DHL hat am Dienstagnachmittag mit einer Insidermeldung für Bewegung gesorgt: Der Bonner Logistikkonzern hebt seine Gewinnprognose für 2026 an, nachdem das zweite Quartal deutlich besser lief als erwartet. Die Aktie reagierte prompt und kletterte auf den höchsten Stand seit Januar 2022. Nach Wochen mit steigenden Kursen rückt nun sogar das Rekordhoch wieder in Reichweite.

Ausgangspunkt war eine Ad-hoc-Mitteilung: Das Management erwartet für das Gesamtjahr nun ein Konzern-EBIT von über 6,5 Milliarden Euro, statt bislang über 6,2 Milliarden. Grundlage waren die vorläufigen Zahlen für Juni und damit das zweite Quartal.

Express-Geschäft treibt das Ergebnis

Das operative Ergebnis im zweiten Quartal kletterte im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um mehr als zehn Prozent zu. Im Vorjahresquartal hatten Zoll- und Handelskonflikte die Geschäfte noch gebremst.

Haupttreiber war die Sparte DHL Express: Das EBIT schoss von 730 Millionen auf 1,195 Milliarden Euro nach oben. Ein Teil davon, rund 150 Millionen Euro, geht auf die Verknappung der Luftfrachtkapazitäten durch den Iran-Krieg zurück — ein Sondereffekt, den JPMorgan-Analystin Alexia Dogani in ihrer Einschätzung explizit herausrechnete. Auch ohne diesen Effekt sieht sie die zugrunde liegenden Trends im Expressgeschäft positiv.

Die übrigen Sparten zeigten ein gemischtes Bild. DHL Global Forwarding steigerte sein Ergebnis auf 240 Millionen Euro, während DHL Supply Chain wegen ausgelaufener Einmaleffekte aus dem Vorjahr auf 305 Millionen Euro zurückfiel. Post & Paket Deutschland kam auf 135 Millionen Euro, deutlich unter dem Vorjahreswert von 166 Millionen — die Jahresprognose für dieses Segment bleibt trotzdem bei über 900 Millionen Euro unverändert.

Aktie mit kräftigem Kurssprung

Die Reaktion an der Börse fiel deutlich aus: In der Spitze stiegen die Titel um bis zu drei Prozent auf 57,38 Euro, am Ende ging es 1,7 Prozent höher aus dem Handel. Damit gehörte DHL zu den stärksten Werten im DAX, der an diesem Tag insgesamt nachgab. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursplus von gut 21 Prozent zu Buche — auch das liegt weit vorn im Index.

JPMorgan sieht laut Dogani weiteren Spielraum für die Markterwartungen, da DHL das erwartete operative Ergebnis um ein Fünftel übertroffen habe. Für die DHL-Bereiche wurde die interne EBIT-Erwartung entsprechend von über 5,6 Milliarden auf über 5,9 Milliarden Euro angehoben.

Die vollständigen Zweitquartalszahlen will DHL am 5. August veröffentlichen. Bis dahin dürfte die Frage im Raum stehen, ob die Aktie ihr bisheriges Rekordhoch aus der Vor-2022-Zeit tatsächlich knackt oder ob nach dem jüngsten Lauf erst einmal eine Verschnaufpause folgt.