Die Deutsche Telekom hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die für sich sprechen sollten. Der Konzernumsatz kletterte im zweiten Quartal auf 29,93 Milliarden Euro nach 28,67 Milliarden Euro im Vorjahr, das bereinigte EBITDA AL wuchs organisch um 7,5 Prozent auf 11,82 Milliarden Euro. Dazu hob der Konzern seine Free-Cashflow-Prognose auf rund 20 Milliarden Euro an und stockte das laufende Aktienrückkaufprogramm um weitere 3 Milliarden Euro auf bis zu 5 Milliarden Euro auf. Für mich ist das mehr als solide Konzernführung – es ist ein Signal, dass Bonn seinen eigenen Optimismus mit barem Geld unterlegt.

Der Markt hat reagiert, aber nicht euphorisch übertrieben: Auf Wochensicht steht die Aktie mit 8,13 Prozent im Plus, zum Schlusskurs von 29,00 Euro am Freitag. Wer die Kursentwicklung der vergangenen Monate verfolgt hat, wird das nicht als Strohfeuer werten. Zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro fehlen der Aktie noch 15,57 Prozent – für mich ein Hinweis darauf, dass trotz starker Zahlen noch Luft nach oben besteht, ohne dass ich das als Kaufsignal verstanden wissen möchte. Der Markt bewertet die Story derzeit vorsichtiger, als es die operative Entwicklung nahelegt.

Die Wette auf Content und Cash-Rückgabe geht auf

Konzernchef Tim Höttges verkündete am Freitag, dass MagentaTV im zweiten Quartal rund eine Million Neukunden gewonnen hat – maßgeblich getragen von den exklusiven Übertragungsrechten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Das ist aus meiner Sicht der unterschätzte Baustein der Story: Während die Kapitalmarktkommunikation naturgemäß auf Cashflow und Rückkäufe fokussiert, zeigt der TV-Zuwachs, dass Content-Investitionen tatsächlich zahlende Kunden bringen und nicht nur Prestige-Projekte sind.

Bemerkenswert finde ich auch das Timing der Kapitalrückgabe. Ende Juni, nahe dem 52-Wochen-Tief von 23,54 Euro, kaufte ein Vorstandsmitglied Aktien der eigenen Firma – ein Vertrauensbeweis zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt offenbar skeptischer war als das Management selbst. Wer diesen Insiderkauf mit der jetzigen Rückkauf-Ausweitung zusammendenkt, erkennt ein Muster: Das Unternehmen selbst hält seine Aktie für unterbewertet, und zwar konsequent über mehrere Wochen hinweg.

Nebenwetten mit Substanz – und ein Risiko in den USA

Neben dem operativen Kerngeschäft baut die Telekom an mehreren Flanken gleichzeitig. Anfang August investierte der Konzern 130 Millionen Euro in das KI-Startup HappyRobot, das dadurch auf eine Bewertung von rund einer Milliarde Euro kommt. Im Juni ging man mit dem Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt eine Kooperation zur KI-gestützten Drohnenabwehr im deutschen Luftraum ein. Und bereits im Mai wählte das Bundesdigitalministerium die Telekom für den Aufbau einer zentralen KI-Plattform der Bundesverwaltung aus. Diese Diversifikation in Richtung KI und öffentlicher Sektor lese ich als strategisch klug – sie streut das Risiko über das klassische Telekommunikationsgeschäft hinaus, ohne dass der Konzern dafür die Kapitaldisziplin bei Rückkäufen und Dividende opfert. Die Hauptversammlung hatte im April bereits eine Anhebung der Dividende für 2025 auf 1,00 Euro je Aktie beschlossen, nach 0,90 Euro im Vorjahr.

Der wunde Punkt bleibt für mich die US-Tochter. Mitte Juni wurde laut Berichten des Wall Street Journal der Nachfolgeprozess für T-Mobile-US-Chef Mike Sievert eingeleitet, ein erfahrener Branchenveteran soll übernehmen. Kurz darauf berichtete das Handelsblatt, Höttges wolle die vollständige Integration der US-Tochter schneller vorantreiben als ursprünglich geplant. Ein Führungswechsel in der wichtigsten Ertragsquelle des Konzerns ist per se kein Alarmsignal, aber es ist der Unsicherheitsfaktor, der die sonst so klare Story trübt.

Fazit

Unterm Strich sehe ich einen Konzern, der operativ liefert, sein Kapital konsequent an die Aktionäre zurückgibt und parallel in Zukunftsfelder investiert, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Die Kursreaktion der vergangenen Woche wirkt auf mich nicht überzogen, sondern eher noch verhalten angesichts der Nachrichtenlage. Der Umbau in den USA bleibt die offene Flanke, die entscheiden dürfte, ob aus der aktuellen Stärke eine nachhaltige Neubewertung wird.