Der Engpass bei KI-Hardware wird für Dell zum Argument. Goldman Sachs bekräftigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 570 Dollar. Die Aktie notiert bereits bei rund 575 Dollar und damit knapp darüber.
Nachschub statt Preisfixierung
Nach Einschätzung der Bank bremst vor allem das Angebot das Wachstum bei KI-Infrastruktur. Dell rechnet damit, dass die Speichermärkte bis ins nächste Jahr angespannt bleiben. Das Angebot dürfte durch bessere Produktionsausbeuten zwar steigen, die Nachfrage aber weiter schneller wachsen. Für 2027 erwartet das Management daher ein noch engeres Umfeld.
Zwei Stärken soll Dell in dieser Lage ausspielen. Der Direktvertrieb liefert früh Einblick in Nachfrageverschiebungen. So lassen sich Speicherkontingente aus schwächeren Bereichen wie PCs gezielt zu KI- und Serverprojekten umleiten. Außerdem gilt Dell wegen Größe und Prognosegenauigkeit bei Zulieferern als bevorzugter Partner.
Die jüngst vereinbarten langfristigen Lieferverträge sollen vor allem Verfügbarkeit sichern. Preise festschreiben sollen sie nicht, diese werden weiterhin quartalsweise neu verhandelt. Auch bei CPUs, Speicher und anderen Komponenten bleiben die Lieferketten insgesamt knapp, was Einkaufsmacht zum Wettbewerbsfaktor macht.
Rückenwind aus der Breite
Die Nachfrage kommt zunehmend nicht mehr nur von den großen Cloud-Anbietern. Yorkville Ives hat Dell in seine Liste „Ives AI 30“ aufgenommen. Die Begründung: Die nächste Ausgabenwelle stamme von Unternehmen mit eigenen KI-Fabriken, staatlichen Programmen, Behörden und sogenannten Neoclouds. Die Auftragsbücher der Serveranbieter reichten über mehrere Quartale, die Beschaffung laufe verstärkt über etablierte Integratoren.
Die Zahlen unterstreichen den Schwung. Der Umsatz legte binnen zwölf Monaten um rund 49 Prozent zu, die Aktie hat seit Jahresbeginn gut 360 Prozent gewonnen. Mehrere Analysten haben ihre Gewinnschätzungen zuletzt angehoben.
Das Bild der Analysten ist dennoch nicht einheitlich. Susquehanna nennt ein Kursziel von 700 Dollar, TD Cowen setzt 550 Dollar an und verweist auf einen Rückstau bei KI-Serveraufträgen. Goldman liegt mit 570 Dollar dazwischen. Nach dem enormen Lauf steckt vieles davon schon im Kurs. Eine Bewertungsrechnung von InvestingPro stuft die Aktie als überbewertet ein.
Frisch aufgenommen wurde zudem eine Anleihe über fünf Milliarden Dollar, aufgeteilt in vier Tranchen mit Laufzeiten bis 2037. Sie bietet dem Konzern Spielraum, um das Geschäft in einem Markt auszubauen, in dem Verfügbarkeit mehr zählt als der Preis.
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