Ein neuer Rekord und zwei völlig unterschiedliche Geschichten aus der Berichtssaison – die vergangene Woche zeigte den DAX von seiner besten und seiner zwiespältigsten Seite zugleich. Während der Index munter neue Höchstmarken absteckte, lieferten SAP und die Versicherungsschwergewichte Allianz und Munich Re fast schon gegensätzliche Blicke auf den deutschen Aktienmarkt.
Der DAX schloss am Freitag mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 26.319,45 Punkten und markierte im Tagesverlauf bei 26.445 Zählern ein neues Allzeithoch. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 2,7 Prozent zu Buche. Getragen wurde die Rally von schwachen US-Arbeitsmarktdaten: Statt der erwarteten Zuwächse gingen im Juli außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Stellen verloren, zusätzlich wurden die Vormonate deutlich nach unten revidiert. Für die Börsen war das paradoxerweise eine gute Nachricht – die Aussicht auf stabile statt steigende US-Zinsen beflügelte die Kurse diesseits und jenseits des Atlantiks.
Auch Deutschland liefert Rückenwind
Konjunkturseitig kam ebenfalls Unterstützung: Die Industrieproduktion legte im Juni den dritten Monat in Folge zu, die Exporte erreichten mit 139,3 Milliarden Euro einen Rekordwert. Der Handelsbilanzüberschuss fiel dabei zwar auf 15,4 Milliarden Euro, weil die Importe noch stärker anzogen – ein Zeichen für robuste Binnennachfrage statt Schwäche. Ungelöst blieb dagegen die Lage an der Straße von Hormus, wo eine Einigung über die Schifffahrtsroute weiterhin auf sich warten lässt und der Brent-Preis bei rund 83,70 Dollar notierte.
SAP als Zugpferd, Versicherer bremsen
Star der Woche war SAP: Die Aktie legte am Freitag rund 4 Prozent zu, verbuchte den sechsten Gewinntag in Folge und summierte damit ein Wochenplus von 15 Prozent. Erstmals seit einem Jahr steht der Kurs wieder über der 200-Tage-Linie – befeuert auch von starken Zahlen der US-Softwarekonzerne Atlassian und Cloudflare. Im Sog der Rally zogen auch Infineon, Scout24 sowie die MDAX-Werte Nemetschek und SUSS Microtec an, letztere mit einem Rekordauftragseingang von 149 Millionen Euro.
Auf der anderen Seite bremsten die Versicherer die Stimmung. Allianz verfehlte mit einem Nettogewinn von 2,595 Milliarden Euro die Erwartungen und verlor 1,6 Prozent, obwohl das operative Ergebnis auf ein Rekordniveau stieg. Munich Re kappte wegen sinkender Rückversicherungspreise die Umsatzprognose von 64 auf 62 Milliarden Euro und gab 1,4 Prozent ab. Daimler Truck rutschte nach einem Ergebnisrückgang von 18 Prozent um rund 3 Prozent ab, kündigte aber zugleich einen neuen US-Produktionsstandort an.
Die Gemengelage bleibt damit typisch für die laufende Berichtssaison: Wachstumswerte wie SAP treiben den Index, während zyklische Schwergewichte und Versicherer die Erwartungen teils verfehlen. Nächste Woche rücken die Inflationsdaten und mögliche EZB-Signale in den Blick – gepaart mit der Frage, ob die Lage an der Straße von Hormus für neue Unruhe an den Ölmärkten sorgt.
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