Der GPU-Boom hat Dell groß gemacht. Jetzt will das Unternehmen zeigen, dass die nächste Wachstumsphase breiter aufgestellt ist — und das Argument klingt überzeugend.
Arthur Lewis, Präsident der Infrastructure Solutions Group, skizzierte auf der Bank of America Global Technology Conference am 2. Juni ein erweitertes Bild der KI-Infrastrukturnachfrage. Sein Kernargument: Agentische KI — also Systeme, die eigenständig handeln, koordinieren und Aufgaben orchestrieren — braucht nicht nur Grafikprozessoren. Sie braucht klassische CPU-Server, Netzwerktechnik und vor allem Speicher.
Agentische KI verbreitert das Geschäftsmodell
Lewis verwies auf ein erstes Quartal, das die Erwartungen deutlich übertraf. Die Infrastructure Solutions Group erzielte einen Umsatz von 29 Milliarden Dollar, ein operatives Ergebnis von 3,1 Milliarden Dollar und einen Rekordauftragsbestand von 51,3 Milliarden Dollar. Die Pipeline liege bei einem Vielfachen dieses Bestands.
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Besonders relevant ist die Zusammensetzung. KI-optimierte Server steuerten 16,1 Milliarden Dollar bei — ein starkes Ergebnis. Traditionelle Server und Netzwerktechnik wuchsen aber um 92 Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar. Das zeigt: Dell profitiert nicht nur vom Nvidia-Hype, sondern auch von der breiteren Unternehmens-IT-Modernisierung.
Speicher rückt ins Zentrum
Ein frisches Argument aus der Konferenz war die Rolle von Storage. Lewis betonte, dass agentische Workloads mehr Daten erzeugen und speichern als klassische KI-Anwendungen. Kunden fragten gezielt nach Datenarchitektur, Modellplatzierung und Token-Ökonomie.
83 Prozent der Unternehmensdaten liegen laut Lewis noch auf eigenen Servern. Kunden bevorzugen On-Premises-Lösungen aus Gründen der Leistung, der Kosten und der Datensicherheit. Das spielt Dell direkt in die Hände. Der Speicherumsatz stieg im ersten Quartal um 8 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar — kein spektakuläres Wachstum, aber ein Segment mit strategisch wachsender Bedeutung.
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Margen und Ausblick
Auf die Frage nach Margenrisiken durch steigende Speicherchip-Preise antwortete Lewis mit Verweis auf eine neue Kostenstruktur, die Dell im Dezember eingeführt hat. Hinzu kommen Verbesserungen bei eigener Speicher-Technologie und Skaleneffekte.
Für das Gesamtjahr 2027 erwartet Dell einen Umsatz von 165 bis 169 Milliarden Dollar. Allein KI-optimierte Server sollen rund 60 Milliarden Dollar beisteuern. Für das zweite Quartal peilt das Unternehmen 44 bis 45 Milliarden Dollar an.
Die Aktie spiegelt die Erwartungen wider. Seit Jahresbeginn hat sie in Euro gerechnet mehr als 230 Prozent zugelegt — ein Kursanstieg, der kaum noch Spielraum für Enttäuschungen lässt. Mit einem RSI von 77 und einer annualisierten Volatilität von fast 123 Prozent ist die Aktie technisch überkauft. Das Narrativ der Konferenz liefert nun eine Begründung, warum der Markt Dell nicht nur als GPU-Server-Zulieferer bewerten sollte — sondern als Vollausstatter für die agentische KI-Infrastruktur. Ob das die aktuelle Bewertung trägt, werden die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen müssen.
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