Zwei Jahre lang lieferte die Deutsche Rohstoff blendende operative Zahlen. Der Kurs tat trotzdem, was er wollte: nämlich wenig. Am Donnerstag hat sich das geändert. Die Aktie sprang um 9,39 Prozent nach oben und schloss bei 88,50 Euro. Endlich holt der Kurszettel auf, was im operativen Geschäft längst Realität ist.
Zwei Hebel gleichzeitig
Hinter dem Sprung steckt kein Zufall. Das Management in Mannheim hat zwei strategische Weichen gleichzeitig gestellt.
Erstens: Der Teil-Ausstieg beim Wolfram-Spezialisten Almonty Industries. Jahrelang war die Deutsche Rohstoff eine Holding mit breit gestreutem Portfolio. Jetzt schärft sie ihr Profil radikal. Sie wird zum reinen US-Energie-Player.
Zweitens: Die frei werdenden Mittel aus dem Verkauf fließen direkt ins Kerngeschäft. Konkret heißt das: mehr Bohrprogramme im Powder River Basin in Wyoming. Passend dazu meldete das Unternehmen zeitgleich einen historischen Meilenstein bei der täglichen Förderkapazität. Die US-Wachstumsstory ist keine Ankündigung mehr. Sie ist Cashflow.
Der Markt hinkt der Bilanz hinterher
Hier liegt die eigentliche Geschichte hinter dem Kurssprung. Die Aktie legte seit Jahresanfang um 80,80 Prozent zu. Trotzdem notiert sie noch 24,87 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 117,80 Euro, erreicht im Juni.
Diese Lücke ist kein Widerspruch. Sie ist die Quittung für eine Korrektur, die dem operativen Fortschritt hinterherhinkte. Während das Unternehmen einen Förderrekord nach dem anderen einfuhr, schickte der Markt die Aktie nach der Juni-Rallye erst einmal auf Tauchstation.
Mit dem Ausbruch vom Donnerstag kehrt das Momentum sichtbar zurück: Auf Wochensicht steht ein Plus von 16,60 Prozent zu Buche. Der RSI liegt bei 61,3 – ein Wert, der Stärke zeigt, ohne die Aktie bereits heißzulaufen. Genug Luft nach oben bleibt also.
Mehr als ein Explorer
Was die Deutsche Rohstoff von vielen anderen Small Caps unterscheidet, ist die Kombination aus Wachstumstempo und Ausschüttungsdisziplin. Im Juni zahlte das Unternehmen eine Dividende von 2,2500 Euro je Aktie. Die Aktionäre profitieren direkt vom Erfolg der US-Töchter.
Die Wette auf US-Schieferöl scheint aufzugehen. In einem Umfeld, in dem Energieunabhängigkeit und verlässliche Förderraten in politisch stabilen Regionen wie Wyoming, Utah und Colorado wieder deutlich an Bedeutung gewinnen, positioniert sich das Mannheimer Unternehmen als schlanker Förder-Spezialist. Mit einer Marktkapitalisierung von 371,23 Millionen Euro ist die Deutsche Rohstoff kein spekulatives Explorer-Projekt mehr. Sie ist ein industrieller Produzent mit Substanz.
Die Lücke schließt sich
Der Kurssprung war überfällig, keine Überraschung. Die Aktie liegt inzwischen 25,66 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 70,43 Euro – der langfristige Aufwärtstrend ist damit intakt, auf Zwölf-Monats-Sicht steht ein Plus von 119,88 Prozent.
Bleiben die Bohrergebnisse aus Wyoming so stark wie zuletzt und wird das Kapital aus dem Almonty-Verkauf konsequent in die US-Förderung reinvestiert, dürfte sich der Abstand zum Jahreshoch bei 117,80 Euro weiter verkürzen. Die Deutsche Rohstoff zeigt gerade, was in volatilen Marktphasen zählt: operative Substanz, die sich am Ende auch im Kurs durchsetzt.
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