Starke Bilanzen, schwache Kurse. Bei der Deutschen Telekom klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Während Ratingagenturen die Bonität des Bonner Konzerns heraufstufen, werfen Anleger die Papiere aus ihren Depots.

Verkaufssignal trotz starker Zahlen

Am Montag markierte der Titel bei 25,71 Euro ein neues Jahrestief. Zum Handelsschluss rettete sich das Papier leicht auf 26,14 Euro. Auf Jahressicht steht damit ein Minus von knapp 16 Prozent.

Der Abwärstrend trifft die gesamte Telekommunikationsbranche. Zinssensitive Schwergewichte leiden unter der straffen Geldpolitik der Notenbanken. Mit einem Relative-Stärke-Index von 29,2 gilt die Aktie als technisch überverkauft. Ein stabiler Boden fehlt aber noch. Analysten sehen die nächste wichtige Unterstützung bei 22,40 Euro.

US-Geschäft treibt das Rating

Die fundamentale Seite sendet völlig andere Signale. Die Ratingagentur Fitch hob das langfristige Ausfallrating am Montag auf „A-“ an. Den Ausblick werten die Experten als stabil. Hauptgrund ist das stark wachsende US-Geschäft. T-Mobile US liefert dem Mutterkonzern verlässlich hohe Cashflows.

Das Management prognostiziert bis 2027 einen überschüssigen Barmittelzufluss von rund 15 Milliarden Euro. Um den aktuellen Kursverfall zu bremsen, kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück. Seit Anfang April sammelte die Telekom fast 17 Millionen Papiere ein.

Günstige Bewertung lockt

Diese fundamentale Stärke drückt die fundamentale Bewertung auf ein attraktives Niveau. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für das kommende Jahr liegt bei 13,3. Das ist deutlich günstiger als der langjährige Durchschnitt.

Hält die charttechnische Unterstützung am bisherigen Jahrestief nicht, droht ein weiterer Rücksetzer in Richtung der 22-Euro-Marke.