UBS setzt vor den Quartalszahlen der Deutschen Bank weiter auf eine solide Ertragsentwicklung. Das Analysehaus beließ die Aktie gestern auf „Buy“ und bestätigte das Kursziel von 37 Euro. Die Einschätzung fällt trotz erwarteter saisonaler Schwäche im Investmentbanking positiv aus. Zugleich sucht die Bank neue Wachstumschancen im Firmenkundengeschäft.
Ertragserwartungen vor den Quartalszahlen
UBS-Analyst Mate Nemes verwies neben der saisonalen Abschwächung auf anspruchsvolle Vorjahreswerte im Investmentbanking. Dennoch erwartete er eine solide Ertragsentwicklung. Die Kaufempfehlung beruht damit nicht auf der Annahme eines durchweg günstigen Umfelds. Vielmehr traut Nemes der Bank auch unter schwierigeren Vergleichsbedingungen eine robuste Entwicklung zu.
Die Deutsche Bank hat die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 für den 28. Oktober angekündigt. Die Zahlen werden zeigen, inwieweit sich die Erwartungen an die Ertragsentwicklung erfüllen.
Für Anleger ist dabei die Trennung zwischen Prognose und Ergebnis entscheidend: Die UBS-Einschätzung nimmt die Veröffentlichung nicht vorweg. Sie beschreibt die Erwartung des Analysehauses vor dem Bericht.
Wachstumspläne im Firmenkunden- und Kryptogeschäft
Im Firmenkreditgeschäft will die Deutsche Bank Medienberichten zufolge Kunden der Commerzbank gewinnen. Ein gestern veröffentlichter Bericht beschreibt die Unsicherheit um UniCredits Übernahmeangebot als Wachstumschance für das Institut. Damit steht neben der kurzfristigen Ertragsentwicklung auch die Frage im Raum, ob die Bank zusätzliche Kundenbeziehungen aufbauen kann.
Ein weiteres Vorhaben betrifft die Verwahrung digitaler Vermögenswerte. Co-Leiter Gerald Podobnik sagte Reuters am 16. Oktober, das Angebot für Bitcoin und Ether solle „innerhalb weniger Wochen“ starten. Es richtet sich an institutionelle Kunden und Unternehmenskunden in Deutschland.
Für 2027 ist eine Ausweitung auf asiatische Finanzzentren geplant. Diese Vorhaben eröffnen zusätzliche geschäftliche Perspektiven. Sie sind jedoch von den unmittelbar bevorstehenden Quartalsergebnissen zu unterscheiden: Ein geplanter Start ist noch kein ausgewiesener Ergebnisbeitrag.
Linde-Streit bleibt ein Belastungsfaktor
Auf der anderen Seite steht der Konflikt mit Linde. Laut Handelsblatt beendete die Deutsche Bank vorsorglich die Geschäftsbeziehung. Linde sei unter den aktuellen Umständen ebenfalls nicht an weiteren Geschäften interessiert. Hintergrund ist der Rechtsstreit um ein gescheitertes Russlandgeschäft.
Die Deutsche Bank fordert vor dem Landgericht Frankfurt rund 260 Millionen Euro einschließlich Zinsen. Am Dienstag wurde berichtet, dass das Gericht zusätzliche Informationen zum Umgang mit russischen Nostro-Konten vor deren Pfändung verlangt habe. Eine Entscheidung in der Hauptsache steht aus.
Vor den Quartalszahlen ergibt sich damit ein gemischtes Bild: UBS erwartet solide Erträge, während die Bank neue Geschäftschancen verfolgt. Der offene Rechtsstreit bildet dazu ein konkretes Gegengewicht.
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