Bei Dell Technologies passiert gerade zweierlei gleichzeitig: Die Altinvestoren steigen in großem Stil aus, während der Konzern selbst frisches Fremdkapital aufnimmt, um das AI-Wachstum zu finanzieren. Beides fällt in dieselbe Woche – und beides sagt etwas über die aktuelle Bewertung der Aktie aus.
Silver Lake trennt sich von weiteren Millionenpaketen
Am 4. September haben mehrere mit Silver Lake verbundene Gesellschaften erneut Dell-Aktien abgestoßen. Silver Lake Partners IV verkaufte Anteile im Wert von rund 48,1 Millionen Dollar, SL SPV-2 kam auf etwa 26 Millionen Dollar, kleinere Silver-Lake-Einheiten trugen weitere Summen bei.
Die Verkäufe folgen auf ähnliche Transaktionen bereits vom Vortag, bei denen Silver-Lake-Gesellschaften zusammen mehr als 100 Millionen Dollar an Dell-Aktien veräußerten.
Egon Durban, der als Director bei Dell sitzt und zugleich Silver Lake führt, war persönlich mit rund 37.500 Aktien beteiligt. Die Kurse der Verkäufe lagen zwischen 496 und 530 Dollar je Aktie – nahe dem 52-Wochen-Hoch von knapp 563 Dollar.
Die Aktie hat binnen eines Jahres rund 336 Prozent zugelegt. Solche Verkäufe von Frühinvestoren nach einer derartigen Rally sind wenig überraschend, dennoch bleibt bemerkenswert, wie systematisch Silver Lake seine Position derzeit reduziert.
Vier Milliarden Dollar für die nächste Wachstumsphase
Parallel zu den Insiderverkäufen hat Dell eine Anleiheemission über vier Tranchen gestartet, die laut Marktberichten rund vier Milliarden Dollar einbringen soll. Ein Teil des Geldes soll bestehende Notes mit Fälligkeit Oktober 2026 ablösen, der Rest fließt in allgemeine Unternehmenszwecke. Fitch und S&P vergaben für die Anleihe ein Rating von „BBB+“, Moody’s stufte mit „Baa2“ bei positivem Ausblick ein.
Die Ratingagenturen begründen ihre Einschätzung mit der robusten Liquidität: Dell verfügte Ende Juli über 11,6 Milliarden Dollar an Barmitteln sowie eine ungenutzte Kreditlinie über sechs Milliarden Dollar. Moody’s erwartet, dass die Verschuldung trotz der neuen Anleihe binnen 12 bis 18 Monaten wieder Richtung des Faktors 1,0 zur EBITDA sinkt, getragen vom AI-Server-Backlog, das zuletzt auf 95 Milliarden Dollar geklettert war.
Michael Dell sieht erst den Anfang
Auf der Goldman-Sachs-Technologiekonferenz beschrieb Firmenchef Michael Dell die aktuelle Nachfragephase als frühe Phase eines mehrjährigen Zyklus. Rund 6.500 Unternehmenskunden nutzen demnach bereits das „AI Factory“-Modell des Konzerns.
Als Wachstumstreiber für die kommenden Jahre nannte er einen Bestand von 400 Millionen PCs, die älter als vier Jahre sind, sowie 1,3 Millionen Server der Generation 13 oder älter, die perspektivisch ersetzt werden müssen.
Die operativen Kosten sanken laut Dell auf rund acht Prozent des Umsatzes – ein Rekordtief, das der Konzern auf eigene Automatisierung und AI-Einsatz zurückführt. Gleichzeitig warnte Michael Dell vor einem strukturellen Halbleitermangel, der sich 2027 gegenüber 2026 eher verschärfen dürfte.
Für die Aktie ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Operative Stärke und ein wachsendes Auftragspolster treffen auf eine Bewertung, die nach gängigen Fair-Value-Modellen bereits als ambitioniert gilt. Die Anleiheemission dürfte in den kommenden Tagen final bepreist werden – dann zeigt sich, wie viel institutionelle Nachfrage der Markt für Dells Wachstumspläne tatsächlich aufbringt.
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