Monatelang drehte sich bei DocMorris alles um eine Frage: Reicht das Geld? Diese Sorge scheint nun einer neuen Erzählung zu weichen. Die Deutsche Bank sieht die Debatte an der Börse kippen — weg von Finanzierungsängsten, hin zu Gewinnwachstum und Cashflow.
Die Bank hob ihre Einstufung für die Schweizer Versandapotheke von „Hold“ auf „Buy“ und verdoppelte das Kursziel von 5,50 auf 11,50 Franken. Die Aktie reagierte an der SIX mit einem zweistelligen Kurssprung. Analyst Jan Koch nennt vier Gründe für seinen Sinneswandel: mögliches Potenzial für eine Anhebung der Jahresprognose, sinkender Finanzierungsbedarf, ein günstigeres regulatorisches Umfeld und der aus seiner Sicht unterschätzte Wert des Online-Arzt-Dienstes TeleClinic.
Zahlen stützen den Kurswechsel
Der Stimmungswandel kommt nicht aus dem Nichts. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 10,7 Prozent auf 318,1 Millionen Franken und übertraf damit die Erwartungen. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um fast zehn Millionen Franken auf minus 6,3 Millionen Franken — ein Schritt näher zum geplanten Break-even, den das Unternehmen spätestens im vierten Quartal erreichen will.
Besonders kräftig legte das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland zu, das währungsbereinigt um 30,4 Prozent auf 68,1 Millionen Franken stieg — getrieben von Bonusanreizen auf Zuzahlungen. Nach Unternehmensangaben zog dieses Wachstum im März sogar noch weiter an. Die digitalen Dienste rund um TeleClinic, Retail Media und Marktplatz wuchsen um 63,1 Prozent, die Zahl aktiver Nutzer kletterte Ende März auf 12,6 Millionen.
Für das laufende Geschäftsjahr hält DocMorris an seiner Prognose fest: ein externes Umsatzwachstum im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen minus 10 und minus 25 Millionen Franken. Den freien Cashflow will das Unternehmen 2027 ins Plus drehen.
Koch rechnet damit, dass die Zahlen zum zweiten Quartal positiv überraschen und Spielraum für eine Anhebung der Jahresziele liefern könnten. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, dürfte sich mit der nächsten Quartalsvorlage zeigen.
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