Warburg Research hat sein Kursziel für Deutz am Dienstag von 13,20 auf 19 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ bestätigt. Die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 12,41 Euro und nähert sich damit wieder ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,98 Euro, das erst am 31. August markiert wurde.

Die Anhebung fällt in eine Phase, in der Deutz operativ deutlich zulegt. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 10,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT kletterte um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro.

Die EBIT-Marge verbesserte sich von 5,5 auf 7,1 Prozent. Besonders auffällig: Der Auftragseingang legte um 28,7 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu – ein Signal, dass die Nachfrage der operativen Entwicklung vorauseilt.

Wachstum kostet Substanz

Der Fortschritt hat allerdings seinen Preis. Die Nettofinanzposition rutschte von minus 269,4 Millionen Euro Ende 2025 auf minus 520,5 Millionen Euro, der freie Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 29,7 Millionen Euro.

Der Anstieg der Verschuldung hängt eng mit der Übernahme des Rüstungszulieferers FFG Flensburger Fahrzeugbau zusammen, die Deutz Anfang Juli für rund 1,6 Milliarden Euro eingefädelt hatte und deren Kapitalerhöhung die Aktionäre vor gut einer Woche auf einer außerordentlichen Hauptversammlung praktisch einstimmig absegneten. Die Aktie hat sich seit diesem Beschluss um 0,7 Prozent bewegt.

Trotz der höheren Verschuldung hält das Management an seiner Jahresprognose fest: Für 2026 rechnet Deutz weiterhin mit einem Konzernumsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent.

Der freie Cashflow ohne M&A-Effekte soll im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen. Mittelfristig soll die FFG-Übernahme dazu beitragen, das für 2030 gesetzte Ziel von 4 Milliarden Euro Umsatz und 10 Prozent EBIT-Marge früher zu erreichen.

Insider setzt Vertrauenszeichen

Auch aus dem eigenen Aufsichtsrat kommt ein positives Signal: Patricia Geibel-Conrad kaufte am 28. August 8.000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 12,89 Euro, ein Volumen von rund 103.114 Euro.

Solche Käufe aus den eigenen Reihen werden von Anlegern häufig als Vertrauensbeweis in die eigene Strategie gewertet, gerade in einer Phase, in der das Unternehmen mit der FFG-Integration vor einer der größten Transaktionen seiner über 160-jährigen Geschichte steht.

Charttechnisch zeigt die Aktie derzeit klare Stärke: Mit einem RSI von 68 nähert sie sich der überkauften Zone, der Kurs liegt gut 22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,14 Euro und rund 24 Prozent über der 200-Tage-Linie von 9,98 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 46 Prozent zu Buche.

Ob die von Warburg unterstellte Bewertung von 19 Euro erreichbar ist, dürfte sich maßgeblich daran entscheiden, wie reibungslos die Integration von FFG gelingt und ob sich die Free-Cashflow-Belastung im weiteren Jahresverlauf stabilisiert. Anleger erhalten hierzu am 21. September auf der Berenberg & Goldman Sachs Corporate Conference in München möglicherweise weitere Einblicke.