Diginex hat am 13. August seine Geschäftszahlen für das per Ende März 2026 abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt, und für mich zeigen sie ziemlich genau das Spannungsfeld, in dem das Unternehmen gerade steckt. Der Umsatz kletterte um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar, getrieben von den Zukäufen Plan A, Matter und The Remedy Project.

Klingt nach Aufbruch. Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf 31,1 Millionen US-Dollar aus, und der bereinigte EBITDA-Verlust sprang von 5,2 auf 13,0 Millionen US-Dollar – mitverantwortet durch eine Goodwill-Abschreibung von 7,0 Millionen US-Dollar auf Matter. Wer hier nur die Wachstumsrate sieht, blendet die Kehrseite aus.

Wachstum, das teuer erkauft ist

Unterm Strich bleibt für mich die Erkenntnis: Diginex wächst, aber es kostet. Eine Abschreibung dieser Größenordnung auf eine erst kürzlich erworbene Beteiligung ist kein Randdetail, sondern ein Warnsignal, dass nicht jede Akquisition wie geplant aufgeht.

Positiv immerhin: Das Unternehmen ist schuldenfrei, verfügt aber nur noch über eine Liquidität von 4,9 Millionen US-Dollar. Das erklärt, warum im August eine Kapitalerhöhung über 20,0 Millionen US-Dollar aufgesetzt wurde – 20,0 Millionen neue Stammaktien plus fünfjährige Warrants mit einem Ausübungspreis von 1,00 US-Dollar.

Die Mittelzuflüsse sollen zwischen dem 28. Juli 2026 und dem 31. März 2027 fließen. Aus meiner Sicht ist das eine nüchterne, aber notwendige Maßnahme, um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren, ohne sich neu zu verschulden. Verwässerung für Altaktionäre ist der Preis dafür.

Resulticks bleibt der große Hebel

Der eigentliche strategische Anker bleibt die vor rund zwei Wochen unterzeichnete Übernahmevereinbarung mit Resulticks, seither hat sich der Kurs um 1,5 Prozent bewegt – kaum eine Reaktion, die auf Euphorie schließen lässt.

Am 12. August meldete Diginex, man befinde sich mit Resulticks in den finalen Phasen der Dokumentation. Das Long-Stop-Datum für die Transaktion war zuvor vom 31. Juli auf den 12. August verlängert worden, gestützt durch private Finanzierungszusagen von 70 Millionen US-Dollar.

Der Abschluss wird bis zum 30. Oktober 2026 angestrebt, die Gegenleistung liegt bei 600 Millionen neuen Diginex-Stammaktien zu je 1,75 US-Dollar. Das ist eine gewaltige Kapitalstruktur-Verschiebung, die den Charakter des Unternehmens fundamental verändern dürfte, sollte sie wie geplant über die Bühne gehen.

Für die außerordentliche Hauptversammlung wurde der 14. August als Stichtag festgelegt, die Proxy-Unterlagen sollen um den 25. September verteilt werden. Der Abschluss hängt zudem von der Nasdaq-Genehmigung der Listing-Anwendung nach Rule 5110 sowie weiteren regulatorischen Freigaben ab – das sind harte Bedingungen, keine Formalität.

Beteiligungsverhältnisse verschieben sich

Rhino Ventures hält inzwischen 40,1 Prozent an Diginex, basierend auf 82,4 Millionen ausstehenden Stammaktien zum 10. August, einschließlich 32,3 Millionen Aktien aus kurzfristig ausübbaren Warrants. Diese Konzentration ist meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert: Sie signalisiert Vertrauen eines Großinvestors, verengt aber zugleich den Streubesitz und damit die Mitspracherechte kleinerer Aktionäre.

Auf der operativen Seite hat Diginex im Juli mit Jan-Jaap Verhoeve einen neuen Chief Commercial Officer installiert, der das globale Umsatzwachstum beschleunigen soll. Zusammen mit den im April berufenen Führungskräften Jacob Friedman als COO und Sandra Kovacheva als CAO entsteht ein Managementteam, das für die kommende, deutlich größere Unternehmensstruktur gerüstet werden soll.

Ende Juli erfüllte Diginex zudem wieder die Nasdaq-Mindestkursanforderung, nachdem der Schlusskurs an 20 aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar lag – ein formaler, aber wichtiger Baustein für die weitere Börsennotierung.

Mein Fazit

Diginex befindet sich in einer Übergangsphase, die für mich mehr Chance als Risiko birgt, sofern die Resulticks-Transaktion wie geplant abgeschlossen wird. Die frische Kapitalerhöhung und die Nasdaq-Compliance schaffen dafür die nötige Basis. Doch der ausgeweitete Verlust und die Impairment-Belastung zeigen, dass der Weg dorthin nicht ohne Reibungsverluste verläuft.

Wer die Aktie beobachtet, sollte weniger auf die Tagesbewegungen schauen als auf den Fortschritt der Resulticks-Integration bis zum angepeilten Abschluss am 30. Oktober – dort entscheidet sich, ob aus der Wachstumsstory tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell wird.