Liebe Traderinnen und Trader,
der DAX rührt sich am Montag kaum von der Stelle – die eigentliche Bewegung findet an diesem Handelstag woanders statt. Während Anleger auf die Nvidia-Zahlen, den PCE-Deflator am Mittwoch und das Notenbankertreffen in Jackson Hole warten, bauen börsennotierte Bitcoin- und Ether-Gesellschaften mitten in der Rally neue Positionen auf, Siemens Energy liefert einen handfesten Turnaround in der Windkraft-Sparte, den der Kurs ignoriert, und Alibabas Kapitalerhöhung spaltet die Anlegerschaft in Nachkäufer und Skeptiker. Wer heute nach Handelssignalen sucht, findet sie nicht im Index, sondern in vier Einzelgeschichten.
Bitcoin: Institutionelle kaufen die Rally, nicht den Rücksetzer
Bitcoin notiert rund um die Marke von 79.000 Dollar – etwa 23 Prozent höher als vor einem Monat. Der Bruch der 50-Wochen-Durchschnittslinie gilt Chartanalysten als Signal, dass die seit dem Rekordhoch von 126.198 Dollar im Oktober 2025 laufende Bärenmarkt-Phase an Kraft verliert. Getragen wird die Bewegung von Spot-Bitcoin-ETFs, die in der laufenden Woche rund 1,9 Milliarden Dollar an frischem Kapital eingesammelt haben, davon rund 70 Prozent allein über BlackRocks IBIT. Bemerkenswert ist der Strukturwandel dahinter: Die Korrelation von Bitcoin zum S&P 500 ist auf nahe null gefallen, während sie zu Gold auf über 0,5 gestiegen ist. Institutionelle Anleger behandeln Bitcoin zunehmend als eigenständige Asset-Klasse – nicht mehr als Tech-Beta.
Konkreter wird das bei den Krypto-Treasury-Gesellschaften. Strive kaufte zwischen dem 17. und 21. August 1.110 Bitcoin für rund 81,5 Millionen Dollar (etwa 70 Millionen Euro) zu einem Durchschnittspreis von 73.409 Dollar je Coin und hält nun 21.356 BTC – ein Zuwachs von 5,5 Prozent binnen weniger Tage. Damit rangiert das Unternehmen als siebtgrößter börsennotierter Bitcoin-Halter hinter Branchenprimus Strategy mit 840.447 BTC. Parallel kaufte Bitmine Immersion Technologies in der vergangenen Woche für rund 81 Millionen Dollar weitere 32.447 ETH und hält nun 5,85 Millionen Ether im Wert von etwa 15 Milliarden Dollar (rund 12,9 Milliarden Euro) – nur noch rund 187.000 Token entfernt vom selbstgesteckten Ziel, 5 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots zu kontrollieren. Entscheidend: Diese Käufe erfolgen nicht auf Kursschwäche, sondern mitten in der Rally – ein Indiz dafür, dass die Treasury-Strategien auf strukturelle Nachfrage setzen, nicht auf Trading-Timing. Wer diesem Muster folgen will, sollte den Widerstandsbereich zwischen 80.000 und 84.000 Dollar im Blick behalten; auch bei BNB, das auf rund 704 Dollar gestiegen ist, deutet ein RSI von über 85 auf eine überhitzte kurzfristige Lage hin.
Während institutionelle Treasury-Gesellschaften mitten in der Bitcoin-Rally weiter aufstocken, stellt sich für Privatanleger die Frage, ob der Zug schon abgefahren ist oder welche Coins als Nächstes ins Blickfeld rücken könnten. Ein Report benennt drei Kryptowährungen, denen Experten ein Gewinnpotenzial oberhalb von Gold zutrauen. Jetzt Krypto-Report anfordern
Siemens Energy: Der Gamesa-Turnaround, den der Kurs ignoriert
Siemens Energy notiert im Tagesverlauf rund 2,5 Prozent leichter bei etwa 149 Euro – Kollateralschaden eines schwachen Sektortages für zyklische Industriewerte. Wer nur auf den Kurs schaut, verpasst die eigentliche Nachricht: Die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa hat im dritten Quartal 2026 mit einem EBITA von 75 Millionen Euro erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Auftragseingang des Gesamtkonzerns kletterte im Quartal um 14 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zu. Das Management bestätigte die Jahresprognose 2026 mit einem Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer Ergebnismarge von 10 bis 12 Prozent. RBC sieht angesichts dieser Dynamik ein Kursziel von 210 Euro – gemessen am aktuellen Niveau ein deutlicher Aufschlag. Die Aktie bleibt mit einem Zwölfmonatsplus von 63 Prozent ohnehin einer der stärksten DAX-Performer des Jahres; der heutige Rücksetzer wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause als wie ein Trendbruch.
Alibaba: Kapitalerhöhung spaltet die Lager
Alibaba sammelt über eine Kapitalerhöhung in Hongkong umgerechnet rund 8,74 Milliarden Euro ein, um die eigene KI-Infrastruktur auszubauen – 710 Millionen neue Aktien wurden zu 112,70 Hongkong-Dollar platziert, ein Abschlag von 8,4 Prozent auf den vorherigen Kurs. Die Reaktion in Hongkong fiel deutlich negativ aus. Auffällig ist jedoch, wer bei dieser Kapitalerhöhung zugegriffen hat: Konzernchairman Joe Tsai kaufte 720.000 Aktien (umgerechnet rund 68,6 Millionen Euro), CEO Eddie Wu 350.000 Aktien (rund 34,3 Millionen Euro) – während Starinvestor Michael Burry seine Alibaba-Position bereits verkauft hat und einen Kursrückgang von 50 Prozent fordert, bevor er wieder einsteigen würde. Die Zahlen hinter der Kapitalmaßnahme sind zweischneidig: Der Umsatz stieg im jüngsten Quartal um 9 Prozent auf 268,95 Milliarden Yuan (rund 34,2 Milliarden Euro), das Cloud-KI-Geschäft wuchs sogar um 45 Prozent – doch der Nettogewinn brach um 75 Prozent ein, weil die Investitionen in Rechenzentren um 75 Prozent auf 67,7 Milliarden Yuan hochschnellten. Mit dem neuen KI-Videomodell Wan3.0, das inzwischen 30 Sekunden lange Clips erzeugen kann, untermauert Alibaba zumindest den technologischen Anspruch. Für Anleger bleibt die Frage, ob Insider-Käufe und Cloud-Wachstum die Gewinnerosion aufwiegen – oder ob Burrys Skepsis der realistischere Maßstab ist.
Wo im Chip-Ausverkauf noch gehandelt wird
Der Halbleitersektor bleibt insgesamt unter Druck vor den Nvidia-Zahlen, doch zwei Einzeltitel liefern konkrete Trading-Ansätze. SanDisk ist im Tagesverlauf um rund 5,9 Prozent auf etwa 1.280 Euro eingebrochen und hat sich damit binnen der laufenden Woche deutlich von seinem Juni-Hoch bei 2.060 Euro entfernt; auf US-Handelsebene rutschte die Aktie zeitweise über 10 Prozent ab, der Stunden-RSI fiel auf rund 25 – technisch überverkauftes Terrain, das häufig kurzfristige Erholungsbewegungen auslöst, auch wenn die fundamentale Nachrichtenlage angespannt bleibt. Bei Marvell Technology bestätigte Oppenheimer-Analyst Rick Schafer trotz eines Kursrücksetzers um rund 3,7 Prozent auf etwa 195 Euro sein Kursziel von 300 Dollar – die Bank erwartet für das am Donnerstag nach US-Börsenschluss (in der Nacht auf Freitag MEZ) anstehende zweite Fiskalquartal einen Umsatz von rund 2,72 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 0,93 Dollar, nahe am Marktkonsens. Beide Titel zeigen: Der Sektor-Abverkauf trifft nicht alle Namen gleich hart – wer selektiv vorgeht, findet trotz der allgemeinen Nervosität Einstiegspunkte.
Zwischen Nvidia-Zahlen, Alibabas Milliarden-Investition in KI-Rechenzentren und dem Ausverkauf bei Chipwerten wird deutlich, wie sehr der Markt gerade um die Infrastruktur hinter der KI-Welle rotiert. Ein Report bündelt die zehn Big-Data-Aktien, die Marktbeobachter hinter diesem Megatrend für entscheidend halten. Report zu KI-Aktien herunterladen
CTS Eventim: Deutsche Bank sieht Potenzial bis 100 Euro
Abseits der großen Sektorthemen liefert CTS Eventim ein konkretes charttechnisches Signal: Die Aktie legt im Tagesverlauf rund 2,2 Prozent auf etwa 60,40 Euro zu, nachdem die Deutsche Bank ihr Kursziel von 98 auf 100 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt hat – gemessen am aktuellen Kursniveau ein deutlicher Aufschlag. Mit einem Plus von gut 7 Prozent auf Monatssicht hat der Titel bereits Fahrt aufgenommen, notiert aber immer noch rund 23 Prozent unter seinem Jahresstart und weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 89,65 Euro – für trendorientierte Anleger ein Titel mit Nachholpotenzial, sollte sich die Erholung fortsetzen.
Marschroute
Die Woche wird von zwei Terminen dominiert, die alles überlagern können: den Nvidia-Zahlen und dem PCE-Deflator am Mittwoch. Bis dahin bleibt der Bitcoin-Bereich zwischen 78.000 und der Widerstandszone 80.000 bis 84.000 Dollar die spannendste Handelszone – Rücksetzer dorthin dürften angesichts der anhaltenden ETF-Zuflüsse eher gekauft als verkauft werden. Bei Siemens Energy rechtfertigt der Gamesa-Turnaround Nachkäufe auf Schwäche, bei SanDisk lohnt die technische Überverkauft-Lage einen Blick auf eine kurzfristige Gegenbewegung, und bei CTS Eventim liefert das erhöhte Kursziel der Deutschen Bank die Vorlage für trendorientierte Positionen. Alibaba dagegen bleibt vorerst ein Beobachtungsfall, bis sich zeigt, ob die Insider-Käufe von Tsai und Wu oder Burrys Kapitulation die bessere Prognose waren.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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