Die Deutsche Telekom hat am Donnerstag per Ad-hoc-Mitteilung ihr Aktienrückkaufprogramm für 2026 kräftig aufgestockt. Der Vorstand beschloss, das bereits seit Jahresbeginn laufende Programm über bis zu 2 Milliarden Euro um weitere bis zu 3 Milliarden Euro zu erweitern. Damit könnten die Rückkäufe bis zum Jahresende ein Volumen von bis zu 5 Milliarden Euro erreichen. Als Begründung nannte der Konzern, dass die Aktie zuletzt am unteren Rand ihrer historischen Bewertungsspanne beim Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt worden sei.
Die Ankündigung fiel zusammen mit der Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr sowie einer Anhebung der Jahresprognose. Am Aktienmarkt reagierten Anleger begeistert: Laut Bloomberg legte die Aktie so stark zu wie seit vier Jahren nicht mehr. Im laufenden Handel zeigt sich der Rückenwind weiterhin deutlich – binnen 30 Tagen kletterte der Kurs um 10,53 Prozent. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 28,96 Euro, ein Rückgang von 0,72 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus Ende Februar bleibt allerdings noch ein Abstand von 15,69 Prozent – die Rally hat also noch nicht das gesamte Terrain der vergangenen Monate zurückerobert.
Freier Barmittelfluss und Ergebnis legen zu
Operativ lieferte die Telekom im zweiten Quartal solide Zahlen. Der Nettoumsatz erreichte 29,9 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA AL stieg organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Der freie Barmittelzufluss AL wuchs um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro, der bereinigte Nettogewinn kletterte um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn ging dagegen um 6,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zurück – belastet durch Integrationskosten bei T-Mobile US im Zusammenhang mit der Übernahme von UScellular.
Auf Basis dieser Entwicklung hob der Konzern seine Jahresprognose für den freien Barmittelzufluss AL von zuvor mehr als 19,8 Milliarden Euro auf rund 20,0 Milliarden Euro an. Die Guidance für das bereinigte EBITDA sieht bei konstanten Wechselkursen ein Wachstum von rund 6 Prozent auf 47,5 Milliarden Euro vor. Zusammen mit der geplanten Dividende könnte die gesamte Ausschüttung an Aktionäre im laufenden Jahr auf rund 10 Milliarden Euro steigen. Bis zum 5. August hatte die Telekom im Rahmen des ursprünglichen Zwei-Milliarden-Programms bereits rund 1,2 Milliarden Euro investiert und dabei etwa 42,1 Millionen eigene Aktien vom Markt genommen. Zwischen dem 3. und 7. August kamen über die Börse Xetra weitere 1,277 Millionen Aktien für rund 36,1 Millionen Euro hinzu, womit sich die seit Programmstart am 1. Juli zurückgekaufte Stückzahl auf 7,64 Millionen summiert.
US-Tochter und Heimatmarkt als Wachstumstreiber
Den größten Beitrag zum operativen Wachstum lieferte erneut die US-Tochter T-Mobile US. Sie steuerte 1.382 Millionen Euro zum organischen EBITDA-AL-Wachstum bei, ein Plus von 9,6 Prozent, und erwirtschaftete im ersten Halbjahr 15,7 Milliarden Euro an bereinigtem EBITDA AL – rund zwei Drittel des Konzerntotals. Die Beteiligung der Telekom an T-Mobile US war zum 17. Juli auf 54,3 Prozent gestiegen, weil der Bonner Konzern bewusst nicht am eigenen Rückkaufprogramm der US-Tochter teilnahm und seinen europäischen Rückkauf unabhängig davon steuert.
Auch der Heimatmarkt trug zum Wachstum bei: In Deutschland stiegen die Gesamterlöse im zweiten Quartal um 3,5 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL legte um 2,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Die organische Serviceumsatz-Entwicklung beschleunigte sich auf 1,6 Prozent, unterstützt durch die Fußball-Weltmeisterschaft, die auf der Plattform MagentaTV übertragen wurde. Vorstandsvorsitzender Tim Höttges verwies zudem auf die KI-Rechenzentrums-Anlage in München, die vollständig ausgelastet sei und für die weiterhin starke Nachfrage bestehe. Der Konzern verhandle mit Nvidia über zusätzliche Grafikprozessoren und prüfe eine Beteiligung an der milliardenschweren KI-Gigafactory-Ausschreibung der EU-Kommission, ohne dass bislang eine endgültige Entscheidung gefallen sei.
Ratingagenturen und Analysten im Blick
Bereits im Juni hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit der Deutschen Telekom von BBB+ auf A- angehoben; auch die ESG-Bewertung von MSCI wurde in den vergangenen Wochen von BBB auf A verbessert. Damit vergeben inzwischen alle drei großen Ratingagenturen ein A-Rating, was verbesserte finanzielle Flexibilität und eine konstante operative Entwicklung widerspiegelt.
Nach den jüngsten Zahlen äußerten sich am Sonntag zwei Analysehäuser. Deutsche Bank Research bestätigte die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 40 Euro; Analyst Robert Grindle bezeichnete die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal als beruhigend und lobte insbesondere die angehobenen Ziele für Rückkauf und freien Barmittelzufluss. JPMorgan bestätigte ihr „Overweight“-Votum mit einem Kursziel von 38 Euro; Analyst Akhil Dattani schrieb, ohne T-Mobile US hätten die Bonner die Erwartungen moderat übertroffen. Rund um die Ad-hoc-Mitteilung hatten bereits Oddo BHF und DZ Bank positiv reagiert: Oddo-Analyst Stéphane Beyazian nannte die überraschende Rückkauferhöhung inmitten jüngster Kursschwäche „sehr positiv“, während DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger auf die Kombination aus historisch niedriger Bewertung und solider Bilanz ohne übermäßige Verschuldung verwies.
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf zwei weitere Termine: Am 5. Oktober lädt der Konzern zu einem AI Investor Day, am 5. November folgen die Zahlen zum dritten Quartal.
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