Der Gewinn schrumpft, die Aktie bleibt trotzdem gefragt — bei Delta Air Lines klaffen Quartalsergebnis und Marktreaktion auseinander. Der Grund: Das Management zeigt sich überzeugt, dass die Fluggesellschaft ihre Preiserhöhungen auch dann halten kann, wenn die Treibstoffkosten wieder sinken. Diese Wette treibt aktuell die Debatte um die Aktie.

Spritschock drückt auf den Gewinn

Im zweiten Quartal sank der Nettogewinn auf 1,60 Milliarden Dollar beziehungsweise 2,44 Dollar je Aktie, ein deutlicher Rückgang gegenüber den 2,13 Milliarden Dollar aus dem Vorjahresquartal. Bereinigt um Sondereffekte blieb ein Gewinn von 1,02 Milliarden Dollar oder 1,56 Dollar je Aktie übrig — ein Rückgang von rund 26 Prozent, aber über den Analystenschätzungen, die je nach Quelle zwischen 1,48 und 1,53 Dollar lagen. Der Umsatz kletterte dagegen um rund 19 Prozent auf 19,75 Milliarden Dollar.

Verantwortlich für den Gewinnrückgang war der historisch höchste Treibstoffaufwand der Firmengeschichte. Die Kerosinpreise waren im Frühjahr wegen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran zeitweise auf fast 4,88 Dollar je Gallone geklettert, bevor sie sich zuletzt bei rund 3,15 bis 3,18 Dollar einpendelten. Delta gab an, im zweiten Quartal bereits rund 60 Prozent der gestiegenen Treibstoffkosten über höhere Ticketpreise an die Kunden weitergegeben zu haben — Finanzchef Erik Snell rechnet im dritten Quartal mit einer noch schnelleren Weitergabe.

Ausblick übertrifft Erwartungen

Für das dritte Quartal stellt Delta ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 2,00 und 2,50 Dollar in Aussicht, das bestätigte Jahresziel liegt weiter bei 6,50 bis 7,50 Dollar. Der Mittelwert von 7 Dollar liegt rund 17 Prozent über der Analystenschätzung von 5,97 Dollar. CEO Ed Bastian bezeichnete die Preismacht der Airline gegenüber dem Sender CNBC als „nachhaltig“ und verwies auf robuste Nachfrage sowie eine disziplinierte Kapazitätsplanung der gesamten Branche.

Dass die Nachfrage über verschiedene Kundensegmente trägt, zeigen die Umsatzzahlen im Detail: Premium-Tickets brachten mit 17 Prozent Wachstum sogar etwas mehr als die Holzklasse, die um 8 Prozent zulegte. Auch das Randgeschäft lief gut — die Raffinerie in Trainer, Pennsylvania, steigerte ihren Umsatz um 83 Prozent auf 2,09 Milliarden Dollar.

Der eigentliche Stresstest kommt nach Ansicht von Marktbeobachtern erst nach dem Labor-Day-Wochenende im September, wenn die Freizeitreisenachfrage traditionell nachlässt. Entscheidend wird dann, wie viel zusätzliche Kapazität die Airlines im vierten Quartal wieder in den Markt geben — zu viel davon könnte die im Frühjahr erkämpften Preisgewinne wieder aufzehren. United Airlines, American Airlines und Southwest legen ihre Zahlen noch im Juli vor und dürften zeigen, ob sich das Preismuster branchenweit fortsetzt.