Starke operative Zahlen, schwache Stimmung an der Basis — bei der Deutschen Telekom klaffen Realität und Belegschaftserwartungen auseinander. Während das Management die Jahresprognose anhebt, eskaliert der Arbeitskampf. Die Gewerkschaft ver.di nutzt anstehende Kapitalmaßnahmen gezielt als Hebel für ihre Lohnforderungen.

Harte Fronten vor der vierten Runde

Seit Ende April haben sich mehr als 20.000 Beschäftigte an bundesweiten Warnstreiks beteiligt. Erstmals rief die Gewerkschaft auch Mitarbeiter von Konzerntöchtern wie T-Systems zu Solidaritätsaktionen auf. Das bisherige Arbeitgeberangebot fiel durch.

Für die rund 70.000 Tarifbeschäftigten verlangt ver.di ein Lohnplus von 6,6 Prozent. Hinzu kommen Forderungen nach höheren Ausbildungsvergütungen und speziellen Boni für Gewerkschaftsmitglieder.

Operative Stärke trifft auf Kursflaute

Der Konzern steht finanziell robust da. Im ersten Quartal stieg der bereinigte Nettogewinn um 6,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte minimal auf knapp 30 Milliarden Euro.

Aktionäre profitieren davon aktuell kaum. Die T-Aktie schloss am Donnerstag bei 27,79 Euro und notiert damit spürbar unter ihrem mittelfristigen Trend. Auf Jahressicht steht ein zweistelliges prozentuales Minus auf der Kurstafel. Das für 2026 geplante Aktienrückkaufprogramm über zwei Milliarden Euro soll den Kurs stützen — und liefert den Streikenden nun zusätzliche Argumente am Verhandlungstisch.

KI-Fokus und zäher Glasfaserausbau

Parallel zum Tarifkonflikt treibt CEO Tim Höttges den technologischen Umbau voran. Künstliche Intelligenz bildet die oberste strategische Priorität. Ein KI-gestützter Chatbot fing in Deutschland im ersten Quartal bereits eine Million Anrufe ab. Im Herbst plant das Management ein spezielles Investorenevent, um weitere finanzielle Effekte der Technologie vorzustellen.

Beim Netzausbau geht es derweil nur in kleinen Schritten voran. Ende März verzeichnete die Telekom 2,2 Millionen aktive Glasfaser-Anschlüsse in Deutschland. Allein im laufenden Jahr sollen 2,5 Millionen neue Haushalte an das schnelle Netz angeschlossen werden.

Am 26. und 27. Mai treffen sich die Verhandlungspartner zur vierten Tarifrunde. Legt die Arbeitgeberseite kein einigungsfähiges Angebot vor, drohen weitere Ausweitungen der Streiks auf zusätzliche Konzernbereiche.