Operativ läuft es rund, die Politik liefert Rückenwind. Trotzdem werfen Anleger die Papiere der Deutschen Telekom aus ihren Depots. Ein neues Gesetz befeuert Fantasien über ein Glasfaser-Monopol. Die Börse reagiert darauf überraschend kühl.

Freie Bahn beim Glasfaserausbau

Das Bundeskabinett hat die Novelle des Telekommunikationsgesetzes beschlossen. Der Kern der Reform ist das „Recht auf Vollausbau“. Netzbetreiber dürfen Gebäude nun komplett mit Glasfaser verkabeln. Das gilt auch dann, wenn Konkurrenten bereits eigene Anschlüsse verlegt haben.

Wettbewerber schlagen Alarm. Sie befürchten, dass der Ex-Monopolist kleinere Anbieter gezielt aus dem Markt drängt. Das Telekom-Management verteidigt den Kurs als notwendigen Schritt für flächendeckende Gigabit-Netze. Ein Problem bleiben die immensen Baukosten. Diese liegen in Deutschland weit über dem europäischen Durchschnitt.

Stützungskäufe laufen ins Leere

Um den Kurs zu stützen, kauft der Konzern massiv eigene Papiere zurück. Das Gesamtvolumen für das Jahr 2026 liegt bei bis zu zwei Milliarden Euro. Die aktuelle Tranche umfasst maximal 550 Millionen Euro. Sie läuft noch bis Ende Juni.

In den ersten Juniwochen zahlte das Unternehmen durchschnittlich 28,49 Euro je Anteilsschein. Gestern schloss das Papier deutlich tiefer bei 26,99 Euro. Die Folge: Die millionenschweren Stützungskäufe bremsen den Abwärtstrend nicht. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf gut drei Prozent.

Fundamentale Stärke

Technisch nähert sich die Aktie dem überverkauften Bereich. Fundamental sieht die Lage deutlich robuster aus. Die Ratingagentur S&P hob die Bonität im Mai auf „A-“ an. Die Analysten lobten dabei ausdrücklich die starke Kassenlage des Unternehmens.

Das Management hält an seinen Jahreszielen fest. Der freie Cashflow soll im laufenden Jahr auf über 19,8 Milliarden Euro steigen. Das bereinigte operative Ergebnis peilt der Vorstand bei rund 47,5 Milliarden Euro an. Ob die Bonner diese Vorgaben trotz hoher Ausbaukosten erreichen, zeigt sich am 6. August. Dann öffnet der Konzern seine Bücher für das zweite Quartal.