dass Nasdaq Verafin seine Rolle als technologisch fortschrittliches Unternehmen in der Finanzbranche ausbaut.
Die Meldung reiht sich in eine Serie kommerzieller Partnerschaften ein. Erst vor einer Woche hatte D-Wave eine Erweiterung der Zusammenarbeit mit AT&T verkündet. Der Telekomkonzern integriert die Quantentechnologie in seine KI-gestützten Netzwerkabläufe — eine erste Anwendung senkte die Bearbeitungszeit für eine Optimierungsaufgabe von rund einer Stunde auf unter 15 Sekunden, eine Beschleunigung um das 240-Fache.
Wedbush sieht Verdopplungspotenzial
Zum Partnerschaftsschub gesellt sich frischer Rückenwind von der Wall Street. Wedbush-Analyst Matt Bryson nimmt die Coverage für D-Wave neu auf. Sein Rating: Outperform, sein Kursziel: 40 Dollar — nahezu doppelt so hoch wie das aktuelle Kursniveau.
Nicht alle Marktbeobachter teilen den Enthusiasmus uneingeschränkt. Die AT&T-Kooperation bleibe vorerst ein Testlauf ohne bestätigten Umsatzbeitrag, geben Kritiker zu bedenken. Der Optionsmarkt preist für die anstehenden Zahlen bereits eine zweistellige prozentuale Kursbewegung ein — ein Signal für die hohe Unsicherheit rund um den Bericht.
Verluste erwartet, Volatilität hoch
Für das zweite Quartal rechnet die Wall Street mit einem Verlust je Aktie bei überschaubarem Umsatz. Die Erwartungen liegen deutlich höher als in früheren Quartalen — auch weil die Aktie zuletzt einen ungewöhnlich starken Lauf hingelegt hat.
Die Kennzahlen zeigen, wie schwankungsanfällig das Papier bleibt. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 100 Prozent zählt D-Wave zu den unruhigsten Werten im Quantencomputing-Sektor. Vom 52-Wochen-Hoch bei 38,48 Euro aus dem Oktober 2025 trennen die Aktie noch immer mehr als 53 Prozent.
Der Bericht am Donnerstag vor US-Börsenöffnung wird zeigen, ob die Partnerschaftsdynamik der letzten Wochen auch in harten Zahlen ankommt. Bis dahin bleibt die Kluft zwischen kommerziellen Ankündigungen und dem noch jungen Finanzprofil des Unternehmens das bestimmende Thema für die Aktie.
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