Beim Kölner Motorenbauer Deutz markiert der Einstieg in den Rüstungssektor einen tiefgreifenden strategischen Wandel. Vorstandschef Sebastian Schulte dämpfte am Freitag im Gespräch mit dem Handelsblatt jedoch überzogene Erwartungen an das neue Geschäftsfeld.
Zwar setzt das Unternehmen auf industrielle Skalierung und resiliente Lieferketten in der Wehrtechnik. Schulte warnte jedoch ausdrücklich davor, die Rüstungsbranche als einfachen Ersatz für wegfallende Arbeitsplätze in der klassischen Industrie zu begreifen.
Zwischen Kürzungsplänen und neuen Geschäftsfeldern
Die Mahnung des Unternehmenschefs trifft auf eine angespannte Lage im traditionellen Kerngeschäft. Medienberichten zufolge plant der Konzern am Kölner Standort einen weiteren Personalabbau, der das Geschäft mit kleineren Motoren betrifft.
Hintergrund ist eine spürbar schwächere Nachfrage in diesem Segment. Bis Ende 2028 stehen demnach voraussichtlich 130 bis 200 Arbeitsplätze zur Disposition, im Maximalfall könnten bis zu 300 Stellen wegfallen. Das Unternehmen hat diese Berichte bislang nicht kommentiert.
Auf der anderen Seite forciert Deutz die Erschließung wehrtechnischer Anwendungen. Vor gut drei Wochen vereinbarte das Management eine Partnerschaft mit dem US-Entwickler Hypercraft für unbemannte Bodenfahrzeuge und mobile Antriebssysteme.
Vor rund zwei Wochen folgten erste Auslieferungen des gemeinsam mit ARX Robotics gefertigten Fahrzeugtyps GEREON an die ukrainischen Streitkräfte, deren Produktion in Ulm in den kommenden Monaten hochgefahren werden soll. Flankiert wird dieser Kurs durch die vor über einem Monat angekündigte Übernahme des Spezialisten FFG.
Analystenlob und anstehender Quartalsbericht
Am Kapitalmarkt stößt die veränderte Ausrichtung dennoch auf Zuspruch. Das Bankhaus Berenberg passte am 6. Oktober das Kursziel für Deutz von 13,00 auf 16,50 Euro an und bestätigte die Einstufung mit „Buy“.
Analyst Lasse Stueben begründete diesen Schritt mit dem gestärkten Engagement im Verteidigungssektor und einer damit verbundenen Verbesserung des Margenprofils. Aus Pflichtmitteilungen geht zudem hervor, dass Aufsichtsrat Dietmar Voggenreiter Aktien des Unternehmens im Gesamtwert von 53.400,00 Euro erwarb.
An der Börse ging die Aktie am Freitag bei 11,01 Euro aus dem Handel. Das Papier weist seit Jahresanfang ein Plus von 30 Prozent auf, womit der Börsenwert bei 1,65 Milliarden Euro liegt.
Wie tragfähig die Neuausrichtung operativ ist und wie stark die Schwäche im Motorenbau das Zahlenwerk belastet, dürften die anstehenden Finanzdaten zeigen.
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