Die Analystenurteile zur Deutschen Telekom gehen beim Gewicht der Risiken im US-Geschäft auseinander. Nach dem Erwerb landesweiter Mobilfunkfrequenzen durch SpaceX stellt sich die Frage, wie belastbar die Erwartungen an T-Mobile US sind. Diese Frage geht an Andreas Sommer.

Deutsche Telekom (DE0005557508) — Schlusskurse 14.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 09.10.2026.
Trading-Treff Redaktion: Sie warnen oft davor, Risiken größer zu machen, als sie für ein Geschäft tatsächlich sind. Überziehen Sie diesmal nicht selbst? T-Mobile US hat rund 142 Millionen Kunden; SpaceX muss ein Mobilfunkangebot erst noch aufbauen.
Andreas Sommer: Wenn ich mich irre, wird es auf der US-Seite teuer. Schon die glaubhafte Aussicht auf einen weiteren Anbieter könnte T-Mobile US zu Preiszugeständnissen zwingen, lange bevor viele Kunden wechseln. Die Größe des Unternehmens erkenne ich an. Sie schützt seine Erträge aber nur, solange Kundenbindung und Preise halten. Genau darauf schaue ich bei den nächsten Zahlen.
Trading-Treff Redaktion: Wo liegt in diesem Fall das größere Verlustrisiko: bei abwandernden Kunden oder bei den Preisen, mit denen T-Mobile US sie hält?
Andreas Sommer: Bei den Preisen. T-Mobile US könnte seine Kunden behalten und trotzdem weniger an ihnen verdienen; das wäre zunächst schwerer zu erkennen als eine deutliche Abwanderung. Weil die US-Beteiligung für die Telekom so wichtig ist, träfe ein solcher Druck auch die Einschätzung ihres Geschäfts. Meine These trägt nur, solange T-Mobile US seine Kunden ohne spürbare Preiszugeständnisse hält.
Trading-Treff Redaktion: Sie sagen „ohne spürbare Preiszugeständnisse“. SpaceX hat sich nun landesweite Frequenzen gesichert. Warum werten Sie das nicht bereits als Beleg dafür, dass Ihre Voraussetzung hinfällig ist?
Andreas Sommer: Der Frequenzkauf ist ein ernsthafter Schritt. Aus ihm folgt noch nicht, dass T-Mobile US bereits bei seinen Preisen nachgeben muss. Ich setze darauf, dass SpaceX im betrachteten Zeitraum keinen solchen Druck ausübt. Liege ich damit falsch, bleibt von meinem Vertrauen in die US-Erträge wenig übrig. Die nächsten Quartalszahlen müssen zeigen, ob T-Mobile US Kunden hält und was das Unternehmen dafür in Kauf nimmt.
Trading-Treff Redaktion: Was ist am deutschen Geschäft wertvoll, wenn die US-Seite enttäuscht?
Andreas Sommer: Das Netz ist schwer nachzubauen. Nur müssen die angeschlossenen Haushalte es auch nutzen, sonst bleibt viel Aufwand liegen. Als Schutz gegen Ärger in Amerika reicht mir das nicht.
Trading-Treff Redaktion: Welche Entwicklung würde Ihre Sicht positiver machen? Reicht dafür die Bestellung von sieben Millionen Glasfaseranschlüssen durch die Immobilienwirtschaft?
Andreas Sommer: Die Bestellung ist beachtlich. Entscheidend wird, wie viele dieser Anschlüsse tatsächlich genutzt werden. Schwerer wiegt für mich zunächst das US-Geschäft: Halten dort Kunden und Preise in den nächsten Quartalen, verliert die SpaceX-Sorge an Gewicht. Die KI-Pläne bis 2030 helfen mir bei diesem kurzfristigen Urteil kaum.
Trading-Treff Redaktion: Ihre These trägt nur, solange T-Mobile US seine Kunden ohne spürbare Preiszugeständnisse hält. Überwiegt für die Telekom in den nächsten Quartalen die Chance oder das Verlustrisiko?
Andreas Sommer: Ich gewichte derzeit das Verlustrisiko höher. SpaceX muss den Kunden und Preisen erst nachweisbar schaden; eine Entwarnung wäre trotzdem voreilig. Die Telekom hat ein starkes Geschäft. Ob seine wichtigste Stütze so belastbar bleibt, wie viele erwarten, zeigen die nächsten US-Zahlen.
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