Der Berliner Lieferkonzern hat am frühen Montagmorgen ein neues Nachhaltigkeits-Update vorgelegt. Die Aktie reagierte verhalten: Sie gab 1,52 Prozent auf 36,29 Euro nach. Was das Papier derzeit überraschend günstig erscheinen lässt.

Ehrgeizige Ziele bis 2032

Im Mittelpunkt der CSR-Roadmap steht ein klares Versprechen. 65 Prozent aller Auslieferungen sollen bis 2032 emissionsfrei erfolgen. Der Hebel: die Elektrifizierung der Kurierflotten, vor allem in Wachstumsmärkten außerhalb Europas.

Die Talabat-Tochter investiert dafür in Batteriewechselstationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Glovo subventioniert in Uganda den Umstieg auf Elektromotorräder. Das sind keine kosmetischen Maßnahmen. Deliver Hero will damit den Weg zur „Everyday App“ ebnen – einer Plattform für den täglichen Bedarf, weit über Essen hinaus.

Knackpunkt Hauptversammlung

Das Timing ist kein Zufall. Morgen steht die Hauptversammlung an. Und dort dürfte es zur Sache gehen. Trotz einer starken Jahresperformance – 58,89 Prozent plus seit Januar – sind viele Aktionäre unzufrieden.

Der Grund: der Abstand zum jüngsten 52-Wochen-Hoch von 39,99 Euro aus dem Mai beträgt knapp 9,25 Prozent. Gleichzeitig lag ein Übernahmeangebot von Uber angeblich nur bei rund 33 Euro pro Anteilsschein. Der aktuelle Kurs liegt klar darüber. Investoren fordern vom Management klare Antworten, wie der faire Wert nachhaltig gesteigert werden soll.

Chefwechsel als zusätzliche Belastung

Hinzu kommt der angekündigte Rückzug von Mitgründer und CEO Niklas Östberg. Er wird seinen Posten im März 2027 abgeben. Die Nachfolgesuche läuft und dürfte auf der Versammlung für zusätzliche Spannung sorgen.

Operativ setzt der Konzern auf starke Regionalmärkte. Der Erfolg von Talabat im Nahen Osten stabilisiert die Bilanz. Gleichzeitig wächst der Quick-Commerce-Bereich – die Lieferung in Minuten statt Stunden. Der erste Schritt: Der Kurs notiert mit rund 24 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 29,26 Euro. Der RSI von 56,5 zeigt ein neutrales Bild, weder überhitzt noch ausverkauft.

Was Analysten erwarten

Jefferies bleibt optimistisch. Die Investmentbank bewertet die Aktie mit „Buy“ und einem Kursziel von 42,50 Euro. Sie verweist auf das Potenzial durch neue Partnerschaften im europäischen Tech-Sektor. Morningstar zeigte sich zuletzt vorsichtiger und senkte die Fair-Value-Schätzung.

Kurz gesagt: Der Markt glaubt an die Profitabilitätswende. Aber der Druck steigt.