Die Deutsche Telekom war tagelang im freien Fall. Am Mittwoch kaufen erste Anleger wieder. Reicht das für eine echte Trendwende?

Die Aktie legt um 2,10 Prozent auf 24,30 Euro zu. Am Dienstag hatte das Papier noch ein neues 52-Wochen-Tief bei 23,54 Euro markiert. Der technische RSI-Wert von 27,0 signalisiert eine deutlich überverkaufte Aktie — Werte unter 30 gelten als Extremzone.

Der Erholungsversuch bleibt fragil. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 15,62 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 12,81 Prozent verloren, zum Rekordhoch von 34,35 Euro aus dem Februar fehlen fast 30 Prozent.

Fusionsgerüchte lösen den Ausverkauf aus

Auslöser der Talfahrt sind Berichte über eine mögliche Fusion mit der US-Tochter T-Mobile US. Das „Handelsblatt“ berichtet, Konzernchef Tim Höttges treibe die Zusammenführung schneller voran als bisher angenommen. Grund dafür sei die wachsende Konkurrenz durch Elon Musks kürzlich an die Börse gegangenes SpaceX.

Aktionäre reagieren skeptisch. Eine Fusion der US-Tochter mit der deutschen Mutter würde an der Börse wahrscheinlich zu einem Bewertungsabschlag führen. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.

Die Deutsche Telekom schweigt zu den Berichten. T-Mobile US bezeichnete frühere Meldungen als Spekulation, die man grundsätzlich nicht kommentiere.

UBS bleibt trotz Kursrutsch optimistisch

Die Schweizer Großbank UBS hält an ihrer Kaufempfehlung fest. Das Kursziel liegt bei 36,60 Euro. Analyst Polo Tang führt die Kursschwäche auf die Sorge der Anleger vor den Fusionsplänen zurück.

Tang selbst hält ein zentrales Gegenargument für nicht stichhaltig. Manche Beobachter befürchten, ohne Fusion drohe eine Übernahme. Der Analyst verweist darauf, dass der deutsche Staat nur eine Minderheitsbeteiligung an der Telekom hält — die Bonner wiederum sind Mehrheitsaktionär bei T-Mobile US. Ein Dementi der Fusionspläne würde der Aktie laut Tang direkt zugutekommen.

Auch Wettbewerbsrisiken durch eine mögliche Fusion von Charter Communications mit einem Satellitenbetreiber bewertet die UBS als wenig bedrohlich. Die Auswirkungen auf das Wettbewerbsumfeld schätzt die Bank als begrenzt ein.

Charttechnik warnt vor verfrühter Entwarnung

Extrem überverkaufte Aktien wie die Telekom aktuell führen statistisch häufig zu kurzfristigen Gegenbewegungen. Genau das könnte hinter dem heutigen Plus stecken. Das Gesamtbild bleibt aber angeschlagen.

Der Kurs notiert 12,04 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 15,67 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Diese Distanz zu beiden Linien spricht eher für eine Fortsetzung des Abwärtstrends als für eine nachhaltige Erholung. Die Nachrichtenlage bleibt negativ, ein stabiler Boden ist noch nicht erkennbar.

Bis das Management konkrete Aussagen zu den Strukturgerüchten liefert, dürfte das Thema T-Mobile US den Kursverlauf bestimmen. Klarheit könnten die kommenden Quartalszahlen bringen. Die heutige Erholung zeigt erste Kaufbereitschaft — bestätigt ist ein Trendwechsel damit noch nicht.