Der Blick auf Diginex konzentriert sich seit Wochen auf die geplante Übernahme von Resulticks. Für mich ist das mittlerweile die falsche Priorität. Die Geschäftszahlen zum Jahresende, die das Unternehmen vor rund zehn Tagen vorgelegt hat, verdienen eine genauere Lektüre als jede weitere Volte im Fusionspoker.

Wachstum mit Schönheitsfehlern

Diginex meldete für das Geschäftsjahr bis 31. März 2026 einen Umsatzanstieg von 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar. Das klingt beeindruckend, relativiert sich aber schnell bei einem Blick auf die absolute Größenordnung: Ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 30,63 Millionen Euro erwirtschaftet noch immer einstellige Millionenumsätze.

Der Zuwachs speiste sich laut Unternehmensangaben aus Software- und Datenerlösen sowie ersten Beiträgen der zugekauften Einheiten Plan A, Matter und The Remedy Project. Das ist grundsätzlich der richtige Weg, um aus einer Sustainability-RegTech-Idee eine integrierte Plattform zu formen. Doch Wachstum durch Zukäufe hat einen Preis.

Und dieser Preis fällt hier drastisch aus. Der Nettoverlust wuchs von 5,2 Millionen auf 31,2 Millionen US-Dollar. Das operative Ergebnis lag bei 24,9 Millionen US-Dollar im Minus.

Ein Teil davon erklärt sich durch eine Goodwill-Abschreibung von 7 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit der Akquisition von Matter – ein Posten, der zeigt, dass nicht jede Übernahme der Vergangenheit den erhofften Wert gebracht hat. Für mich ist das ein Warnsignal, gerade weil Diginex gleichzeitig eine deutlich größere Transaktion mit Resulticks vorantreibt.

Kapitalbedarf trifft auf Verwässerungsdruck

Nach Ablauf des Geschäftsjahres kündigte Diginex eine Kapitalerhöhung über 20,0 Millionen US-Dollar an, bestehend aus 20.000.000 Stammaktien und fünfjährigen Warrants auf weitere 20.000.000 Aktien mit einem Ausübungspreis von 1,00 US-Dollar je Aktie.

Der Kaufpreis soll zwischen dem 28. Juli 2026 und dem 31. März 2027 zufließen. Das ist eine gestreckte Finanzierung, die Flexibilität signalisiert, aber auch zeigt: Diginex braucht frisches Kapital, um operativ und strategisch handlungsfähig zu bleiben.

Vor gut einer Woche unterzeichnete Diginex zudem eine geänderte definitive Vereinbarung für Resulticks, die das Unternehmen mit rund 1,05 Milliarden US-Dollar bewertet. Seither hat die Aktie 3,0 Prozent verloren.

Vorgesehen sind 600.000.000 neue Diginex-Stammaktien zu 1,75 US-Dollar je Aktie als Gegenleistung – eine Verwässerung, die in keinem Verhältnis zur aktuellen Unternehmensgröße steht. Wer diese Zahlen nebeneinanderlegt, muss sich fragen, wie eine derart massive Aktienausgabe mit der ohnehin schon defizitären operativen Basis zusammenpasst.

Kurschart spiegelt die Unsicherheit

Der Aktienkurs bewegt sich aktuell bei 1,28 US-Dollar, nach einem Freitagsplus von 4,1 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 11 Prozent zu Buche.

Die annualisierte Volatilität von 115 Prozent über 30 Tage unterstreicht, wie nervös der Markt diesen Wert derzeit handelt. Das ist aus meiner Sicht kein Zufall, sondern die logische Konsequenz aus einer Gemengelage von hoher Verwässerung, wachsenden Verlusten und einem Übernahmeprojekt, dessen Finanzierung – trotz zugesagter 70 Millionen US-Dollar an privaten Mitteln – weiterhin an Bedingungen geknüpft ist.

Mein Fazit

Die Wachstumsstory von Diginex ist real, aber sie wird von den Verlusten und der bevorstehenden Verwässerung überschattet. Der Resulticks-Deal mag strategisch Sinn ergeben, doch die Kombination aus 600 Millionen neuen Aktien für die Übernahme und einer zusätzlichen 20-Millionen-Dollar-Kapitalerhöhung für das operative Geschäft spricht gegen eine schnelle Stabilisierung der Aktionärsbasis.

Für mich überwiegen derzeit die Risiken der Verwässerung gegenüber den Chancen aus dem Wachstumspfad – solange sich an der Verlustdynamik nichts ändert, bleibt Vorsicht angebracht.