Ein Reverse Split, den Aktionäre mit deutlicher Mehrheit absegnen, klingt zunächst nach Ordnung schaffen. Bei DeFi Technologies liest sich die Geschichte anders. Wer genau hinschaut, erkennt in der jüngsten Hauptversammlung ein Warnsignal, das mehr Aufmerksamkeit verdient als die eigentliche Kapitalmaßnahme selbst.

Die Aktie schloss am Dienstag bei 0,386 Euro. Das technische Bild bleibt angeschlagen, und die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen liefert reichlich Gründe für Zurückhaltung.

Die Abstimmung, die mehr verrät als der CEO-Brief

Auf der Hauptversammlung 2026 wurden alle Vorstandskandidaten gewählt, alle Beschlussvorlagen angenommen. Aktionäre stimmten für die Wiederbestellung des Prüfers, für eine Änderung der Satzung sowie für ein neues Bekanntmachungsstatut. Im Zentrum stand jedoch der Kapitalschnitt: 73,271 Prozent der abgegebenen Stimmen befürworteten die Aktienzusammenlegung, 26,729 Prozent stimmten dagegen.

Eine solche Ermächtigung zu diesem Zeitpunkt des Kursverfalls ist selten ein Zeichen von Stärke. Meistens dient sie als Schutzinstrument, um die Notierung überhaupt handelbar und präsentabel zu halten – nicht als Beleg für operativen Schwung.

Interessanter als der Kapitalschnitt selbst ist die Verteilung der Zustimmung unter den Vorstandskandidaten. Johan Wattenström, CEO und Executive Chairman, kam nur auf 75,602 Prozent Zustimmung. Jonathan Dimitry erreichte 95,005 Prozent, die übrigen Kandidaten lagen zwischen etwa 87 und 95 Prozent. Ein Vorstandschef, der fast 20 Prozentpunkte hinter seinen Kollegen zurückbleibt, ist ein Governance-Warnsignal – gerade in einer Phase, in der die Aktie bereits den Großteil ihres Werts verloren hat.

Das Chartbild stützt die Skepsis

Die Kursentwicklung untermauert diese vorsichtige Lesart. Der Titel notiert 47,84 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 0,74 Euro – ein klassisch bärisches Muster, das eher auf anhaltende Verkäufe als auf Akkumulation hindeutet. Zum 52-Wochen-Hoch von 2,46 Euro, erreicht Ende Juli 2025, fehlen inzwischen 84,34 Prozent.

Der Kursverlauf der vergangenen Monate zeigt keinen einmaligen Schock, sondern eine schleichende Erosion über viele Wochen. Der Rückgang von 40,52 Prozent seit Jahresbeginn passt zu diesem Bild. Ein RSI von 41,1 liegt im neutralen Bereich und liefert kein klares Signal für eine überverkaufte Erholung, während eine annualisierte Volatilität von 61,10 Prozent zeigt: Jede kurzfristige Bewegung dürfte heftig ausfallen, nicht allmählich.

Warum die Erholungsversuche fragil wirken

Das Plus von 7,28 Prozent binnen einer Woche und der leichte Anstieg von 1,37 Prozent am Vortag wirken eher wie Eindeckungen nach einer überverkauften Talfahrt als der Beginn einer nachhaltigen Erholung. Die Stimmung rund um die Aktie wird derzeit von defensiver Unternehmenskommunikation geprägt, nicht von neuen Wachstumstreibern.

Der CEO selbst räumte die Schwere der Lage in einem Aktionärsbrief ein, nachdem die Aktie binnen eines Monats rund 23 Prozent verloren hatte. Auslöser war unter anderem die gescheiterte Zulassung der UCITS-Struktur des Unternehmens für Krypto-Assets bei der schwedischen Finanzaufsicht. Das Management erklärte, den Kursrückgang sehr ernst zu nehmen, und führte ihn auf den schwachen Kryptomarkt, eine Sektorrotation weg von Krypto-Aktien sowie einmalige technische Effekte im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung zurück. Diese Erklärung liest sich unfreiwillig wie ein Eingeständnis: Die Probleme reichen über die reine Krypto-Marktbeta hinaus.

Die Kombination aus einem von Aktionären abgesegneten Reverse Split, einem CEO mit auffällig schwacher Wiederwahl gegenüber seinen Vorstandskollegen und einem Kurs, der weiterhin deutlich unter beiden wichtigen gleitenden Durchschnitten gefangen bleibt, zeichnet das Bild eines Unternehmens im defensiven Reparaturmodus. Von einem Turnaround ist das etwas anderes.

Kurzfristige Erholungen in Nähe des 52-Wochen-Tiefs sind angesichts der aktuellen Kursnähe zu diesem Niveau plausibel. Governance-Signale und Chartbild sprechen jedoch beide dafür, dass eine solche Rally eher taktischer Natur wäre – solange klare Anzeichen für Stabilisierung in den operativen Kennzahlen und im Vertrauen der eigenen Führungsebene fehlen.