Ein Rekordhoch und ein Kurssturz von fast 15 Prozent am selben Morgen — der DAX zeigt an diesem Dienstag, wie unterschiedlich die laufende Berichtssaison einzelne Werte trifft. Während der Leitindex erneut historische Höchststände markiert, bricht die Zalando-Aktie nach enttäuschenden Zahlen regelrecht ein. Der Kontrast erklärt viel über die Stimmung an der Börse gerade jetzt.
Gegen 9:30 Uhr notierte der DAX bei rund 26.240 Punkten, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Bereits zur Eröffnung hatte der Index mit 26.189,62 Zählern eine neue Bestmarke aufgestellt, nachdem er am Montag erstmals über 26.000 Punkte geschlossen hatte. Der MDAX legte moderat zu, der EuroStoxx 50 kletterte parallel ebenfalls auf ein neues Hoch.
Palantir liefert den Impuls aus Übersee
Der eigentliche Auslöser für den frischen Schwung kam nicht aus Frankfurt, sondern aus den USA. Palantir hatte nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vorgelegt, die selbst hartnäckige Skeptiker überzeugten — der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 93 Prozent, das Unternehmen hob seine Jahresprognose deutlich an. Die Aktie schoss im nachbörslichen Handel um fast 15 Prozent nach oben.
Der Effekt strahlte bis nach Asien und Europa aus. Halbleiter- und KI-Werte standen erneut im Fokus selektiver Käufe, nachdem Anleger die Kursschwäche vom Vortag zur Neupositionierung genutzt hatten. Nach starken Zahlen von Amazon und Microsoft ist Palantir damit bereits der dritte große Tech-Name, der das Vertrauen in den Sektor stützt.
Zahlensaison trennt Gewinner von Verlierern
In Frankfurt selbst dominierte die Berichtssaison das Bild. Bayer, Infineon und Siemens Energy führten die Kursliste an, während Continental, Fresenius Medical Care und Evonik ebenfalls mit Quartalszahlen aufwarteten. Die Bayer-Zahlen standen im Tagesverlauf noch aus.
Den Gegenpol bildete Zalando. Der Online-Modehändler enttäuschte mit seinen Geschäftszahlen und senkte die Erwartungen — die Aktie stürzte um fast 15 Prozent ab, während der Rest des Index feierte. Auf der makroökonomischen Agenda standen zudem die Auftragseingänge der US-Industrie, der Handelsbilanzsaldo und die JOLTS-Daten.
Am Devisenmarkt blieb der Euro mit 1,1510 US-Dollar nahezu unverändert. Der Goldpreis legte leicht auf 4.061 US-Dollar je Feinunze zu, Brent-Rohöl stieg um 0,9 Prozent auf 84,52 US-Dollar. Der Iran-Krieg bleibt laut Marktbeobachtern das Thema mit dem größten Einfluss auf die Energiepreise, auch wenn Gespräche zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus derzeit für etwas weniger Nervosität sorgen.
Auffällig bleibt dabei: Trotz der Rekordserie ist von Euphorie wenig zu spüren. Die Handelsvolumina liegen weiterhin niedrig, Anleger positionieren sich gezielt statt breit einzukaufen — ein Verhalten, das kurzfristig durchaus Raum für weitere Kursgewinne lässt. Charttechnisch wird für den heutigen Tag eine Spanne zwischen 25.950 und 26.250 Punkten erwartet.
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