RBC traut Daimler Truck einen Kurssprung zu. Die kanadische Bank hebt das Kursziel von 58 auf 63 Euro an und bestätigt die Einstufung „Outperform“. Der Grund liegt im nordamerikanischen Nutzfahrzeugmarkt, der sich nach Einschätzung von Analyst Nick Housden im Erholungsmodus befindet — und dort ist Daimler Truck besonders stark exponiert.
Abschlag zu Paccar als Argument
Housden verweist auf eine „glaubwürdige Selbsthilfestory“ des Konzerns, eine attraktive Dividendenrendite und laufende Aktienrückkäufe. Besonders auffällig: Daimler Truck wird mit einem Abschlag von gut 50 Prozent zum US-Konkurrenten Paccar gehandelt, den RBC ebenfalls auf „Outperform“ hochgestuft hat.
Beim schwedischen Rivalen Volvo sieht der Analyst dagegen weniger Überraschungspotenzial nach oben, weil dessen stärkeres Europageschäft die positive Gewinndynamik begrenzt.
Die Aktie selbst bewegte sich zuletzt im Bereich von rund 44 Euro — das RBC-Ziel von 63 Euro würde also ein deutliches Aufwärtspotenzial implizieren, sollte sich die nordamerikanische Nachfrage tatsächlich wie erwartet erholen.
Wasserstoff als zweite Wette
Neben der Kurszielanhebung sorgt Daimler Truck auch strategisch für Gesprächsstoff. Konzernchefin Karin Rådström bekräftigte, dass der Konzern parallel zur Batterietechnik massiv in Wasserstoff-Lkw investiert — auch wenn zahlreiche Automobilhersteller sich aus diesem Segment zurückziehen. Nach Tests mit Prototypen soll ab Ende des Jahres eine Kleinserie von 100 wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen in den Kundeneinsatz gehen.
Rådström begründet die Doppelstrategie mit unterschiedlichen Kundenbedürfnissen: Für Anwendungen mit hoher Nutzlast und Reichweite biete Wasserstoff Vorteile gegenüber der Batterie, zudem gehe das Tanken deutlich schneller als das Laden.
Der Konzern will dabei aus den Erfahrungen der Elektromobilität lernen und früh Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufbauen. Details zu einem geplanten Wasserstoff-Ökosystem mit Partnern aus Transport, Energie und Industrie sollen auf einer Messe in Hannover in der kommenden Woche bekanntgegeben werden.
Für Daimler Truck verdichten sich damit zwei Erzählstränge: kurzfristig die Hoffnung auf eine zyklische Erholung in Nordamerika, langfristig die strategische Wette auf Wasserstoff als Ergänzung zur Batterietechnik. Ob beide Wetten aufgehen, dürfte sich zunächst an den Absatzzahlen in den USA zeigen — dem Markt, auf den RBC seine optimistische Einschätzung stützt.
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