Erst neue Mehrjahrestiefs, dann eine der stärksten Tagesperformances im DAX — die Deutsche Telekom-Aktie zeigt sich zum Wochenauftakt von einer Seite, die viele Anleger zuletzt vermisst haben. Zum Wochenauftakt legte das Papier via XETRA stellenweise um 2,37 Prozent auf 26,74 Euro zu und führte die Gewinnerliste im ansonsten zurückhaltenden Leitindex deutlich an. Auslöser war offenbar eine Analystenstimme, die viel Aufwärtspotenzial in die Bewertung schreibt.

JPMorgan sieht mehr als 50 Prozent Luft nach oben

Die US-Investmentbank JPMorgan bestätigte am vergangenen Freitag ihre „Overweight“-Einstufung und beließ das Kursziel bei 40 Euro. Gemessen am Schlusskurs vom Freitag von 26,15 Euro entspricht das einem Aufwärtspotenzial von rund 53 Prozent. Als Begründung verweisen die Analysten auf den Umbau bei der US-Tochter T-Mobile US sowie auf die anhaltenden Aktienrückkäufe des Konzerns.

Bei T-Mobile US selbst tut sich einiges: Seit Montag läuft die Umstellung von Bestandskunden aus älteren Verträgen auf modernere 5G-Tarife, verbunden mit moderaten Preiserhöhungen von im Schnitt rund vier US-Dollar pro Mobilfunkleitung und Monat. Analysten werten das als Signal für steigende Margen im US-Geschäft, das den Großteil des Konzernergebnisses liefert. Parallel dazu ordnet T-Mobile US seine Führungsspitze neu — Mike Katz gab seinen Posten als Chief Business and Product Officer ab, Chris Sambar übernimmt als neuer Chief Enterprise Officer.

Großaktionäre bremsen die Holdingpläne

Für Gesprächsstoff sorgt daneben ein Bericht der Neuen Zürcher Zeitung vom 11. Juli. Demnach prüft das Management, Deutsche Telekom und T-Mobile US unter einem gemeinsamen Holdingdach enger zusammenzuführen, um die Bewertungslücke zur höher gehandelten US-Tochter zu schließen. Jens Ehrhardt von DJE Kapital und Martin Wirth von FPM äußerten sich dazu kritisch, ein nicht namentlich genannter Top-30-Aktionär warnte laut dem Bericht sogar vor Risiken für den Börsenwert des gesamten Konzerns.

Auch die Bundesregierung, die rund 28 Prozent der Anteile hält, steht der Umstrukturierung offenbar skeptisch gegenüber. Zu den Berichten hat sich die Deutsche Telekom bislang nicht offiziell geäußert.

Rückkäufe als Kursstütze

Neben Analystenlob und Holdingdebatte bleibt das laufende Rückkaufprogramm ein handfester Kursfaktor. In der ersten Juliwoche erwarb der Konzern rund 909.000 eigene Aktien über XETRA zu einem Durchschnittspreis von 24,74 Euro. Für das laufende Jahr sind Rückkäufe von bis zu zwei Milliarden Euro geplant.

Zwei Termine dürften in den kommenden Wochen die Richtung vorgeben: Am 23. Juli legt T-Mobile US seine Zahlen zum zweiten Quartal vor, die Deutsche Telekom folgt am 6. August mit ihrem Zwischenbericht. Bis dahin bleiben Rückkäufe und der Fortgang der Holdingdebatte die entscheidenden Kurstreiber.