Zwei Schwergewichte der Analystenzunft haben sich am Sonntag zur Deutschen Telekom positioniert – und beide sehen nach den jüngsten Quartalszahlen noch erhebliches Potenzial nach oben. Deutsche Bank Research bestätigte ihre Einstufung „Buy“ und beließ das Kursziel bei 40 Euro. Analyst Robert Grindle bezeichnete die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal als beruhigend und lobte besonders die Anhebung der Ziele für Aktienrückkauf und freien Barmittelzufluss. JPMorgan bekräftigte sein „Overweight“-Votum mit einem Kursziel von 38 Euro. Analyst Akhil Dattani merkte an, dass der Konzern ohne die US-Tochter T-Mobile US die Erwartungen moderat übertroffen hätte.
Am Aktienmarkt notierte das Papier zuletzt bei 29,00 Euro und damit gut 15,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro. Auf Wochensicht hat die Aktie um 8,13 Prozent zugelegt – ein Hinweis darauf, dass die Anleger die jüngste Berichtssaison bereits honoriert haben. Zwischen aktuellem Kurs und den Kurszielen der beiden Analysehäuser liegt weiterhin eine deutliche Lücke.
Wachstum in den USA und Deutschland trägt die Bilanz
Grundlage der positiven Einschätzungen sind die am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Der Nettoumsatz stieg organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL legte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu. Der freie Cashflow AL wuchs um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn kletterte um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn sank dagegen um 6,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, hauptsächlich wegen Integrationskosten bei T-Mobile US im Zusammenhang mit der Übernahme von UScellular.
T-Mobile US blieb nach eigenen Angaben Wachstumsführer im US-Markt, mit einem organischen EBITDA-Plus von 9,6 Prozent und führendem Wachstum bei den Durchschnittserlösen pro Kunde. In Deutschland verzeichnete der Konzern bereits das 39. Quartal in Folge mit EBITDA-Wachstum. Der Umsatz im Heimatmarkt stieg um 3,5 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, getragen von der Fußball-Weltmeisterschaft und der Nachfrage nach MagentaTV. Bei der Glasfaser meldete das Unternehmen 161.000 Neuanschlüsse im Quartal, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wenngleich das Breitbandgeschäft insgesamt 20.000 Kunden verlor. Zusätzlich verwies der Konzern auf seine industrielle KI-Cloud in München, die zusammen mit NVIDIA aufgebaut wurde und mit 10.000 Grafikprozessoren bereits vollständig ausgebucht ist.
Rückkäufe laufen weiter, Blick auf die kommenden Termine
Auch operativ hält der Konzern das Tempo hoch: Zwischen dem 3. und dem 7. August erwarb die Deutsche Telekom nach Medienberichten insgesamt 1,277 Millionen eigene Aktien über Xetra für rund 36,1 Millionen Euro. Seit Beginn des laufenden Rückkaufprogramms am 1. Juli summiert sich die Zahl der zurückgekauften Aktien damit auf 7,64 Millionen Stück. Der Konzern nutzt die im historischen Vergleich niedrige Bewertung, um die Aktienzahl kontinuierlich zu reduzieren.
Vor den Zahlen war im Markt die Frage im Raum gestanden, ob der deutsche Markt nach hohen Netzinvestitionen wirtschaftlich schneller Früchte tragen kann, während T-Mobile US bereits starke Cashflow-Signale geliefert hatte. Die US-Tochter steuert weiterhin rund zwei Drittel des Konzernumsatzes bei – nach Einschätzung des Handelsblatts lieferte sie zwar starke Zahlen, doch mancher Analyst hatte offenbar noch mehr erhofft. Diese Erwartungslücke bei T-Mobile US erklärt auch, warum JPMorgan trotz insgesamt positiver Einstufung auf die isolierte Betrachtung ohne die US-Tochter verweist.
Für die kommenden Monate hat der Konzern bereits zwei Termine gesetzt: Am 5. Oktober findet ein „AI Investor Day“ statt, auf dem Vorstandschef Tim Höttges und sein Team die KI-Strategie und deren Perspektiven vorstellen wollen. Am 5. November folgen dann die Zahlen zum dritten Quartal. Höttges selbst zeigte sich nach den jüngsten Ergebnissen zufrieden: „Unsere Geschäfte laufen weiter rund. Auch im ersten Halbjahr 2026 liefern alle Bereiche des Konzerns beeindruckendes Wachstum ab.“ Für Anleger bleibt die Kombination aus laufenden Rückkäufen, angehobener Cashflow-Prognose und breiter Analystenunterstützung der zentrale Treiber der Kursstory – auch wenn die erhoffte Rückkehr in Richtung des 52-Wochen-Hochs noch aussteht.
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