Zwei Investorengruppen kämpfen gerade gegeneinander um DroneShield – und beide setzen Rekordsummen ein. Die einen wetten auf einen weiteren Kursverfall, die anderen kaufen munter zu. Am Freitag gab die Aktie des australischen Drohnenabwehr-Spezialisten um 5,52 Prozent nach und schloss bei 1,28 Euro. Das ist der tiefste Stand seit sechs Monaten.

Shortseller und Fidelity ziehen in entgegengesetzte Richtungen

Die Leerverkaufsquote bei DroneShield kletterte laut Marktdaten vom 23. Juli auf ein Rekordhoch von 12,8 Prozent. Seit Anfang Juli haben Shortseller ihre Position um mehr als 7 Millionen Aktien aufgestockt. Die Wette der Pessimisten: Der Kurs fällt weiter.

Parallel dazu bewegt sich Fidelity (FMR LLC) in die entgegengesetzte Richtung. Meldungen an die australische Börse ASX zeigen: Der Vermögensverwalter erhöhte seinen Anteil von 8,84 auf 9,93 Prozent. Zwischen Ende März und Mitte Juli kaufte Fidelity über 10,1 Millionen zusätzliche Aktien – ein Signal für langfristiges Vertrauen, während der Kurs gleichzeitig erodiert.

Umsatz explodiert, Cash-Eingänge auch

Diese Skepsis der Shortseller trifft auf überraschend starke Geschäftszahlen. Im ersten Quartal 2026 meldete DroneShield einen Umsatz von 74,1 Millionen australischen Dollar – ein Plus von 121 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war der zweithöchste Quartalsumsatz der Firmengeschichte.

Noch deutlicher fiel der Sprung bei den Zahlungseingängen von Kunden aus: Sie erreichten mit 77,4 Millionen australischen Dollar einen Rekordwert, ein Anstieg von 360 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025. Diese Kennzahl gilt als entscheidender Indikator dafür, wie gut DroneShield seine milliardenschwere Auftragspipeline von 2,2 Milliarden australischen Dollar tatsächlich in Bargeld umwandelt. Am Quartalsende saß das Unternehmen auf einem Kassenbestand von über 222 Millionen australischen Dollar.

Neuer CEO, neue Verträge, alte Ermittlung

Angus Bean übernahm im April 2026 den Chefposten, nachdem er zuvor als Chief Technology Officer tätig war. Unter seiner Führung setzt DroneShield verstärkt auf internationale Expansion und wiederkehrende Umsätze. Ein zentraler Baustein dieser Strategie: eine im Juni angekündigte Vereinbarung mit der US-Behörde Joint Interagency Task Force 401 im Volumen von 24,9 Millionen US-Dollar, mit einem Anfangsauftrag über 19,3 Millionen US-Dollar für mobile und stationäre Systeme zur Drohnenabwehr.

Ein Belastungsfaktor bleibt jedoch bestehen. Die australische Finanzaufsicht ASIC untersucht Marktkommunikation und Handelsaktivitäten aus dem November 2025. DroneShield betont volle Kooperationsbereitschaft mit den Behörden – die laufende Prüfung sorgt aber weiter für Vorsicht am Markt.

Charttechnik zeigt tiefe Wunden

Der Kurs notiert derzeit 32,52 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 1,90 Euro – ein deutliches Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend. Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,3 und nähert sich damit überverkauftem Terrain, ohne dass sich bislang eine Trendwende abzeichnet. Zum Vergleich: Vom Jahreshoch bei 3,65 Euro aus dem Oktober 2025 trennen die Aktie inzwischen fast zwei Drittel.

Die Halbjahreszahlen, die für Mitte August 2026 erwartet werden, dürften zeigen, welche der beiden Investorengruppen richtig liegt. Setzt sich das operative Wachstum durch, könnte das den Shortsellern erhebliche Verluste bescheren. Bestätigen sich dagegen die Bedenken rund um die ASIC-Untersuchung, dürfte der Abwärtsdruck anhalten.