Ein Konzern mit prall gefülltem Auftragsbuch, dessen Aktie trotzdem seit Monaten abstürzt. Genau das erlebt DroneShield gerade. Der australische Spezialist für Drohnenabwehr sitzt auf einer Pipeline von 2,2 Milliarden australischen Dollar an möglichen Aufträgen. Anleger strafen die Aktie trotzdem ab.

Am Dienstag schloss das Papier bei 1,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 30 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 38 Prozent. Vom Rekordhoch bei 3,65 Euro im Oktober 2025 trennen die Aktie mittlerweile fast zwei Drittel.

Ein Termin entscheidet über die Richtung

Am 26. August legt DroneShield seine Halbjahreszahlen vor. Dieser Tag dürfte zum Wendepunkt werden – oder eben nicht.

Das Unternehmen verhandelt aktuell 13 Verträge mit einem Volumen von jeweils über 20 Millionen australischen Dollar. Der größte darunter: ein Programm im Wert von 730 Millionen australischen Dollar. Eine Entscheidung darüber fällt aber wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2026.

DroneShield hat parallel seine Berichtspraxis verändert. Statt quartalsweise informiert der Konzern künftig nur noch halbjährlich. Einzelverträge meldet das Unternehmen erst ab einem Volumen von 20 Millionen australischen Dollar. Diese Zurückhaltung bei der Kommunikation sorgt für zusätzliche Kritik – schließlich läuft gerade eine behördliche Prüfung gegen frühere Ankündigungen des Unternehmens.

Leerverkäufer wetten gegen die Erholung

Knapp 12 Prozent aller DroneShield-Aktien sind aktuell leerverkauft. Ein Grund dafür liegt in der Zusammensetzung der Umsätze.

Im Jahr 2025 stammten 91 Prozent der Erlöse aus Hardware-Verkäufen. Abonnements trugen nur 5 Prozent bei, Garantien und Services weitere 4 Prozent. Bis Mai machten wiederkehrende Umsätze gerade einmal 13 Prozent der für 2026 bereits zugesagten Erlöse aus. Der Trend zeigt zwar nach oben, das Geschäft hängt aber weiterhin stark davon ab, wann und wie groß einzelne Ausrüstungsdeals ausfallen.

Hinzu kommt die laufende Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC. Sie prüft Unternehmensmitteilungen und Börsenmeldungen aus der Zeit vom 1. bis 20. November 2025 sowie den Aktienhandel vom 6. bis 12. November. DroneShield kündigte Kooperation an, weiß nach eigenen Angaben aber selbst nicht, ob die Prüfung Konsequenzen nach sich zieht. Vorausgegangen waren Governance-Probleme rund um Aktienverkäufe von Führungskräften sowie eine fehlerhafte Meldung zu einem US-Auftrag – beide Vorfälle gelten als Mitauslöser des schweren Kursverfalls im vergangenen Jahr.

Analysten liegen weit auseinander

Die Unsicherheit spiegelt sich in einer ungewöhnlich breiten Streuung der Kursziele wider. Investing.com nennt einen Konsens-Zielkurs von 4,50 australischen Dollar auf Zwölfmonatssicht, mit einer Spanne von 3,70 bis 5,00 Dollar. TipRanks kommt basierend auf einer Kauf-, einer Halte- und einer Verkaufsempfehlung auf ein Halten-Rating mit einem Durchschnittskurs von 3,49 Dollar – die Spanne reicht dort von 2,28 bis 4,80 Dollar.

Die hohe Zahl an Leerverkäufen und das schwache Chartbild deuten darauf hin, dass der Markt derzeit mehr Risiko als Chance einpreist. Fällt aber die Entscheidung über den 730-Millionen-Dollar-Auftrag, könnte sich das Bild schnell drehen.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Die Aktie notiert aktuell 20 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,75 Euro und fast 29 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,97 Euro. Der 14-Tage-RSI liegt bei 36,9 – nahe der überverkauften Zone, aber noch nicht dort angekommen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität ist auf über 67 Prozent geklettert. Das zeigt, wie heftig das Papier zwischen Auftragsmeldungen und Nachrichten zur Regulierung hin- und herschwingt.

Konkurrent Electro Optic Systems ist im selben Beschaffungsumfeld aktiv. Das Unternehmen erhielt am 8. Juli einen Regierungsauftrag über 5,7 Millionen australische Dollar für sein Drohnenabwehrsystem R400 Slinger. Trotz größerer Exportdeals im Waffenbereich bleibt die Marktkapitalisierung von rund 1,78 Milliarden australischen Dollar aber weiterhin unter der von DroneShield.

Der 26. August als Schlüsseltermin

Einen Zeitplan für die ASIC-Prüfung gibt es bislang nicht. Damit rückt der Halbjahresbericht am 26. August endgültig ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Landet bis dahin ein weiterer bestätigter Großauftrag, könnten Leerverkäufer gezwungen sein, ihre Positionen einzudecken. Das würde die Aktie rasch nach oben treiben. Bleibt eine solche Meldung aus, dürfte die Kombination aus Hardware-lastigem Geschäft, hoher Bewertung und offener Regulierungsfrage den Bären weiter Auftrieb geben.