Kaum ein Wert an der australischen Börse polarisiert derzeit so stark wie DroneShield. Unter den vier Brokerhäusern, die das Papier abdecken, stehen sich zwei Lager fast unversöhnlich gegenüber: Zwei stufen die Aktie mit „Strong Buy“ ein, zwei votieren mit „Sell“ oder „Strong Sell“.

Der daraus resultierende durchschnittliche Kurszielwert von 2,13 australischen Dollar würde ein Kurspotenzial von rund 12 Prozent bedeuten, das optimistischste Ziel liegt sogar bei 2,80 australischen Dollar und impliziert ein Plus von 47 Prozent.

Diese Spannbreite spiegelt die Verunsicherung wider, die seit der enttäuschenden Umsatzprognose Ende Juli über dem Titel liegt. Damals hatte DroneShield für das Geschäftsjahr eine Erlösspanne von 250 bis 270 Millionen australischen Dollar in Aussicht gestellt – deutlich unter dem Marktkonsens von rund 323 Millionen. Der Kurs brach daraufhin ein und hat sich seither nicht erholt.

Halbjahreszahlen bestätigen Wachstum, aber auch Margendruck

Die am Wochenende vorgelegten Halbjahreszahlen lieferten gestern kein Signal zur Beruhigung. Der Umsatz für das erste Halbjahr war bereits Ende Juli mit 125,8 Millionen australischen Dollar vorab gemeldet worden, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Bruttomarge sank jedoch von 65 auf 60 Prozent, belastet durch den Verkaufsmix, Währungseffekte und eine Abschreibung auf Rohmaterial im Zusammenhang mit dem Umzug der Produktionsstätte und der Einführung eines neuen ERP-Systems.

Genau dieser Margendruck war es, der Bell Potter und Jefferies Anfang August zu deutlichen Kurszielsenkungen veranlasste – Bell Potter reduzierte sein Ziel von 4,80 auf 2,50 australische Dollar, Jefferies stufte die Aktie sogar auf „Underperform“ zurück und senkte das Ziel auf 2,05 australische Dollar.

Auf der positiven Seite steht ein prall gefülltes Auftragsbuch: Zum 28. Juli standen bereits 206 Millionen australische Dollar an gesichertem Umsatz für das laufende Geschäftsjahr fest – das entspricht 95 Prozent des gesamten Vorjahresumsatzes von 216,5 Millionen australischen Dollar, und das bei noch fünf ausstehenden Monaten.

Ergänzt wird dies durch europäische Militäraufträge über 23,2 Millionen australische Dollar, die über den Vertriebspartner COBBS BELUX BV eingegangen sind.

Short-Seller wetten weiter gegen die Aktie

Parallel zur fundamentalen Debatte tobt an der Börse ein Kampf um die Positionierung. Die Leerverkaufsquote von DroneShield kletterte zuletzt auf 15,7 Prozent und macht das Papier zur meistgeshorteten Aktie am australischen Aktienmarkt. Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre und der anhaltende Druck der Leerverkäufer haben den Kurs binnen eines Monats um 19 Prozent nach unten gedrückt.

Der aktuelle Kursverlauf bestätigt dieses Bild: Am Freitag schloss die Aktie bei 1,13 Euro, ein Minus von 3,9 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 37 Prozent verringert. Zum 52-Wochen-Hoch von 3,79 Euro, erreicht am 1. Oktober, klafft mittlerweile eine Lücke von 70 Prozent.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Hochrisiko-Investment mit zwei Gesichtern: operativ wächst das Unternehmen rasant und sitzt auf einem historisch hohen Auftragsbestand, während Marge, Guidance und die geteilte Analystenmeinung Zweifel an der kurzfristigen Bewertung nähren. Die für den 27. August angesetzte Investorenkonferenz zum Halbjahresergebnis dürfte weitere Hinweise liefern, in welche Richtung sich diese Debatte auflöst.