Bei Diginex wetten immer mehr Anleger auf fallende Kurse. Gleichzeitig steuert der ESG-Softwareanbieter auf eine milliardenschwere Übernahme zu. Diese Kombination sorgt für ungewöhnliche Spannung.

Short-Positionen schnellen nach oben

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Zum 30. Juni lag das Short Interest bei 1.263.821 Aktien. Das ist ein Plus von 143,9 Prozent gegenüber dem 15. Juni.

Damals waren es noch 518.110 Aktien. Rund 5 Prozent aller Diginex-Aktien sind aktuell leerverkauft. Die Short-Interest-Ratio liegt bei niedrigen 0,2 Tagen – gemessen am Handelsvolumen von durchschnittlich 7,56 Millionen Aktien könnten Leerverkäufer ihre Positionen also sehr schnell auflösen.

Institutionelle Investoren zeigen dagegen ein gemischtes Bild. Millennium Management eröffnete im vierten Quartal eine neue Position im Wert von rund 345.000 US-Dollar. Jane Street Group kaufte im selben Zeitraum für etwa 253.000 US-Dollar zu.

UBS stockte ihre Beteiligung im dritten Quartal sogar um 562,8 Prozent auf. Engineers Gate Manager und Goldman Sachs stiegen im vierten Quartal mit kleineren Positionen neu ein. Die Analystenseite bleibt trotzdem skeptisch: Weiss Ratings senkte Diginex Anfang Juni von „Sell (D-)“ auf „Sell (E+)“. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Sell“.

Kurs zwischen 1,17 Dollar und 52-Wochen-Extremen

Am Dienstag stieg die Diginex-Aktie zeitweise leicht auf 1,17 US-Dollar. Das Handelsvolumen blieb mit 119.200 Aktien weit unter dem Durchschnitt von 1,25 Millionen Aktien.

Die 52-Wochen-Spanne zeigt das ganze Ausmaß der Volatilität. Das Tief liegt bei 0,85 US-Dollar, das Hoch bei 318,84 US-Dollar. Auch die gleitenden Durchschnitte klaffen weit auseinander: 1,12 US-Dollar über 50 Tage stehen 7,60 US-Dollar über 200 Tage gegenüber.

Diese Diskrepanz kommt nicht von ungefähr. Im April führte Diginex einen Aktienzusammenlegung im Verhältnis 8:1 durch. Zusätzlich sorgten wiederholte Anpassungen im Rahmen der geplanten Resulticks-Übernahme für Kursausschläge.

Was die steigenden Shorts bedeuten

Der Anstieg der Leerverkaufspositionen fällt in eine entscheidende Phase. Diginex arbeitet aktuell an der Finanzierung der milliardenschweren Resulticks-Transaktion. Einzelne institutionelle Adressen bauen ihre Positionen aus – parallel wächst aber auch die Zahl der Anleger, die auf fallende Kurse setzen.

Die Gemengelage bleibt riskant. Niedrige Liquidität, hohe Volatilität und die offene Frage der Übernahmefinanzierung treffen aufeinander. Bis Diginex eine finale Entscheidung zur Resulticks-Finanzierung bekannt gibt, dürfte die Aktie für ausgeprägte Kursausschläge in beide Richtungen anfällig bleiben.