Die Versandapotheke DocMorris blickt nach einer deutlichen operativen Verbesserung im ersten Halbjahr optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen hat seine Prognose für den Außenumsatz und das operative Ergebnis angehoben. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch ein starkes Wachstum bei rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland und deutliche Zuwächse im digitalen Segment.

Am Aktienmarkt sorgt die Nachricht für eine positive Dynamik. Der Kurs klettert heute um 8,0 % auf 11,37 €. Damit notiert das Papier aktuell rund 12 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 10,15 €. Nachdem die Aktie gestern im direkten Anschluss an die Zahlenvorlage zunächst durch Gewinnmitnahmen belastet worden war, fangen die Anleger die Verluste am heutigen Handelstag wieder auf.

Operative Trendwende und verbesserte Aussichten

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 steigerte DocMorris den Außenumsatz um 12,5 % auf 627,8 Millionen CHF. Besonders deutlich fiel die Verbesserung beim bereinigten EBITDA aus: Der operative Verlust verringerte sich von 28,8 Millionen CHF im Vorjahreszeitraum auf nun 10,9 Millionen CHF. Unter dem Strich verzeichnete das Unternehmen einen Nettoverlust von 53,1 Millionen CHF, nach einem Minus von 61,6 Millionen CHF im Vorjahr.

Aufgrund dieser Entwicklung hat das Management die Ziele für das Gesamtjahr nach oben korrigiert. Der Außenumsatz soll nun um 9 % bis 13 % wachsen. Zuvor war lediglich ein Zuwachs im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt worden.

Beim bereinigten EBITDA erwartet DocMorris nun einen Wert zwischen minus 10 Millionen CHF und minus 17,5 Millionen CHF. Die ursprüngliche Prognose sah hier noch einen Verlust von bis zu 25 Millionen CHF vor. Das Management bestätigte zudem das Ziel, in der zweiten Jahreshälfte die operative Gewinnschwelle zu erreichen, wobei das vierte Quartal erstmals profitabel ausfallen soll.

Dynamisches Wachstum im Bereich der E-Rezepte

Ein wesentlicher Treiber des Wachstums ist das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten (Rx) in Deutschland. Hier legte der Außenumsatz im ersten Halbjahr um 38,3 % zu. Im zweiten Quartal beschleunigte sich dieses Wachstum sogar auf 45,8 %.

Auch das Segment der digitalen Dienstleistungen, zu dem unter anderem die TeleClinic gehört, entwickelte sich positiv. Der Umsatz in diesem Bereich stieg um 71,4 %, während sich der Beitrag zum operativen Ergebnis (EBITDA) verdoppelte.

Die Analysten von Barclays wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass DocMorris bei den E-Rezepten im Juli und August eine Beschleunigung verzeichnete. Diese Dynamik falle stärker aus als jüngste Indikatoren des Wettbewerbers Redcare Pharmacy vermuten ließen. Medienberichten zufolge profitiert das Unternehmen dabei von der zunehmenden Akzeptanz digitaler Einlösewege für Rezepte.

Strategische Weichenstellung und Analystenreaktionen

Trotz der operativen Fortschritte fielen im ersten Halbjahr Einmalkosten in Höhe von 7,6 Millionen CHF an. Diese standen im Zusammenhang mit der Umsetzung der „AI-First“-Strategie sowie der Schließung des Standorts in Ludwigshafen. Diese Maßnahmen sollen langfristig die Effizienz steigern und den Weg in die Gewinnzone ebnen.

Die Analysten reagierten am heutigen Donnerstag mit Anpassungen ihrer Modelle auf die neuen Zahlen. Das Analysehaus Berenberg hob das Kursziel für DocMorris massiv von 4,45 CHF auf 10,15 CHF an. Trotz der Erhöhung beließen die Experten die Einstufung auf „Hold“, würdigten jedoch die operative Trendwende und die angehobenen Jahresziele ausdrücklich. Damit rückt das Erreichen der Gewinnschwelle für das Unternehmen in greifbare Nähe.