Ein Chipkonzern läuft der Konkurrenz im Leitindex davon, während ein Energietechnik-Riese die Top 5 nur knapp erreicht. Die 30-Tage-Rendite zum Stichtag 2. Oktober zeigt, wohin die Kapitalströme im DAX gerade fließen. Das Bild ist breiter, als der Spitzenreiter vermuten lässt.

Das Momentum-Prinzip ist simpel: Wer zuletzt gut lief, läuft oft noch eine Weile weiter. Die Rangliste filtert so heraus, welchen Unternehmen die Marktteilnehmer aktuell das größte Vertrauen schenken. Das reicht von zyklischen Chipwerten über Luftfahrt-Zulieferer bis zu defensiven Börsenbetreibern.

RangUnternehmen30-Tage-Rendite
1Infineon15,8 %
2MTU Aero Engines8,3 %
3Deutsche Boerse3,3 %
4GEA3,2 %
5Siemens Energy2,2 %

Infineon: Chipwerte treiben das Feld an

Infineon führt die Liste mit großem Abstand an. Eine Monatsrendite von 15,8 % ist für einen DAX-Titel außergewöhnlich. Allein am Freitag legte die Aktie um 7,8 % auf 64,63 € zu. Ein solcher Satz deutet auf eine rasche Neubewertung hin, nicht auf schrittweises Nachziehen.

Als Spezialist für Leistungshalbleiter reagiert Infineon besonders sensibel auf Signale einer zyklischen Bodenbildung im Chipsektor. Stabile Nachfrage aus der Elektromobilität und eine Erholung der Industriemärkte gelten als Kurstreiber. Hinzu kommt das Thema Siliziumkarbid, wo der Konzern kräftig investiert, um die Effizienz von Elektroantrieben zu steigern. Das Analystenlager zeigt sich überwiegend zuversichtlich.

Technisch ist das Bild zweigeteilt. Der Kurs liegt klar über dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, was für einen intakten Aufwärtstrend spricht. Zum Rekordniveau von Anfang Juni fehlen aber noch rund 28 %. Die Aktie holt also eine Menge auf, hat den Weg zurück zur alten Bestmarke aber noch nicht geschafft.

Mit einer annualisierten Volatilität von 50 % bleibt Infineon der Schwankungskönig der Gruppe. Ein Plus in dieser Größenordnung weckt erfahrungsgemäß Gewinnmitnahmen. Zinsentscheidungen und globale Handelsbeziehungen bleiben zentrale Stellschrauben, weil Technologie-Investitionen oft fremdfinanziert sind. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 71 % zu Buche.

MTU Aero Engines: Service-Geschäft sorgt für Schub

Auf Rang zwei folgt MTU Aero Engines mit 8,3 %. Der Triebwerksspezialist profitiert von der anhaltenden Erholung des Luftverkehrs und der hohen Nachfrage nach effizienten Antrieben. Das Geschäftsmodell ruht auf zwei Säulen: Beteiligungen an zivilen und militärischen Neuprogrammen sowie das margenstarke Instandhaltungsgeschäft, im Fachjargon MRO genannt.

Gerade die Wartungssparte macht die Aktie für viele Investoren attraktiv. Ihre Cashflows sind besser planbar und weniger zyklisch als der Verkauf neuer Flugzeuge. Ein hoher Auftragsbestand und die Fähigkeit, Preissteigerungen an Kunden weiterzugeben, stützen die Erwartungen zusätzlich. Auch Kooperationen bei Triebwerken für die nächste Generation von Mittelstreckenjets treiben die Fantasie. Die Analysteneinschätzung fällt positiv aus und verweist auf die langfristigen Wachstumsziele.

Der Schlusskurs von 369,80 € liegt noch 8,6 % unter dem Februar-Hoch. Im Mai hatte die Aktie bei 266,30 € ihr Jahrestief markiert, die Erholung seither fällt also kräftig aus. Bremsen könnten Lieferkettenprobleme, die die gesamte Luftfahrtbranche belasten. Verzögerungen bei Material oder fehlende Fachkräfte würden die Auslieferungen drosseln. Der Markt gewichtet derzeit offenbar die Chancen der effizienteren Getriebefan-Technologie höher als diese operativen Hürden.

Deutsche Boerse: Stabilitätsanker mit Rekordnähe

Die Deutsche Boerse landet mit 3,3 % auf Rang drei. Im Vergleich zu den Technologie-Werten wirkt das bescheiden. Innerhalb des DAX ist es aber ein Zeichen für stetiges Momentum, und es passt zum Charakter des Titels. Der Börsenbetreiber verdient an Handelsvolumina und Marktvolatilität, also auch dann, wenn Anleger ihre Portfolios umschichten.

Der Schlusskurs von 288,10 € liegt nur 1,6 % unter dem Hoch von Ende August. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 29 % zugelegt. Mit einer Volatilität von 18 % ist sie der ruhigste Wert im Quintett. Wer Momentum ohne wilde Ausschläge sucht, findet es hier.

Zur Stabilität trägt der Umbau des Ertragsmodells bei. Mit der Übernahme von SimCorp hat sich die Gruppe stärker in Richtung Daten, Analytik und Software-as-a-Service orientiert. Das verringert die Abhängigkeit vom reinen Transaktionsgeschäft. Das Analystenlager hebt diese strategische Ausrichtung ausdrücklich hervor.

Ein Faktor bleibt die Zinsentwicklung. Sinkende Zinsen könnten die Erträge aus dem Verwahrgeschäft bei Clearstream leicht dämpfen. Gleichzeitig würden sie Aktienanlagen attraktiver machen und das Handelsvolumen stützen. Der Markt sieht die Deutsche Boerse derzeit als defensiven Wachstumswert mit hoher Preissetzungsmacht.

GEA: Effizienz als Wachstumstreiber

Knapp dahinter folgt GEA mit einem Plus von 3,2 %. Der Anlagenbauer für die Nahrungsmittelindustrie profitiert von Automatisierung und Nachhaltigkeit in der Produktion. Anlagen, die Wasser und Energie sparen, sind gefragt. Das sichert eine stabile Auftragslage.

Die Aktie schloss am Freitag bei 66,60 €, rund 2,1 % unter dem Hoch von Ende August. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 8,7 %. Der Kurs hat sich also vom langfristigen Trend nach oben abgesetzt, ohne zu überhitzen. Der RSI von 56,1 signalisiert einen neutralen Bereich.

Stütze des Aufschwungs ist die Strategie „Mission 26“, die auf Margenverbesserung und organisches Wachstum zielt. Fortschritte bei der operativen Effizienz kommen im Analystenlager gut an. GEA hat sich vom klassischen Maschinenbauer zum Lösungsanbieter gewandelt, der langfristige Serviceverträge abschließt. Solche wiederkehrenden Erlöse glätten das Geschäft.

Die Investitionsbereitschaft der Lebensmittel- und Pharmaindustrie bleibt die entscheidende Größe. Würden Rezessionssorgen zunehmen, könnten Großprojekte nach hinten rutschen. Bislang haben Lösungen für die „Green Transition“ in der Industrie hohe Priorität bei den Kunden.

Siemens Energy: Netztechnik trägt, Wind belastet

Siemens Energy schließt die Top 5 mit 2,2 % ab. Nach Jahren extremer Schwankungen scheint der Kurs auf einem moderaten Aufwärtspfad Halt zu finden. Der Konzern ist ein zentraler Akteur der Energiewende, muss aber die Probleme in der Windkraftsparte Gamesa endgültig lösen.

Den Ausschlag geben die Netztechnik und die Gasturbinen. Die weltweite Aufrüstung der Stromnetze sorgt für Rekordauftragseingänge und hohe Margen. Die Hoffnung lautet, dass diese Gewinne die Verluste im Windgeschäft überkompensieren. Das Analystenlager ist geteilt, neigt aber zu einer Stabilisierung, weil viele Experten die Fortschritte bei der Restrukturierung anerkennen.

Am Freitag schloss die Aktie bei 145,56 €. Das ist leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 25 % unter dem April-Hoch. Von allen fünf Werten hat Siemens Energy den größten Abstand zur eigenen Bestmarke aufzuholen. Der RSI von 51,4 spiegelt ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern.

Die langfristige Profitabilität der Onshore-Windkraft bleibt die größte Unsicherheit. Ein Momentum von 2,2 % wirkt neben Infineon klein. Es zeigt aber, dass der Verkaufsdruck nachgelassen hat und erste Käufer zurückkehren. Entscheidend wird sein, ob die Großprojekte planmäßig laufen.

Sektordynamik: Wer im Ranking wofür steht

Die fünf Titel stehen für unterschiedliche Momentum-Typen:

  • Infineon: Zyklische Erholung mit hoher Schwankungsbreite und deutlichem Abstand zur Konkurrenz.
  • MTU Aero Engines: Strukturelles Wachstum über das planbare Servicegeschäft, gestützt durch den Aufschwung in der Luftfahrt.
  • Deutsche Boerse: Defensives, gleichmäßiges Momentum mit geringer Volatilität und Nähe zum Rekord.
  • GEA: Effizienz- und Margenstory mit stabiler Auftragslage.
  • Siemens Energy: Erholung mit offenen Baustellen im Windgeschäft.

Auffällig ist das Gefälle. Platz eins und zwei liegen mit 15,8 % und 8,3 % weit vor den übrigen Werten, die eng beieinander zwischen 2,2 % und 3,3 % landen. Die Spitze gehört den Titeln mit der größten Neubewertungsdynamik. Dahinter reihen sich Unternehmen ein, deren Kurse eher von Planbarkeit leben als von Aufbruchstimmung.

Momentum mit Gefälle: Chips vorn, Energietechnik hinterher

Die Rangliste misst ausschließlich die vergangene Entwicklung und liefert keine Prognose. Ein hohes Momentum kann starke Nachfrage anzeigen, aber auch Überhitzung. Ein moderates wie bei Siemens Energy ist oft Zeichen einer beginnenden Bodenbildung.

Im Fokus steht in den kommenden Wochen, ob Infineon den Schwung bis in die Nähe der Juni-Marke tragen kann. Bei MTU entscheidet die Lieferkette, ob die Auslieferungen mit der Nachfrage Schritt halten. Deutsche Boerse und GEA liegen nahe ihren Jahreshochs und testen, ob sie diese Marken überwinden. Und bei Siemens Energy hängt vieles davon ab, wie schnell die Windkraft-Altlasten abgebaut werden.