Zwei nicht rechtskräftige Urteile geben den kartellbedingten Preisaufschlägen bei Daimler-Lkw eine konkrete Größenordnung. Für Anleger rückt damit vor den nächsten Quartalszahlen die rechtliche Belastung in den Blick. Daimler Truck erklärte am Mittwoch, zunächst die schriftlichen Urteile prüfen zu wollen. Eine rechtskräftige Entscheidung stellen die Urteile noch nicht dar.
Preisaufschläge nach Fahrzeugklasse beziffert
Das Landgericht München I bezifferte den kartellbedingten Aufschlag bei schweren Daimler-Lkw auf 3,7 % des Nettokaufpreises. Für mittelschwere Fahrzeuge setzte es 4,2 % an. Die beiden Fahrzeugklassen werden damit unterschiedlich bewertet.
Für die Einordnung ist der Verfahrensstand entscheidend: Die gerichtliche Bezifferung liegt vor, die Prüfung durch Daimler Truck steht nach der Unternehmensäußerung zunächst an. Beides ist von einer abschließenden rechtlichen Klärung zu unterscheiden.
Betroffen waren Käufe von 1997 bis 2009. Die Urteile betreffen damit einen historischen Kaufzeitraum und nicht das heutige Neugeschäft.
Fahrzeuggeschäft liefert einen Gegenpol
Parallel zur juristischen Entwicklung meldete Daimler Truck einen vollzogenen Fahrzeugtransfer an Egala. Hinzu kommt eine Vereinbarung für die Betreuung der Fahrzeuge. Damit steht neben der rechtlichen Nachricht auch ein konkreter Geschäftsabschluss.
Egala übernahm am Dienstag insgesamt 175 Mercedes-Benz Lkw. Darunter waren 155 Actros 1845 LS und 20 batterieelektrische eActros 600.
Zusätzlich vereinbarten die Unternehmen einen internationalen Reparatur- und Wartungsvertrag. Der Abschluss umfasst somit nicht allein die Fahrzeuge, sondern auch deren Betreuung. Er bildet einen operativen Gegenpol zur gerichtlichen Nachricht, ohne deren rechtliche Bedeutung aufzuheben.
US-Nachfrage und Zahlen als Prüfsteine
Ein gemischtes Bild zeichnet zugleich das US-Geschäft. Führungskräfte von Daimler Truck Financial Services berichteten am Sonntag von einer verbesserten finanziellen Lage der US-Speditionskunden. Gleichzeitig verwiesen sie auf hohe Dieselpreise.
Daimler Truck sieht Ersatznachfrage. Käufer blieben allerdings wegen der Unsicherheit über die US-Emissionsvorgaben für 2027 vorsichtig. Eine bessere finanzielle Ausgangslage der Kunden bedeutet demnach noch keine uneingeschränkte Kaufbereitschaft.
Auch die jüngste Analystenaktion fällt zurückhaltend aus. Chad Dillard von Bernstein Research bestätigte am Montag die Verkaufseinstufung für Daimler Truck und setzte das Kursziel auf 39,00 €.
Der nächste angekündigte Termin für die Veröffentlichung von Geschäftszahlen ist der 6. November 2026. Dann stehen die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 an. Für die Einordnung der Aktie treffen damit konkrete Fahrzeugabschlüsse, vorsichtige US-Kunden und die noch nicht rechtskräftigen Kartellurteile aufeinander.
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