Die Deutsche Telekom pumpt Milliarden in eigene Aktien. Der Kurs fällt trotzdem. Diese Diskrepanz zwischen aktivem Kapitalrückfluss und charttechnischer Schwäche wirft eine Frage auf: Reicht das Rückkaufprogramm, um die Aktie vor den Q2-Zahlen am 6. August 2026 zu stabilisieren?

Rückkäufe laufen, der Kurs bröckelt trotzdem

Zwischen dem 13. und 17. Juli hat die Telekom 1.351.740 eigene Aktien über Xetra gekauft. Die Kurse lagen dabei zwischen 26,42 und 27,26 Euro. Seit Programmstart am 1. Juli hat der Konzern damit knapp 3,7 Millionen Aktien zurückgekauft.

Aktuell notiert die Aktie bei 25,95 Euro. Das liegt klar unter den Kaufkursen der Vorwoche. Der Rückkauf hat die jüngste Schwäche also nicht gestoppt – zeitlich fällt das Programm mit wachsenden Wettbewerbssorgen in der Branche zusammen.

Die entscheidende Frage: Hält die Bewertung dem Druck stand?

Kann die als moderat geltende Bewertung den strukturellen Gegenwind neuer Wettbewerbstechnologien auffangen? Das ist die zentrale Frage für die kommenden Wochen. Der RSI liegt bei 44,8 – weder überkauft noch überverkauft.

Der Markt hat sich also noch nicht für eine Richtung entschieden. Die 30-Tage-Volatilität von gut 33 Prozent zeigt aber: Die Nervosität ist hoch.

Das bullische Szenario: Rückkauf und Dividende als Stütze

Für die Bullen zählt zunächst das Kapitalrückführungsprogramm selbst. Es schafft mechanisch Nachfrage und reduziert den Streubesitz. Weniger Aktien im Umlauf stützen den Gewinn je Aktie – dieser Effekt wird im Zusammenhang mit dem Programm regelmäßig betont.

Hinzu kommt eine grundsätzlich konstruktive Analystensicht. Deutsche Bank Research hat das Kursziel zwar von 42 auf 40 Euro gesenkt. Die Einstufung „Buy“ bleibt aber bestehen. Mit einem Abstand von nur gut 10 Prozent zum 52-Wochen-Tief bewegt sich der Kurs zudem nahe einer Zone, die bislang als Unterstützung diente.

Auch bei der US-Tochter T-Mobile US gibt es ein positives Signal. Die Aktionäre bestätigten im Juni 2026 auf der Hauptversammlung sowohl den Board als auch die Vergütung der Führungsebene mit deutlicher Mehrheit. Das deutet auf grundsätzliches Vertrauen in die US-Führung hin.

Das bärische Szenario: Der Abwärtstrend ist intakt

Gegen die Stabilisierungsthese spricht die Charttechnik. Kurs und 50-, 100- sowie 200-Tage-Linie liegen alle über dem aktuellen Niveau. Das deutet auf einen intakten mittelfristigen Abwärtstrend hin – trotz laufender Rückkäufe.

Der Wettbewerbsdruck durch neue Satelliten- und KI-Infrastrukturanbieter ist dabei kein kurzfristiges Thema. Verfestigt er sich, könnte er die Wachstumsstory des Konzerns strukturell infrage stellen.

Auch bei T-Mobile US gibt es Risse im Vertrauen. Zwar fiel die Zustimmung zur Vergütung der Führungsebene mehrheitlich aus. Rund 26,6 Prozent der Stimmen votierten aber dagegen. Das zeigt: Governance-Fragen bei der wichtigen US-Tochter sind nicht vollständig ausgeräumt. Solche Diskussionen können zusätzlich auf das Anlegervertrauen drücken, gerade wenn operative Erwartungen bereits enttäuscht wurden.

Ausblick: Die Q2-Zahlen als nächster Test

Solange das Rückkaufprogramm weiterläuft und die Bewertung im historischen Vergleich moderat bleibt, spricht mehr für eine allmähliche Stabilisierung nahe der bisherigen Tiefstände als für einen erneuten scharfen Einbruch. Kippt die Wahrnehmung des Wettbewerbsdrucks aber in eine anhaltende Neubewertung der gesamten Branche, dürfte auch der fortgesetzte Rückkauf die technische Schwäche kaum ausgleichen können.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der 6. August 2026. Dann veröffentlicht die Telekom ihre Ergebnisse zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr. Bis dahin bleibt die Entwicklung relativ zum 50-Tage-Durchschnitt bei 27,18 Euro die erste Bewährungsprobe – zeigt der Kurs eine Rückkehr über diese Marke, wäre das ein erstes Stabilisierungssignal.