Die Deutsche Telekom sieht sich gestern gleich mit zwei belastenden Meldungen konfrontiert. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie am Donnerstag auf Hold herab, zeitgleich wurde eine Sicherheitslücke in den Mobilfunknetzen bekannt. Beide Themen drückten kurzfristig auf die Stimmung, doch der Kurs zeigte sich am Freitag robust: Das Papier schloss bei 28,55 Euro und legte damit um 1,8 Prozent zu.

Sicherheitslücke sorgt für Unsicherheit

Bei mehr als 70 Testanrufen kam es zu einer teilweisen Übermittlung von IMEI-Nummern sowie Geräte- und Betriebssystemdaten. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt, als möglicher Faktor gelten VoLTE-Konfigurationen.

Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft auf dem Vertrauen der Kunden in die Netzsicherheit beruht, ist eine solche Meldung heikel – auch wenn das Ausmaß der Datenpreisgabe bislang begrenzt erscheint und weitere Untersuchungen laufen.

Die Herabstufung durch Kepler Cheuvreux auf Hold fiel in dieselbe Woche und ließ die Aktie zeitweise um fast drei Prozent auf 28,07 Euro fallen. Dass sich das Papier seither wieder erholt hat, deutet darauf hin, dass Anleger die operative Substanz des Konzerns höher gewichten als einzelne Belastungsfaktoren.

Operatives Geschäft liefert Rückenwind

Diese Substanz zeigte sich zuletzt in den Zahlen zum zweiten Quartal: Der Nettoerlös stieg auf 29,9 Milliarden Euro, organisch wuchs der Umsatz um 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL kletterte organisch sogar um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro.

Auf dieser Basis hob der Konzern seine Prognose für den freien Cashflow AL 2026 von zuvor mehr als 19,8 Milliarden Euro auf rund 20,0 Milliarden Euro an.

Diese verbesserte Ertragslage gibt dem Konzern Spielraum für weitere strategische Schritte. Mit der Übernahme der polnischen Glasfaseranbieter Fiberhost und Inea von Macquarie Asset Management für rund eine Milliarde Euro treibt die Telekom ihren Netzausbau in Osteuropa voran. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden und wird erst gegen Jahresende erwartet.

Aus für US-Fusionspläne

Für langfristig orientierte Anleger dürfte eine andere Entwicklung schwerer wiegen: T-Mobile US hat Anfang August die Unterstützung für mögliche Fusionspläne mit der Deutschen Telekom beendet.

Medienberichten zufolge markiert dies das Ende von Spekulationen über eine engere Verflechtung zwischen dem US-Ableger und der Konzernmutter. Da T-Mobile US einen wesentlichen Wertbeitrag zum Konzern leistet, wird jede Entwicklung rund um die US-Tochter von Investoren genau beobachtet.

Der Blick nach vorn richtet sich nun auf zwei Termine: Am 5. Oktober lädt die Telekom zu einem Investorentag zum Thema Künstliche Intelligenz, am 5. November folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Beide Termine dürften zeigen, ob der Konzern das operative Momentum aus dem zweiten Quartal fortsetzen kann – und ob sich die Anleger von der jüngsten Häufung negativer Schlagzeilen unbeeindruckt zeigen.