Bei der Deutschen Telekom treffen unterschiedliche Bewertungssignale auf neue Wettbewerbssorgen. Gestern verlor die Aktie im Umfeld möglicher zusätzlicher US-Mobilfunkkonkurrenz -3,7%. Die Analystenurteile zeichnen dabei kein einheitliches Bild: Barclays senkte am Dienstag das Kursziel, blieb aber positiv gestimmt. Bernstein hatte zuvor vor Zins- und Bewertungsrisiken gewarnt.
Anlass für den Verkaufsdruck war ein Bloomberg-Bericht über Verhandlungen von SpaceX zum Zugang zu US-Mobilfunkstandorten. Reuters zufolge schürte dies Sorgen vor zusätzlichem Wettbewerb. Für Telekom-Anleger ist das relevant, weil der Konzern mehr als 50 Prozent an T-Mobile US hält. Der Bericht betrifft damit das Wettbewerbsumfeld der Beteiligung, nicht eine operative Meldung der Deutschen Telekom selbst.
Niedrigere Kursziele, unterschiedliche Urteile
Barclays reduzierte das Kursziel am Dienstag von 35 auf 32 Euro. Die Einstufung beließ die britische Investmentbank auf „Overweight“. Damit verband sie eine niedrigere Zielmarke weiterhin mit einem positiven Anlageurteil.
Eine Kurszielsenkung ist also nicht automatisch eine Verkaufsempfehlung. Zugleich spricht die unveränderte Einstufung nicht gegen eine vorsichtigere Bewertung: Beides kann nebeneinanderstehen. Für Anleger ist deshalb die Unterscheidung zwischen Zielmarke und grundsätzlicher Empfehlung entscheidend.
Bernstein Research beließ die Deutsche Telekom am 16. Oktober auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 28,10 Euro. Analyst Ulrich Rathe verwies auf mögliche höhere Refinanzierungskosten und Bewertungsdruck durch steigende Anleiherenditen.
Diese Einschätzung benennt einen anderen Risikofaktor als die jüngsten Wettbewerbssorgen. Während ein zusätzlicher Mobilfunkanbieter das Marktumfeld verändern könnte, betrifft Rathes Warnung Finanzierung und Bewertung. Aus beiden Analystenurteilen lässt sich deshalb keine einheitliche Reaktion auf den SpaceX-Bericht ableiten.
Rückkäufe und Satellitenpläne als Gegengewicht
Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm der Deutschen Telekom weiter. In der Woche bis zum 16. Oktober erwarb das Unternehmen 6.707.740 eigene Aktien. Die Käufe dokumentieren die Fortsetzung des Programms, liefern aber keine Antwort auf die Frage nach künftigem Wettbewerbsdruck.
Auch im Satellitenbereich prüft die Telekom eigene Möglichkeiten. Am Montag unterzeichnete sie mit Orange, Telefónica und Vodafone eine Absichtserklärung. Die Unternehmen wollen ein mögliches gemeinsames Gebot für künftig in Europa zu vergebende Frequenzen für Mobile Satellite Services prüfen.
Ein verbindliches Gebot ist damit nicht gleichzusetzen. Für die Einordnung der Aktie stehen somit unterschiedliche Ebenen nebeneinander: ein laufender Rückkauf, eine strategische Prüfung und konkrete Vorbehalte zur Bewertung. Das positive Barclays-Urteil beseitigt diese Risiken nicht; umgekehrt machen die Wettbewerbssorgen daraus keine Verkaufsempfehlung.
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