Die Leerverkaufsquote bei DroneShield hat mit 15,5 Prozent einen bemerkenswerten Stand erreicht, wie ein Bericht von Motley Fool Australia von gestern zeigt. Kaum ein anderer australischer Titel wird derart intensiv gegen einen steigenden Kurs positioniert. Für Anleger stellt sich die Frage, ob diese Wette auf fallende Kurse angesichts der operativen Entwicklung des Rüstungselektronik-Herstellers gerechtfertigt ist.
Der Kurs notiert bei 1,05 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen ein Viertel seines Wertes verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 42 Prozent zu Buche, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 3,79 Euro aus dem Oktober fehlen inzwischen 72 Prozent.
Zum jüngsten Tief von Ende November liegt noch ein Polster von 27 Prozent, die technische Verfassung bleibt mit einem RSI von 36,8 und einer annualisierten Volatilität von 86 Prozent jedoch angespannt.
Wachstum trifft auf Vertrauensdefizit
Die hohe Shortquote fällt in eine Phase, in der DroneShield operativ eigentlich liefert. Am vergangenen Mittwoch hatte das Unternehmen für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 126 Millionen australischen Dollar gemeldet, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der gesicherte Auftragsbestand belief sich Ende August auf 240 Millionen australische Dollar, was dem Unternehmen eine ungewöhnlich hohe Sichtbarkeit auf künftige Erlöse verschafft. Der Anteil wiederkehrender Software-Umsätze stieg von rund 3 auf 9,2 Prozent.
Dem gegenüber steht ein Verlust nach Steuern von 32,2 Millionen australischen Dollar, nach einem Gewinn von 2,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das um Sonderposten bereinigte EBITDA rutschte auf minus 12,4 Millionen australische Dollar, verglichen mit plus 8,0 Millionen ein Jahr zuvor.
Belastet wurde das Ergebnis durch aktienbasierte Vergütungen, Kosten für Geschäftsunterbrechungen sowie Aufwendungen für die Einführung neuer Systeme. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich die Bruttomarge in der zweiten Jahreshälfte wieder Richtung 65 Prozent erholt, sobald sich der Produktmix verbessert und Einmalkosten auslaufen.
ASIC-Prüfung belastet zusätzlich
Zur Skepsis der Leerverkäufer dürfte auch eine laufende Prüfung der australischen Finanzaufsicht ASIC beitragen, die im Mai bekannt geworden war und sich mit Unternehmensmitteilungen sowie Handelsaktivitäten im November 2025 befasst.
DroneShield hat erklärt, vollständig kooperieren zu wollen, ein Ergebnis der Untersuchung steht bislang aus. Solange diese Unsicherheit nicht ausgeräumt ist, dürfte sie das Vertrauen institutioneller Investoren belasten und Shortsellern Argumente liefern.
Für die zweite Jahreshälfte hat DroneShield ambitionierte Pläne angekündigt: Erste Verkäufe des Aufklärungsprodukts RfRecon sollen anlaufen, weitere Ankündigungen zu neuen Abwehrplattformen sind für den weiteren Jahresverlauf und 2027 in Aussicht gestellt.
Der Gesamtjahresumsatz 2026 wird auf 250 bis 270 Millionen australische Dollar taxiert, ein Plus von 15 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ob diese Wachstumsstory ausreicht, um die Shortpositionen zum Rückzug zu bewegen, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die angekündigte Margenerholung auch tatsächlich in den Zahlen niederschlägt.
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